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Tony Curtis
Artikel vom 10. Oktober 2011
Der am 3. Juni 1925 geborene und am 29. September 2010
im Schlaf verstorbene Tony Curtis gehörte zu den grossen im Filmgeschäft,
obwohl er nur einmal für eine Oscar nominiert wurde. Ein Blick auf seine
Biografie und seine rund 130 Filme bestätig dies, wobei hier natürlich nicht
alle Streifen erwähnt werden können.
Geboren wurde Tony Curtis in Manhattan als Bernard Schwartz. Er war der Sohn der
ungarischen Einwanderer Manuel und Helen Schwartz, die jüdischen Glaubens
waren und eine Schneiderei betrieben.
Der Junge wuchs mit zwei Brüdern in der Bronx auf. Die Familie war in der
Depression so arm, dass die Jungs für einige Wochen sogar ins Waisenhaus
mussten. Zu Tonys Idolen gehörte
Cary Grant.
Allegra Curtis erzählt in Ich und mein Vater (Amazon.de),
dass Bernard mit Freunden die Parade der Amerikanischen Legionäre auf der
Second Avenue anschaute, als der jüngere Bruder Julius dazukam. Bernard
sagte ihm, er solle zu seinen eigenen Freunden gehen. Kurz danach wurde
Julius von einem Lastwagen auf der First Avenue angefahren. Er lag im
Spital. Die Familie besuchte ihn. Ihnen wurde gesagt, der Junge würde es
überstehen. Doch am nächsten Tag war er Komplikationen erlegen. Bernard
(Tony) fühlte sich schuldig, weil er seinen Bruder weggeschickt hatte.
1943 ging er zur Navy. Dort diente er auf einem U-Boot Versorgungsschiff. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg benutzte er die GI
Bill, um die Schauspielschule zu besuchen. 1947 lernte er bei Erwin Piscator,
zu dessen Schülern auch Harry Belafonte, Marlon Brando und Walter Matthau
zählten.
Erstmals fiel Tony Curtis dem Publikum sowie dem Universal Pictures
Talentsucher Bob Golstein in
der Theaterproduktion Golden Boy im Greenage Village auf. Kurz darauf
lockte ihn 1948 bereits Universal Pictures mit einem Siebenjahresvertrag
nach Hollywood, wo aus Bernie Schwartz Tony Curtis wurde. Noch im selben Jahr debütierte er in einer winzigen Rolle
tanzend auf der Leinwand mit Yvonne de Carlo in Criss Cross, was beim
weiblichen Publikum ankam. Obwohl er nicht einmal in den film credits
erwähnt wurde, erschwemmten die weiblichen Fans das Studio mit tausenden
Briefen für den Unbekannten.
Nach Nebenrollen wie in Winchester '73 mit James Stewart kam der filmische Durchbruch 1951 mit The Prince Who Was a Thief an
der Seite von Piper Laurie. Im darauffolgenden Jahr spielte er in Flesh
and Fury einen Boxer. Im folgenden drehte er zwei weitere Filme mit
Co-Star Piper Laurie, nämlich Nor Room for the Groom sowie Son of
Ali Baba.
Bereits 1951 heiratete Tony Curtis seine erste von sechs Ehefrauen, Janet Leigh. Zusammen hatten sie zwei Töchter, Kelly Lee Curtis (*1956) und Jamie
Lee Curties (*1958), die ebenfalls Schauspielerinnen wurden. Zum Glück liess ihn Universal Pictures mit Paramount
drehen. So konnte er 1953 Houdini zusammen mit seiner Frau drehen.
Einige weniger bemerkenswerte Film folgten, ehe er in Trapeze 1956 wieder
Qualität zeigte, an der Seite von Burt Lancaster. In The Sweet Smell of Success
von 1957 stand Tony Curtis erneut mit Burt Lancaster vor der Kamera. 1958 folgte The Vikings
mit Kirk Douglas.
Seine einzige Oscar-Nomination (in der Kategorie „bester Hauptdarsteller“) erhielt Tony Curtis für seine Rolle in
Stanley Kramers
The Defiant Ones von 1958. In diesem Sozial- und Rassendrama war Sidney Poitier
sein Filmpartner; auch Poitier wurde für seine Leistung mit einer Academy Award-Nominierung
belohnt. Der Film hatte nicht nur Erfolg bei den Kritikern, sondern auch beim Publikum.
