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Nr. 9, 15. November/14. Dezember 1999
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Politische Witze und Anekdoten
Johannes Kuntz: Selten so gelacht

Der Journalist und frühere Pressesprecher Bruno Kreiskys, Johannes Kuntz, der auch Jazz-Festivals organisiert und bisher bereits 26 Bücher geschrieben oder herausgegeben hat, fasst das 20. Jahrhundert in Witz und Anekdote zusammen. In Selten so gelacht dominieren politischer Witz und Anekdote, wobei Kuntz der jüdischen Komponente breiten Raum lässt und den verschiedenen historischen Perioden kleine Einleitungen voranstellt. Den Inhalt illustrieren am besten einige gelungene Beispiele:
 
Die österreichisch-ungarische Monarchie will vor 1914 eine grosse Anleihe bei Baron Rothschild aufnehmen. Als der Baron zur Vertragsunterzeichnung im Schloss Schönbrunn erscheint, flüstert ihm der Polizeiminister ins Ohr: "Herr Baron, Ihr Sohn treibt sich in sozialistischen Kreisen herum. Warnen Sie ihn. Wir können nicht länger untätig zusehen!" Zur Vertragsunterzeichnung kommt es nicht mehr, denn nun weigert sich Baron Rothschild, seine Unterschrift unter das Dokument zu setzen: "Wie kann ich Vertrauen haben in eine Monarchie, die Angst hat vor meinem kleinen Moritz?!"
 
Samy klagt: "Rebbe, ich fühle mich vom NKWD beschattet. Was soll ich für Schritte unternehmen?" Der Rebbe klärt nicht lange: "Grosse, Samy, sehr grosse!"
 
1933 kommt ein Münchner Jude von einem Berlin-Besuch zurück und berichtet seinem Freund: "Ich habe Goebbels gesehen. Er sieht aus wie Apoll ..." - "Bist Du verrückt? Dieser kleine Krüppel!" - "Lass mich doch ausreden: er sieht aus wie a polnischer Jud!"
 
Ein weiblicher Fan zu einem Schauspieler, der Mussolini zum Verwechseln ähnlich sieht: "Das muss für Sie ein ungeheures Glücksgefühl sein. Immer und überall werden Sie freudig mit Jubel willkommen geheissen und die Menschen sind begeistert!" - "Ja, im Theater ist es so. Aber spät abends, wenn ich allein durch die Strassen nach Hause gehe ..."
 
Ein DDR-Witz: Was gab es früher, das Huhn oder das Ei? - Früher gab es beides.
 
Konrad Adenauer ist dafür bekannt, dass er seine CDU eher autoritär führt. Ein Mitglied des Parteipräsidiums sagt in diesem Zusammenhang einmal in vertraulicher Sitzung: "Der Herr Bundeskanzler wünscht, dass wir zu all seinen Plänen ja und amen sagen." Adenauers Reaktion: "Es jenücht mir, meine Herren, wenn Se ja sajen."
 
Der Papst, ein Student, Bill Clinton und Helmut Kohl sitzen in einem Flugzeug. Da geht die Cockpit-Türe auf, der Pilot erscheint und sagt, die Maschine wird demnächst abstürzen. Er öffnet die Türe und springt ab. Die vier Fluggäste finden in der Eile drei Fallschirme. Clinton ruft: "Ich bin der mächtigste Mann der Welt", und springt ins Freie. "Ich bin der mächtigste Staatsmann Europas", sagt Kohl und springt ebenfalls. Da meint der Papst zum Studenten: "Ich bin Gott so nahe und Du hast Dein Lebn noch vor Dir. Nimm' den letzten Fallschirm und rette Dich!" - "Wir können uns beide retten", antwortet der Student, "denn der wichtigste Staatsmann Europas ist mit meinem Rucksack unterwegs!"
 
Johannes Kunz: Selten so gelacht. Das 20. Jahrhundert in Witz und Anekdote. Wien, Molden Verlag, 1999, 320 S.
 
Wer sich nicht nur für Anekdoten, die natürlich nicht zu kurz kommen, interessiert, kann zu Herbert R. Lottmann greifen: Die Rothschilds in Frankreich. Geschichte einer Dynastie. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 1999 (engl. Originalausg. 1995), 408 S.: Lottmann sützt sich auf Vorarbeiten von Egon Cäsar Conte Corti: Der Aufstieg des Hauses Rothschild, Leipzig 1927/28 sowie dessen 1962 überarbeitet wiederaufgelegtes Werk Die Rothschilds. Auch Anka Mühlstein und ihr James de Rothschild, Paris, Gallimard, 1981, leistete ihm wertvolle Dienste. Die Geschichte der Rothschilds von ihren Anfängen in Frankfurts Judengasse in der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Verstaatlichung der französischen Rothschild-Bank im Jahr 1981 durch Präsident Mitterrand ist Lottmanns Thema. Die mächtigen jüdischen Bankiers waren wiederholt Opfer von Antisemitismus, betätigten sich als Philanthropen, handelten oft staatstragend und dachten zweilen reaktionär. Lottmanns Biographie gilt nicht nur einer der mächtigsten Familien Frankreichs, sondern einem Mythos von Geld, Macht und Einfluss.


 

 

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