Branford Marsalis
Biographie, CDs, Albums,
Konzert
Biografie von Branford Marsalis
Der am 26. August 1960 in Beaux Ridge,
Louisiana, geborene Branford
Marsalis ist der älteste Sohn von Ellis und Dolores Marsalis. Sohn
Vater ist ein bekannter Pianist und unter seinen Brüdern sind mehrere
Musiker. Am bekanntesten ist der Jazz-Trompeter Wynton Marsalis, der als
Führer einer Bewegung innerhalb des Jazz gilt, die zurück zu
den Wurzeln will und an den Jazz der 60er Jahre anknüpft. Von 1979
bis 1981 besucht Branford die Berklee School of Music in Boston. Bereits
1980 kann er als Bariton-Saxophonist mit Art Blakey ein Europa-Tour unternehmen.
Danach spielt er im Orchester von Lionel Hampton, 1981 tourt er mit Clark
Terry und erneut mit Art Blakey und seinen Jazz Messenger als Alto-Saxophonist.
1982 bis 1985 spielt er im Quintett seines Bruders Wynton Tenor- und Alto-Saxophon.
1985 erfolgt mit Scenes in The City
Branford Marsalis' Aufnahmedebut
mit Columbia.
1985 schliesst sich Branford Marsalis dem Police-Leader Sting
an. Zusammen mit ihm, Kenny Kirkland, Daryl "Munch" Jones und Omar Hakim
gründet er eine Band, die Albums wie Dream of the Blue Turtles(1985)
und Nothing Like the Sun (1987) aufnimmt. Dies bedeutet eine Oeffnung
seiner Musik und Abkehr vom traditionalistisch-konservativen Jazz seines
Bruders Wynton Marsalis. Ab 1986 betätigt sich Branford als Leader
eigener Trios und Quartette, mit denen er zum Teil kompromisslosen Jazz
aufnimmt, zum Teil experimentiert er aber auch unter dem Namen Buckshot
LeFonque mit Jazz/Funk-Fusion. Im April 1986 kommen seine Romances For
Saxophone auf den Markt, die sich gut zwei Monate lang in den Billboard's
Top 5 der Hitparade klassischer Musik halten. Branford Marsalis hat auf
der Platte Musik u.a. von Faure, Ravel und Debussy vereint. Im Sommer unternimmt
er eine internationale Tournee mit mit Herbie Hancock. 1988 tourt er mit
Sting. Höhepunkt ist ein Konzert zur Befreiung Nelson Mandelas im
Wembley Stadium in London. Branford Marsalis gehört regelmässig
zu den Grammy-Nominierten in verschiedenen Kategorien. Unter mehreren Aufnahmen,
u.a. mit seinem Vater und seinen Brüdern (so Delfeayo Marsalis als
Produzent), seien nur 1990, 1991 und 1992 seine Beiträge zur Musik
von Fred Schepis Film The Russia House, Spike Lees Mo' Better
Blues sowie Sneakers mit Robert Redford genannt.
Von 1992 bis 1998 schliesslich wird Branford Marsalis einem grossen
Publikum als Leader von Jay Lenos Tonight Show Band bekannt. Musikalisch
stagniert er etwas mit seinem Post-Bop-Jazz. Ab August 1997 ist er für
Columbias Jazz-Abteilung als creative consultant tätig; u.a.
ist er für die Talentsuche zuständig. Ab Herbst 1996 lehrt er
teilweise Musik an der Michigan University. Im April 1997 veröffentlicht
er seine zweite CD, Music Evolution, unter dem Namen Buckshot LeFonque.
Seit Anfang der 90er Jahre ist Branford Marsalis mit seinem populären
JazzSet
Programm auf dem National Public Radio zu hören. Im Februar 1999 gewinnt
er dafür den jährlichen Achievement in Radio Award als
Best
Syndicated Show. Bei der Aufnahme seines letzten Albums Requiem
für Columbia (März 1999) verstirbt sein Pianist Kenny Kirkland
an Nebeneffekten seines Drogenkonsums. Daneben sind auf der Platte der
Bassist Eric Revis sowie der Schlagzeuger Jeff "Tain" Watts zu hören.
AVO-Session Basel, 7. November 1999, Branford
Marsalis Quartet
Seit vierzehn Jahren werden in Basel die nach dem aus dem Libanon stammenden
Zigarren-Zaren, früheren Berufspianisten und Entertainer Avo Uvezian
benannten AVO-Sessions abgehalten, notabene ohne einen einzigen Franken
an staatlichen Subventionen (allerdings kommt 1999 durch das Co-Sponsoring
durch das Schweizer Radio und das Schweizer Fernsehen schon indirekt Geld
vom Steuerzahler hinzu). An den diesjährigen neun Konzerttagen mit
einem Gesamtbudget von 2,5 Mio. Schweizerfranken traten so unterschiedliche
Künstler wie Juliette Gréco und Dave aus Frankreich, Edoardo
Bennato aus Italien, Salif Keita aus Mali oder Francis Bebey aus Kamerun
auf. Den Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltungen des "grössten
Schweizer Indoor-Musikereignisses", wie die Organisatoren nicht ohne Stolz
vermerken, gehörte den amerikanischen Jazz-Quartetten von Branford
Marsalis und Joshua Redman. Bereits 1998 waren die beiden Saxophonisten
in Basel zu Gast gewesen. Marsalis am Festival "Musik der Welt in Basel"
und Redman im Rahmen einer Off beat/JSB-Veranstaltung im Dezember. Am 7.
November 1999 traten sie nun nach- und miteinander an der AVO-Session auf.
Zur Akkustik: die Basler Messehalle hält natürlich dem Vergleich
mit der Tonhalle in Zürich (wir haben letzten Monat dort das Konzert
von Sonny Rollins genossen), einem der akustisch besten Konzertsäle
Europas, in keiner Weise stand. Ist in Basel kein richtiger Konzertsaal
als Aufführungsort für die 15. AVO-Session im November 2000 denkbar?
Das Branford Marsalis Quartet begann vor ausverkauftem Haus eher verhalten
mit In Decrease. Jeff "Tain" Watts schlug allerdings auf sein
Schlagzeug ein, dass es nur so krachte. Zusammen mit Joey Calderazzo am
Klavier, der Anfang der 90er Jahre mit Blue Note einige Alben aufgenommen
hat und den verstorbenen Kirkland im Quartett ersetzt, sowie Eric Revis
am Bass, boten die vier viel Hardbop. Der Höhepunkt folgte mit dem
vierten Titel des Abends, Cassandra, aus Branford Marsalis' letzter,
akustischer Jazz-CD Requiem. Cassandra, die den Menschen das Unglück
voraussagen kann, von diesen jedoch nicht ernst genommen wird, als Metapher
für die Situation des Jazz? Branford Marsalis hat in einem Interview
auf das Fehlen der Melodie in der heutigen Popmusik hingewiesen. Die Leute
wollten nicht mehr richtig zuhören. Cassandra mit seinen sanften,
sensiblen und für Jazz innovativ-melodiösen Tönen fördert,
ja erzwingt auf natürliche Weise die Aufmerksamkeit des Publikums.
Ein Stück, das allerdings lebhaft, ja chaotisch endet. Sensationell
war das Duell zwischen Schlagzeug und Saxophon, das mit einem Solo von
Jeff <Tain> Watts endete, der alles in Grund und Boden schlug. - Danach
spielte das Joshua Redman
Quartet.
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