1959 folgte mit Billy Wilders Some Like It Hot
mit Jack Lemmon und Marilyn Monroe und der unvergessenen Schlusszeile „Nobody's
perfect“ wohl der Höhepunkt seiner Karriere. Die Komödie Operation
Petticoat von Blake Edwards brachte Tony Curtis mit seinem Idol
Cary Grant
zusammen. Auch dieser Film war ein Riesenhit, auch wenn er qualitätsmässig
nicht an Some Like It Hot
heranreichte.
In Stanley Kubricks und Anthony Manns
Spartacus
von 1960 spielte Tony Curtis die Rolle des Antoninus. Die Hauptrolle des
weitgehend fiktiven Spartacus verkörperte Kirk Douglas, der auch als
ausführender Produzent wirkte. Das Drehbuch basierte auf dem Roman von
Howard Fast. Mit Laurence Olivier, Charles Laughton,
Peter Ustinov
und vielen anderen Stars handelte es sich bei dem Film um eine
Superproduktion. Stanley
Kubrick genoss allerdings nicht die volle künstlerische Freiheit und
beschloss fortan keine kreativen Kompromisse mehr einzugehen und Hollywood
den Rücken zu kehren. Der Film wurde später zu einem Schwulen-Hit. Eine
Schwulenszene, in der Crassus (Laurence Olivier) versucht, Antonius (Tony
Curtis) zu verführen, wurde gestrichen. Die Szene wurde bei einer
Restauration des Films 1991 von Robert A Harris nachträglich eingefügt. Sie
war ohne Ton gedreht worden. Laut Curtis, weil sie damals davon ausgingen,
die Szene würde ohnehin von der Zensur rausgeschnitten. Da Laurence Olivier
bereits 1989 verstorben war, synchronisierte Anthony Hopkins zusammen mit
Tony Curtis diese Szene, welche die antike Bisexualität zeigte. Der Film war
wegen seiner Gewalt erst ab 16 Jahren freigegeben. Bis heute hat er dennoch
ein vielfaches seiner damals hohen Produktionskosten eingespielt. Spartacus
wurde 1961 mit sechs Oscar-Nominationen und vier Oscars, einer für
Peter Ustinov
für die beste männliche Nebenrolle, ausgezeichnet.
1962 spielte Tony Curtis in The Outsider einen Indianer, wobei er
eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung zeigte. Es handelte sich beim
Stoff übrigens um die Verfilmung der Biografie des Indianers Ira Hayes.
1961 traf Tony Curtis am Set von Taras Bulba in Argentinien nicht nur
auf Yul Brynner, sondern auch auf die 16jährige Christine Kaufmann
(*11.1.1945). Er verliebte sich sofort in die blutjunge Schauspielerin, der
Tochter eines Deutschen und einer Französin. Als Prinzessin Natalia durfte
sich Christine in Tonys Filmfigur, Andrei, den Sohn eines Kosakenführers
verlieben. Kurz darauf trennte sich Tony Curtis von seiner Frau Janet Leigh.
Im folgenden Jahr wurden sie geschieden. Seine zwei Töchter blieben bei
seiner Frau.
Tony Curtis und seine Lolita sollen laut Allegra Curtis (Ich und mein Vater. Verlag LangenMüller, 2011, 254
Seiten. Bestellen bei
Amazon.de) zwei Jahre aufeinander gewartet haben. Am 8. Februar 1963
heiratete Tony die inzwischen volljährige Christine Kaufmann.
Am 19. Juli 1964 kam ihr erstes Kind, Alexandra Theodora Dido, auf die Welt.
In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1966 folgte die zweite Tochter,
Allegra Curtis. Das Paar liess sich bereits 1967 scheiden. Die Kinder
blieben vorerst bei der Mutter, mit der sie 1969 nach Deutschland gingen (Allegra
Curtis.
Amazon.de).
Das Paar lebte mondän, mit viel Personal. Henry Miller, Cary Gant, Lauren
Bacall, Edward G. Robinson und George Cukor zählten zu ihren Gästen.
Christine, die eigentlich vor einer internationalen Karriere stand, begnügte
sich mit der Organisation der Einladungen. Als Christine jedoch realisierte,
dass Tony nicht mit dem Alter fertig wurde - er war damals allerdings erst
42 - habe sie ihn für seine kindische Schwäche zu verachten begonnen. laut
Allegra Curtis war dies der Anfang vom Ende der Ehe.
Laut Allegra Curtis war ihr Vater bereits damals kunstinteressiert, malte
selbst und pflegte den Umgang mit Joseph Cornell, Jean Renoir (dessen Frau
die Patentante von Alexandra Curtis wurde) sowie dem Maler
Balthus, den Tony
bis zu dessen Tod 2001 in der Schweiz oft besuchte. Allegra schreibt, dass
ihr Vater in jedem Haus ein Malatelier hatte.
