Joshua Redman
Biographie, CDs und Konzert,
Biografie von Joshua
Redman
Der [1999] 29jährige Joshua
Redman, Sohn des Saxophonisten Dewey Redman,
beginnt seine musikalische Karriere im Jahr 1991. Eben erst hat er von
Harvard graduiert und denkt noch über ein Rechtsstudium nach, da kann
er bereits mit seinem Vater sowie Charlie Haden, Jack DeJohnette, u.a.
auf Tournee gehen. Im selben Jahr gewinnt Joshua Redman den ersten Preis
beim Thelonious Monk Institute of Jazz Saxophon-Wettbewerb, was ihm einen
Plattenvertrag mit Warner Bros. einbringt. 1993 nimmt er sein erstes Album
auf, zusammen mit dem Bassisten Christian McBride, dem Pianisten Kevin
Hays sowie Gregory Hutchinson am Klavier. 1993 tourt Redman mit anerkannten
Jazzgrössen wie Pat Metheny, Charlie Haden und Billy Higgins. 1994
schliesslich ging er mit einer neuen Band auf Tournee, bestehend aus Brad
Mehldau, Klavier, McBride, Bass, sowie Brian Blade, Schlagzeug. Mit ihnen
zusammen nahm er MoodSwing auf, das erstmals vollständig aus
Eigenkompositionen bestand. 1995 erscheinen Spirit of the Moment
und 1996 Freedom In The Groove, beide mit Peter Martin am Klavier,
Christopher Thomas am Bass und Brian Blade am Schlagzeug, wobei sich 1996
noch der Gitarrist Peter Bernstein zu ihnen gesellt, um zehn Neukompositionen
aufzunehmen. Redman hat auch in zwei Filmen mitgespielt bzw. die Musik
dazu beigesteuert: es handelt sich um Kansas City von Robert Altman
- Jazz, der uns nicht vom Hocker riss - sowie um 42nd Street Vanya
von Louis Malle.
Auf seiner neuesten CD, Timeless Tales (for Changing Times),
spielt Joshua Redman mit dem Pianisten Brad Mehldau, dem Bassisten Larry
Grenadier und dem Schlagzeuger Brian Blade zusammen. Dabei geht es für
einmal um Klassiker der Musikgeschichte. Das Quartett interpretiert bekannte
Songs neu: von George und Ira Gershwin Summertime, von Cole Porter
Love
For Sale, von den Beatles Eleanor Rigby oder von Prince
How
Come U Don't Call Me Anymore. Joshua Redman äussert sich dazu
wie folgt: der Jazz-Musiker Suche zeitlose Lieder, die er zeitgenössisch
interpretieren könne. Lieder, die ihn nicht nur als Zuhörer bewegen,
sondern ihn auch als Musiker, Improvisateur, Arrangierer und Bandleader
in Anspruch nehmen. Auf der Platte arbeitet Redman mit unterschiedlichen
Rhythmen. Gemäss eigener Aussage beeinflussen ihn vor allem Prince,
die Beatles, Stevie Wonder sowie, in den letzten Jahren, Joni Mitchell
mit seinen harmonischen Konzepten, die sehr offen und suggestiv seien und
so der Interpretation viel Raum gäben. Die Jazz-Tradition sei für
ihn sehr wichtig, doch gehe es darum, etwas von sich selbst zu geben, etwas
Authentisches zu schaffen. Tatsächlich sind Joshua Redmans Interpretationen
oft weit von den Originalen entfernt. Timeless Tales (for Changing Times)
ist die sechste Platte, die er als Leader veröffentlicht hat.
