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Nr. 9, 15. November/14. Dezember 1999
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Joshua Redman
Biographie, CDs und Konzert, 
 
Biografie von Joshua Redman
 
Der [1999] 29jährige Joshua Redman, Sohn des Saxophonisten Dewey Redman, beginnt seine musikalische Karriere im Jahr 1991. Eben erst hat er von Harvard graduiert und denkt noch über ein Rechtsstudium nach, da kann er bereits mit seinem Vater sowie Charlie Haden, Jack DeJohnette, u.a. auf Tournee gehen. Im selben Jahr gewinnt Joshua Redman den ersten Preis beim Thelonious Monk Institute of Jazz Saxophon-Wettbewerb, was ihm einen Plattenvertrag mit Warner Bros. einbringt. 1993 nimmt er sein erstes Album auf, zusammen mit dem Bassisten Christian McBride, dem Pianisten Kevin Hays sowie Gregory Hutchinson am Klavier. 1993 tourt Redman mit anerkannten Jazzgrössen wie Pat Metheny, Charlie Haden und Billy Higgins. 1994 schliesslich ging er mit einer neuen Band auf Tournee, bestehend aus Brad Mehldau, Klavier, McBride, Bass, sowie Brian Blade, Schlagzeug. Mit ihnen zusammen nahm er MoodSwing auf, das erstmals vollständig aus Eigenkompositionen bestand. 1995 erscheinen Spirit of the Moment und 1996 Freedom In The Groove, beide mit Peter Martin am Klavier, Christopher Thomas am Bass und Brian Blade am Schlagzeug, wobei sich 1996 noch der Gitarrist Peter Bernstein zu ihnen gesellt, um zehn Neukompositionen aufzunehmen. Redman hat auch in zwei Filmen mitgespielt bzw. die Musik dazu beigesteuert: es handelt sich um Kansas City von Robert Altman - Jazz, der uns nicht vom Hocker riss - sowie um 42nd Street Vanya von Louis Malle.
 
Auf seiner neuesten CD, Timeless Tales (for Changing Times), spielt Joshua Redman mit dem Pianisten Brad Mehldau, dem Bassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Brian Blade zusammen. Dabei geht es für einmal um Klassiker der Musikgeschichte. Das Quartett interpretiert bekannte Songs neu: von George und Ira Gershwin Summertime, von Cole Porter Love For Sale, von den Beatles Eleanor Rigby oder von Prince How Come U Don't Call Me Anymore. Joshua Redman äussert sich dazu wie folgt: der Jazz-Musiker Suche zeitlose Lieder, die er zeitgenössisch interpretieren könne. Lieder, die ihn nicht nur als Zuhörer bewegen, sondern ihn auch als Musiker, Improvisateur, Arrangierer und Bandleader in Anspruch nehmen. Auf der Platte arbeitet Redman mit unterschiedlichen Rhythmen. Gemäss eigener Aussage beeinflussen ihn vor allem Prince, die Beatles, Stevie Wonder sowie, in den letzten Jahren, Joni Mitchell mit seinen harmonischen Konzepten, die sehr offen und suggestiv seien und so der Interpretation viel Raum gäben. Die Jazz-Tradition sei für ihn sehr wichtig, doch gehe es darum, etwas von sich selbst zu geben, etwas Authentisches zu schaffen. Tatsächlich sind Joshua Redmans Interpretationen oft weit von den Originalen entfernt. Timeless Tales (for Changing Times) ist die sechste Platte, die er als Leader veröffentlicht hat.