Ihre Mutter Christine Kaufmann
beschreibt Allegra Curtis wie den Vater als nicht sehr aufmerksam ihren
Kindern gegenüber. Zum Glück habe es die Nanny gegeben.
In Wild and Wonderful war das Paar 1964 wieder zusammen auf der
Leinwand zu sehen. Wild and Wonderful war Tonys letzter Film für
Universal. 1965
spielte er in den noch heute bestens bekannten Komödien The
Great Race und Boeing Boeing (drei Stewardessen jonglierend, mit Jerry Lewis
als Co-Star). 1968 folgte mit The Boston Strangler ein Drama. Die
Rolle als Serienmörder Albert DeSalvo gehört zu den besten schauspielerischen Leistungen seiner langen
Karriere. Der Film mit Henry Fonda als Co-Star stiess allerdings auf viel
Kritik. In der New York Times wurde er als geschmacklos verurteilt. Der Film
basierte auf der wahren Geschichte von Albert Henry De Salvo, der dreizehn
Frauen in der Gegend von Boston ermordete, ins Gefängnis aber wegen einer
Serie von Vergewaltigungen kam. Tony Curtis wurde für seine Rolle in The
Boston Strangler für einen Golden Globe nominiert.
Mit Those Daring Young Men in Their Jaunty Jalopies folgte
1969 wieder eine Komödie. Das Studiosystem Hollywoods war damals am Ende.
Zudem war eine neue Art von Schauspieler gesucht. Tony Curtis passte trotz
erfolgreicher ernster Rollen nicht mehr ins Schema. 1970 lies er sich laut
Allegra Curtis vom britischen Medienmogul Sir Lew Grade überreden, eine der
zwei Hauptrollen in The Persuaders! (Die Zwei) mit Roger Moore
als Lord Brett Sinclair und Tony Curtis als Danny Wilde überreden. Erstmals
übernahm ein Schauspieler der ersten Liga eine Hauptrolle in einer
Fernsehserie (Rock Hudson, James Stewart und Robert Mitchum folgten im nach
ins Fernsehen.
Dank einer 25%igen Gewinnbeteiligung an Die Zwei wurde Tony Curtis
zum bestbezahlten Fernsehschauspieler. Bereits in den 1950er Jahren hatte er
dank seinem Manager Lew Wasserman gut verdient. Wasserman hatte übrigens
1950 das Ende das Studiosystems eingeläutet, indem er für seine Schauspieler
wie James Stewart und Tony Curtis Gewinnbeteiligungen aushandelte und seine
Klienten zudem nicht mehr an die Studios gebunden waren. The Persuaders!
war zwar ein Flop in den USA und wurde deshalb nach einem Jahr (1971-72)
abgesetzt, doch in 80 Ländern wurde die Serie mit ihren 24 Folgen zu einem
jahrelangen Publikumsmagneten. In Deutschland lag das auch an der
Synchronisation, die aus dem Stoff etwas Neues machte, wie Nicole Baumgarten
in ihrer Dissertation von 2005 nachweist. Rainer Brandt wurde damals Tony
Curtis' Standardsynchronstimme für Deutschland. Roger Moore übernahm nach
der Serie die Rolle des James Bond.
Tony Curtis nahm zu jener Zeit zumindest leichte Drogen und war nicht
einfach im täglichen Umgang. Am 31. Dezember 1971 wurde sein Sohn Nicolas
Curtis geboren. 1972 sorgte Tony für weltweites Aufsehen, als er seine
Töchter Alexandra und Allegra nach dem gemeinsamen Urlaub einfach nicht mehr
ihrer Mutter Angelika Kaufmann zurückgab. Tony gewann vor Gericht das
alleinige Sorgerecht.
Am 2. Mai 1973 wurde sein Sohn Benjamin Curtis geboren. Die neue Frau in
seinem Leben war seit 1968 das in Boston geborene Fotomodell Leslie Allen.
Zu den erwähnenswerten Projekten Jahre gehörte sein Film Lepke von
1975, in dem er den jüdischen Mafiaboss Louis „Lepke“ Buchalter spielte,
sowie Elia Kazans The Last Tycoon mit einem Staraufgebot, das von
Robert De Niro (in der Hauptrolle) über Robert Mitchum, Jack Nicholson und
Donald Pleasance bis zu ihm, Tony Curtis, reichte. Auf dem Buch von F. Scott
Fitzgerald beruhend, drehte es sich bei The Last Tycoon um einen
Filmmogul, wobei der Filmproduzent Irving Thalberg als reales Vorbild
diente.
