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Nr. 9, 15. November/14. Dezember 1999
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Branford Marsalis
Biographie, CDs, Albums, Konzert

Biografie von Branford Marsalis
 
 
D
er am 26. August 1960 in Beaux Ridge, Louisiana, geborene Branford Marsalis ist der älteste Sohn von Ellis und Dolores Marsalis. Sohn Vater ist ein bekannter Pianist und unter seinen Brüdern sind mehrere Musiker. Am bekanntesten ist der Jazz-Trompeter Wynton Marsalis, der als Führer einer Bewegung innerhalb des Jazz gilt, die zurück zu den Wurzeln will und an den Jazz der 60er Jahre anknüpft. Von 1979 bis 1981 besucht Branford die Berklee School of Music in Boston. Bereits 1980 kann er als Bariton-Saxophonist mit Art Blakey ein Europa-Tour unternehmen. Danach spielt er im Orchester von Lionel Hampton, 1981 tourt er mit Clark Terry und erneut mit Art Blakey und seinen Jazz Messenger als Alto-Saxophonist. 1982 bis 1985 spielt er im Quintett seines Bruders Wynton Tenor- und Alto-Saxophon. 1985 erfolgt mit Scenes in The City Branford Marsalis' Aufnahmedebut mit Columbia.
 
1985 schliesst sich Branford Marsalis dem Police-Leader Sting an. Zusammen mit ihm, Kenny Kirkland, Daryl "Munch" Jones und Omar Hakim gründet er eine Band, die Albums wie Dream of the Blue Turtles(1985) und Nothing Like the Sun (1987) aufnimmt. Dies bedeutet eine Oeffnung seiner Musik und Abkehr vom traditionalistisch-konservativen Jazz seines Bruders Wynton Marsalis. Ab 1986 betätigt sich Branford als Leader eigener Trios und Quartette, mit denen er zum Teil kompromisslosen Jazz aufnimmt, zum Teil experimentiert er aber auch unter dem Namen Buckshot LeFonque mit Jazz/Funk-Fusion. Im April 1986 kommen seine Romances For Saxophone auf den Markt, die sich gut zwei Monate lang in den Billboard's Top 5 der Hitparade klassischer Musik halten. Branford Marsalis hat auf der Platte Musik u.a. von Faure, Ravel und Debussy vereint. Im Sommer unternimmt er eine internationale Tournee mit mit Herbie Hancock. 1988 tourt er mit Sting. Höhepunkt ist ein Konzert zur Befreiung Nelson Mandelas im Wembley Stadium in London. Branford Marsalis gehört regelmässig zu den Grammy-Nominierten in verschiedenen Kategorien. Unter mehreren Aufnahmen, u.a. mit seinem Vater und seinen Brüdern (so Delfeayo Marsalis als Produzent), seien nur 1990, 1991 und 1992 seine Beiträge zur Musik von Fred Schepis Film The Russia House, Spike Lees Mo' Better Blues sowie Sneakers mit Robert Redford genannt.
 
V
on 1992 bis 1998 schliesslich wird Branford Marsalis einem grossen Publikum als Leader von Jay Lenos Tonight Show Band bekannt. Musikalisch stagniert er etwas mit seinem Post-Bop-Jazz. Ab August 1997 ist er für Columbias Jazz-Abteilung als creative consultant tätig; u.a. ist er für die Talentsuche zuständig. Ab Herbst 1996 lehrt er teilweise Musik an der Michigan University. Im April 1997 veröffentlicht er seine zweite CD, Music Evolution, unter dem Namen Buckshot LeFonque. Seit Anfang der 90er Jahre ist Branford Marsalis mit seinem populären JazzSet Programm auf dem National Public Radio zu hören. Im Februar 1999 gewinnt er dafür den jährlichen Achievement in Radio Award als Best Syndicated Show. Bei der Aufnahme seines letzten Albums Requiem für Columbia (März 1999) verstirbt sein Pianist Kenny Kirkland an Nebeneffekten seines Drogenkonsums. Daneben sind auf der Platte der Bassist Eric Revis sowie der Schlagzeuger Jeff "Tain" Watts zu hören.
 
AVO-Session Basel, 7. November 1999, Branford Marsalis Quartet
 
Seit vierzehn Jahren werden in Basel die nach dem aus dem Libanon stammenden Zigarren-Zaren, früheren Berufspianisten und Entertainer Avo Uvezian benannten AVO-Sessions abgehalten, notabene ohne einen einzigen Franken an staatlichen Subventionen (allerdings kommt 1999 durch das Co-Sponsoring durch das Schweizer Radio und das Schweizer Fernsehen schon indirekt Geld vom Steuerzahler hinzu). An den diesjährigen neun Konzerttagen mit einem Gesamtbudget von 2,5 Mio. Schweizerfranken traten so unterschiedliche Künstler wie Juliette Gréco und Dave aus Frankreich, Edoardo Bennato aus Italien, Salif Keita aus Mali oder Francis Bebey aus Kamerun auf. Den Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltungen des "grössten Schweizer Indoor-Musikereignisses", wie die Organisatoren nicht ohne Stolz vermerken, gehörte den amerikanischen Jazz-Quartetten von Branford Marsalis und Joshua Redman. Bereits 1998 waren die beiden Saxophonisten in Basel zu Gast gewesen. Marsalis am Festival "Musik der Welt in Basel" und Redman im Rahmen einer Off beat/JSB-Veranstaltung im Dezember. Am 7. November 1999 traten sie nun nach- und miteinander an der AVO-Session auf. Zur Akkustik: die Basler Messehalle hält natürlich dem Vergleich mit der Tonhalle in Zürich (wir haben letzten Monat dort das Konzert von Sonny Rollins genossen), einem der akustisch besten Konzertsäle Europas, in keiner Weise stand. Ist in Basel kein richtiger Konzertsaal als Aufführungsort für die 15. AVO-Session im November 2000 denkbar?
 
Das Branford Marsalis Quartet begann vor ausverkauftem Haus eher verhalten mit In Decrease. Jeff "Tain" Watts schlug allerdings auf sein Schlagzeug ein, dass es nur so krachte. Zusammen mit Joey Calderazzo am Klavier, der Anfang der 90er Jahre mit Blue Note einige Alben aufgenommen hat und den verstorbenen Kirkland im Quartett ersetzt, sowie Eric Revis am Bass, boten die vier viel Hardbop. Der Höhepunkt folgte mit dem vierten Titel des Abends, Cassandra, aus Branford Marsalis' letzter, akustischer Jazz-CD Requiem. Cassandra, die den Menschen das Unglück voraussagen kann, von diesen jedoch nicht ernst genommen wird, als Metapher für die Situation des Jazz? Branford Marsalis hat in einem Interview auf das Fehlen der Melodie in der heutigen Popmusik hingewiesen. Die Leute wollten nicht mehr richtig zuhören. Cassandra mit seinen sanften, sensiblen und für Jazz innovativ-melodiösen Tönen fördert, ja erzwingt auf natürliche Weise die Aufmerksamkeit des Publikums. Ein Stück, das allerdings lebhaft, ja chaotisch endet. Sensationell war das Duell zwischen Schlagzeug und Saxophon, das mit einem Solo von Jeff <Tain> Watts endete, der alles in Grund und Boden schlug. - Danach spielte das Joshua Redman Quartet.
 


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