Konzert an der AVO-Session in Basel vom 7. November 1999 mit dem
Joshua Redman Quartet
Seit vierzehn Jahren werden in Basel die nach dem aus dem Libanon stammenden
Zigarren-Zaren, früheren Berufspianisten und Entertainer Avo Uvezian
benannten AVO-Sessions abgehalten, notabene ohne einen einzigen Franken
an staatlichen Subventionen (allerdings kommt 1999 durch das Co-Sponsoring
durch das Schweizer Radio und das Schweizer Fernsehen schon indirekt Geld
vom Steuerzahler hinzu). An den diesjährigen neun Konzerttagen mit
einem Gesamtbudget von 2,5 Mio. Schweizerfranken traten so unterschiedliche
Künstler wie Juliette Gréco und Dave aus Frankreich, Edoardo
Bennato aus Italien, Salif Keita aus Mali oder Francis Bebey aus Kamerun
auf. Den Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltungen des "grössten
Schweizer Indoor-Musikereignisses", wie die Organisatoren nicht ohne Stolz
vermerken, gehörte den amerikanischen Jazz-Quartetten von Branford
Marsalis und Joshua Redman. Bereits 1998 waren die beiden Saxophonisten
in Basel zu Gast gewesen. Marsalis am Festival "Musik der Welt in Basel"
und Redman im Rahmen einer Off beat/JSB-Veranstaltung im Dezember. Am 7.
November 1999 traten sie nun nach- und miteinander an der AVO-Session auf.
Zur Akkustik: die Basler Messehalle hält natürlich dem Vergleich
mit der Tonhalle in Zürich (wir haben letzten Monat dort das Konzert
von Sonny Rollins genossen), einem der akustisch besten Konzertsäle
Europas, in keiner Weise stand. Ist in Basel kein richtiger Konzertsaal
als Aufführungsort für die 15. AVO-Session im November 2000 denkbar?
Nach dem Branford Marsalis
Quartet spielte das Quartett von Joshua Redman. Mit Aaron Goldberg am Klavier, Gregory Hutchinson
am Schlagzeug sowie Reuben Rogers am Bass trat das Joshua Redman Quartet, abgesehen vom Leader, in
einer von Redmans letztem Album timeless tales (for changing times)
völlig
verschiedenen Besetzung auf. Deshalb erstaunt es nicht, dass sein Basler
Programm nur wenig mit timeless tales zu tun hatte. Statt Klassiker
von Cole Porter oder Prince in zumeist erfrischend freier Interpretation
gab es Bepop und Post-Bepop in nicht immer sehr inspirierter und inspirierender
Form zu hören, abgesehen vom Beginn, bei dem anfangs kurz Anklänge
an arabisch-orientalische Klangwelten zu erkennen waren. Auf seine Eigenkomposition
Keep
The Faith, die auf seiner nächsten CD zu hören sein wird,
folgte Suspended Animations. Von Joshua Redmans vielgepriesenen
soulvollen Tönen war ebensowenig zu hören wie von Crossover-Elementen.
Wollte er dem Basler Publikum das Abreissen "der künstlichen Barrieren"
zwischen Jazz und Pop nicht zumuten? Erst zum Schluss bot das Quartett
mit Cole Porters Love For Sale den zweiten Höhepunkt des Abends.
Damit knüpften die vier an Redmans timeless tales an. Als Zugabe
erlebten die Zuschauer schliesslich den gemeinsamen Auftritt von Branford
Marsalis mit dem Joshua Redman Quartett. Doch kam es nicht zu einem wirklichen
Duell der beiden Saxophonspieler, obwohl Redman immer Passagen vorgab,
denen Marsalis darauf folgte; dazu waren es zu kleine und zu wenig melodiöse
Bruchstücke. Allerdings bestätigte sich, was sich bereits in
den zwei vorangegangenen Konzertteilen angekündigt hatte: Branford
Marsalis ist in Präzision, Ausdruck, Klangfarben und -fülle Joshua
Redman überlegen. Insgesamt war es kein besonders schöpferischer
Abend, der jedoch mit Cassandra
und Love for Sale zwei Leckerbissen
für jeden Jazzfan bereit hielt, die alleine den Weg in die Messehalle
lohnten.
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Timeless Tales (for changing times), 1998. Album bestellen bei citydisc
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