Von 1978 bis 1981 war Tony Curtis regelmässig als Gaststar in der
Fernsehserie Vegas an der Seite von Robert Urich zu sehen, wobei
Curtis mehr Geld als der Hauptdarsteller erhalten haben soll. 1980 war er im
Fernsehfilm The Scarlett O'Hara War als Produzent David O. Selznick
zu sehen, der die Rolle der Scarlett O'Hara im Film Gone with the Wind
besetzen muss. Tony Curtis wurde für seine Rolle für einen Emmy-Award als
bester männlicher Hauptdarsteller nominiert.
Tony Curtis und Leslie Allen liessen sich 1981 scheiden, weil er mit Drogen
und Alkohol stark zu kämpfen hatte. Allegra Curtis schreibt dazu von der
Drogenhölle. Ihr Vater habe Freebase, eine rauchbare Form von Kokain,
genommen, die ihn zerstörte. Tonys Kinder aus der Ehe mit Christine Kaufmann
kehrten nach Deutschland zu ihrer Mutter zurück. Glücklicherweise hatte Tony
es nicht mehr nötig, Geld zu verdienen. Nach einer Entziehungskur im Betty
Ford Center 1984 schaffte er es unter anderem 1986 in eine
Hercule-Poirot-Fernsehverfilmung.
Von 1984 bis 1992 war Tony Curtis mit der B-List-Schauspielerin Andrea Savio
verheiratet.
Mit seinen Bildern fand er 1986 auch als Maler bei Ausstellungen
Anerkennung. Laut Allegra Curtis bewegten sich die Preise für seine Gemälde
um stolze $20,000 bis $100,000. Das MoMA in New York nahm 2005 gar eines
seiner Bilder in seine Dauerausstellung auf. Ende der 1980er Jahre lebte
Allegra mit ihrem Vater zusammen auf Hawaii.
1993 heiratete er in fünfter Ehe die damals 32jährige Rechtsanwältin Lisa
Deutsch. Zugleich veröffentlichte er seine erste Autobiografie. 1994 starb
sein 22jähriger Sohn Nicolas an einer Überdosis Heroin. Kurz darauf wurde
die ehe mit Lisa Deutsch bereits wieder geschieden. Ende 1998 heiratete er
in Los Angeles die Reitlehrerin Jill Vandenberg, ein ehemaliges
Unterwäschemodell. Mit seiner sechsten und letzten Ehefrau blieb Tony Curtis
bis zu seinem Tod am 29. September 2010 zusammen; Tony Curtis starb an einer
chronisch obstruktiven Lungenerkrankung im Schlaf.
Tony Curtis war bis zuletzt in Fernsehserien und -filmen zu sehen, 2008 noch
als Mr. Schwartz in David & Fatima, einem religiösen Drama, das in
Jerusalem spielt. Ein Film mit Tony Curtis, Morella (2011), ist sogar
noch in Produktion. Darin sollte Tony Curtis den Öltycoon Frank Phillips
spielen. Der Regisseur soll auf der Suche nach einem Ersatz für den
verstorbenen Schauspieler sein.
Zum Ende noch einige Details zu Tony Curtis:
Tony Curtis gehörte zu den Freunden des legendären Rat Packs um Frank
Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis, Jr., Joey Bishop und Peter Lawford. Dean
Martin ging oft mit Angelika Kaufmann fort, sodass es laut Allegra Curtis
zum Streit und dann zum Bruch zwischen ihren Eltern kam, obwohl da nichts
ausser Freundschaft zwischen Dean Martin und ihrer Mutter gewesen sei.
Tony Curtis ist auf dem Plattencover von Sgt. Pepper's
Lonely Hearts Club der
Beatles
verewigt.
Tony Curtis war auch die Inspiration für und später die Stimme von Stony
Curtis im Cartoon The Flintstones.
Die Schmalztolle von Tony Curtis wurde in den 1950er Jahren von vielen kopiert, so auch
von
Elvis Presley.
Als Sohn jüdischer Immigranten aus Ungarn spendete Tony Curtis (zusammen mit
Estée Lauder) für den Unterhalt von jüdischen Friedhöfen und Synagogen in
Ungarn bedeutende Summen.
Seine zweite Autobiografie erschien 2008: Tony Curtis: American Prince: A
Memoir. Paperback 2009 bestellen bei
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2000, 356 S. Bestellen bei
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Das Buch der Tochter
Allegra Curtis: Ich und mein Vater. Verlag LangenMüller, 2011, 254
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