 
Konzert an der AVO-Session in Basel vom 7. November 1999 mit dem Joshua Redman Quartet
 
Seit vierzehn Jahren werden in Basel die nach dem aus dem Libanon stammenden Zigarren-Zaren, früheren Berufspianisten und Entertainer Avo Uvezian benannten AVO-Sessions abgehalten, notabene ohne einen einzigen Franken an staatlichen Subventionen (allerdings kommt 1999 durch das Co-Sponsoring durch das Schweizer Radio und das Schweizer Fernsehen schon indirekt Geld vom Steuerzahler hinzu). An den diesjährigen neun Konzerttagen mit einem Gesamtbudget von 2,5 Mio. Schweizerfranken traten so unterschiedliche Künstler wie Juliette Gréco und Dave aus Frankreich, Edoardo Bennato aus Italien, Salif Keita aus Mali oder Francis Bebey aus Kamerun auf. Den Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltungen des "grössten Schweizer Indoor-Musikereignisses", wie die Organisatoren nicht ohne Stolz vermerken, gehörte den amerikanischen Jazz-Quartetten von Branford Marsalis und Joshua Redman. Bereits 1998 waren die beiden Saxophonisten in Basel zu Gast gewesen. Marsalis am Festival "Musik der Welt in Basel" und Redman im Rahmen einer Off beat/JSB-Veranstaltung im Dezember. Am 7. November 1999 traten sie nun nach- und miteinander an der AVO-Session auf. Zur Akkustik: die Basler Messehalle hält natürlich dem Vergleich mit der Tonhalle in Zürich (wir haben letzten Monat dort das Konzert von Sonny Rollins genossen), einem der akustisch besten Konzertsäle Europas, in keiner Weise stand. Ist in Basel kein richtiger Konzertsaal als Aufführungsort für die 15. AVO-Session im November 2000 denkbar?

Nach dem Branford Marsalis Quartet spielte das Quartett von Joshua Redman. Mit Aaron Goldberg am Klavier, Gregory Hutchinson am Schlagzeug sowie Reuben Rogers am Bass trat das Joshua Redman Quartet, abgesehen vom Leader, in einer von Redmans letztem Album timeless tales (for changing times) völlig verschiedenen Besetzung auf. Deshalb erstaunt es nicht, dass sein Basler Programm nur wenig mit timeless tales zu tun hatte. Statt Klassiker von Cole Porter oder Prince in zumeist erfrischend freier Interpretation gab es Bepop und Post-Bepop in nicht immer sehr inspirierter und inspirierender Form zu hören, abgesehen vom Beginn, bei dem anfangs kurz Anklänge an arabisch-orientalische Klangwelten zu erkennen waren. Auf seine Eigenkomposition Keep The Faith, die auf seiner nächsten CD zu hören sein wird, folgte Suspended Animations. Von Joshua Redmans vielgepriesenen soulvollen Tönen war ebensowenig zu hören wie von Crossover-Elementen. Wollte er dem Basler Publikum das Abreissen "der künstlichen Barrieren" zwischen Jazz und Pop nicht zumuten? Erst zum Schluss bot das Quartett mit Cole Porters Love For Sale den zweiten Höhepunkt des Abends. Damit knüpften die vier an Redmans timeless tales an. Als Zugabe erlebten die Zuschauer schliesslich den gemeinsamen Auftritt von Branford Marsalis mit dem Joshua Redman Quartett. Doch kam es nicht zu einem wirklichen Duell der beiden Saxophonspieler, obwohl Redman immer Passagen vorgab, denen Marsalis darauf folgte; dazu waren es zu kleine und zu wenig melodiöse Bruchstücke. Allerdings bestätigte sich, was sich bereits in den zwei vorangegangenen Konzertteilen angekündigt hatte: Branford Marsalis ist in Präzision, Ausdruck, Klangfarben und -fülle Joshua Redman überlegen. Insgesamt war es kein besonders schöpferischer Abend, der jedoch mit Cassandra und Love for Sale zwei Leckerbissen für jeden Jazzfan bereit hielt, die alleine den Weg in die Messehalle lohnten.
 

Albums, CDs von Joshua Redman
 
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Spirit Of The Moment. CD bestellen bei Amazon.de oder citydisc Schweiz.
 
Wish, 1993. Album bestellen bei citydisc Schweiz oder Amazon.de
 

Mood Swing, 1994. CD bestellen bei citydisc Schweiz oder Amazon.de.
 

Timeless Tales (for changing times), 1998. Album bestellen bei citydisc Schweiz oder Amazon.de.
 
Beyond, 2000. CD bestellen bei Amazon.de oder
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Passage of Time, 2001. Album bestellen bei
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