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Maurizio Pollini
Biographie, Biografie, Albums, CDs

Artikel vom November 1999

 
Biografie
 
Der 1942 in Mailand geborene Maurizio Pollini studierte bei Carlo Lonati Klavier und Komposition sowie am Mailänder Konservatorium das Dirigieren. Bereits im Alter von 15 Jahren, als er Chopins Etuden in Mailand spielte, nahm die Presse Notiz von ihm. 1960 gewann er den prestigeträchtigen 1. Preis des Warschauer Chopin-Wettbewerbs. Daraufhin folgten weitere Jahre des Studiums, nun bei Arturo Benedetti-Michelangeli. Seit Mitte der 60er Jahre gibt Maurizio Pollini Klavierrezitale, spielt Kammermusik (z.B. Brahms) und arbeitet mit den grossen Orchestern dieser Welt zusammen. 1968 erfolgte sein erster Auftritt in den USA, 1974 in Japan. Zudem setzt sich Maurizio Pollini für die zeitgenössische klassische Musik. 1999 führt er am Salzburger Festival von ihm in Auftrag gegebene Werke von Manzoni, Donatoni, Guarnieri und Berio auf. Hin und wieder betätigt er sich auch als Dirigent, so am Rossini Festival in Pesaro.
 
Vor einiger Zeit hatte Maurizio Pollini Probleme mit einer Sehnenentzündung, die ihn zur Annulierung einiger Konzerte zwang (so in der Schweiz, wovon auch wir betroffen waren). Doch nun scheinen die gesundheitlichen Probleme überwunden. Davon zeugen auch zwei neue CDs bei der Deutschen Grammophon (1999), für die Pollini seit 1971 exklusiv aufnimmt.
 
Chopin-CD
 
Im April 1999 entstand im Herkules-Saal in München Maurizio Pollinis neue Chopin-CD. Dem in der Regel auch bei Konzerten fehlerlos spielenden Pianisten wird oft blosse technische Brillianz attestiert, seine interpretatorischen Fähigkeiten seien dagegen limitiert. Da bei Frédéric Chopin erstmals in der Musikgeschichte die Virtuosität ganz im Dienst des poetischen Ausdrucks steht, ist diese CD - wie auch schon frühere Chopin-Einspielungen Pollinis - immer auch ein möglicher Gegenbeweis des Pianisten gegenüber seinen Kritikern. Chopins Balladen bezeichnen <eine kontinuierliche, lyrisch-narrative Entwicklung, die sich auf rein musikalischer Ebene vollzieht und formale Lösungen ermöglicht, die aus einer dramatischen Logik resultieren und sich nicht auf traditionelle Formen reduzieren lassen. Zwar gibt es jeweils zwei Themengruppen, die durchgeführt und verarbeitet werden; aus dieser thematischen Arbeit entstehet jedoch nichts, was sich als Sonatenform ansprechen liesse, und ganz bewusst wird die gängige Form der Reprise vermieden, die mit dem ersten Thema einsetzt und in die Grundtonart zurückführt> (Paolo Petazzi). Maurizio Pollini geht souverän mit Chopins dramatischer Darstellung verschiedener Gefühlszustände um. Sein Klavierspiel lässt sich nicht als reine technische Fertigkeit abtun, dafür sind Chopins Balladen, die Fantaisie op. 49 und die Prélude op. 45 zu komplex. In den Balladen erweist sich Chopin erstmals als Meister der grossen Form (Paolo Petazzi). Pollini wird diesem Anspruch auch im Ausdruck gerecht.
 
Debussy-CD
 
Gleichzeitig [1999] erscheint bei Deutsche Grammophon auch eine CD Maurizio Pollinis mit den Préludes I sowie L'Isle joyeuse von Debussy (bereits im Juni 1998 im Herkulessaal in München aufgenommen). Es gibt nur wenige hervorragende Pianisten für impressionistische Musik. Zu ihnen gehörte Maurizio Pollinis zeitweiliger Lehrer Arturo Benedetti-Michelangeli. Die Préludes von Debussy huldigen in ihren Titeln und und ihrer Anzahl jenen von Frédéric Chopin, der in der Romantik das Präludium zu einer autonomen Gattung erhoben hatte. Debussys Titel sind vage gehalten, erlauben Doppeldeutigkeiten (Voiles bedeutet Schleier oder Segel) und unterstreichen den flüchtigen Charakter sowie die Leichtigkeit der sich auf Assoziationen limitierenden impressionistischen Musik. Des pas sur la neige sind eine raffinierte Anspielung auf den barocken Begriff: Präludium zu ... etwas anderem (Laurent Barthel). Der Schüler Maurizio Pollini mag seinem Lehrer Arturo Benedetti-Michelangeli in den Préludes nicht das Wasser reichen können, doch mit der ebenfalls auf der CD eingespielten L'Isle joyeuse, mit der Debussy wohl auf Jersey anspielt, die Liebesinsel des Komponisten und seiner späteren zweiten Frau, Emma Bardac, muss sich der Pianist Pollini nicht verstecken. Debussys aufwendigstes Klavierwerk von <furchterregender technischer Schwierigkeit> (Laurent Barthel) kommt Pollinis technischen Fähigkeiten entgegen. Ein jubelndes Feuerwerk!

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Maurizio Pollini. Photo © Philippe Gontier / Deutsche Grammophon, DG.
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Maurizio Pollini. Photo © Cosimo Filippini / Deutsche Grammophon, DG.