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Anatolien vor 12000
Jahren - als die Jäger sesshaft wurden
Die Erfindung der Nachhaltigkeit in Anatolien
- die Neolithisierung
Rezension von Heinrich Speich vom 1. Juni 2007
Die ältesten Monumente der Menschheit. Vor 12'000 Jahren in Anatolien. Als
die Jäger sesshaft wurden. DVD-ROM von MediaCultura / Theiss-Verlag / SWR /
Badisches Landesmuseum (Hg.). Brühl 2007. DVD-ROM bestellen bei
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Verwitterte Hügel im öden Land.
Pollen, Knochen und eingeflogene Steine aus der Türkei als Publikumsmagneten.
Was gehen uns längst vergangene Zeiten in Anatolien an? Wozu diese
Landesausstellung in Karlsruhe?
Es ist die Faszination des Anfangs. Vor rund 12'000 Jahren beginnt im Nahen
Osten etwas völlig Neues. Der Wandel war so gewaltig, dass wir noch heute davon
zehren. Damals wurden die Menschen sesshaft, sie begannen Tiere und Pflanzen
intensiver zu nutzen und zu verändern. Der Beginn der Nachhaltigkeit.
Was wissen wir über die Kulturen, die im Vorderen Orient am Übergang zwischen
Jäger-und-Sammler-Kultur und Produktionswirtschaft lebten? Die Ausstellung in
Karlsruhe führt uns in diese ferne Welten ein.
Die Menschen fangen damals an, die vorhandenen natürlichen Ressourcen
längerfristig einzusetzen. Aufgrund klimatischer Vorzüge wachsen auf den
waldfreien Höhen des „Fruchtbaren Halbmondes“ zwischen Palästina und Iran
essbare Gräser, die von den Bewohnern gesammelt und verarbeitet werden. Bald
entdecken die Menschen, dass gezielte Auswahl Qualität und Erträge anhebt. Die
Bearbeitung setzt aber eine Pflege der Pflanzen voraus und so können die
Menschen nicht mehr nomadisch ihre Ressourcen aufsuchen. Sie müssen diese in
ihre Nähe holen. Wildpflanzen werden gezüchtet und Wildtiere gezähmt, für den
Menschen nutzbar gemacht. Die Errungenschaft der Landwirtschaft.
Dank dieser Techniken brauchen die Menschen zu ihrer Ernährung nicht mehr
umherzuziehen. Sie gestalten ihre Umwelt, schaffen sich langfristig nutzbare
Behausungen und erste monumentale Zeugnisse. Die Erfindung der Architektur.
Erstmals sind mehr Lebensmittel vorhanden, als gebraucht werden. Die Menschen
vermehren und spezialisieren sich. Sie schließen sich zu größeren Gemeinschaften
zusammen und leben eng beieinander. Die Gründung einer Stadt.
Im Zentrum der DVD-ROM steht dieser Wandel vom Wildjäger zum Bauern. Die
Neolithisierung wird anhand der Fundstellen in Anatolien dokumentiert, die auch
im Zentrum der Ausstellung in Karlsruhe stehen. Vom Hauptmenu aus kann auf
verschiedenen Ebenen auf die Informationen zugegriffen werden: Die „Zeitschiene“
verknüpft die historische Entwicklung mit den entsprechenden Fundplätzen, die
„Kultur“ vertieft einzelne Aspekte wie Bestattungen, Religion, Steingeräte,
Kontakte und Handel, Architektur, Wirtschaftsformen oder Gesellschaft.
Der Aufbau der Seiten ist einfach und übersichtlich. Auf der linken Hälfte
erscheint dabei eine Abbildung, die in manchen Fällen zum Vollbild vergrößert
oder in 3D-Ansicht rotiert werden kann. Auf der rechten Bildschirmseite steht
die Textspalte, die in manchen Fällen etwas ausführlicher sein dürfte;
insbesondere zentrale Fundstellen außerhalb der Türkei sind hier stiefmütterlich
behandelt, als ob die Neolithisierung allein von Anatolien ausgegangen wäre.
Hier hätte mittels der DVD-ROM die Breite der ausgestellten Funde stärker erweitert
werden können.
Recht informativ ist der Abschnitt zu den Steingeräten. Die Technologie wird vom
Beginn der Geröllgeräteherstellung her aufgerollt und es werden die in
Fachkreisen geläufigen englischen und französischen Ausdrücke gut erklärt, was
man sonst vermisst. Leider ist dieser Abschnitt nicht um eine ausführlichere
Typologie der Funde in Nahost ergänzt. Dies würde Laien und Fachleuten die
Vielfalt an Material, Technik, Formen und Anwendungen anschaulich machen.
Vermisst hat der Rezensent auf der DVD-ROM Hinweise auf die spezifischen
Methoden der Erforschung der Jungsteinzeit. Hier könnte die DVD-ROM mehr leisten:
Zwar sind für die einzelnen Fundplätze von übersichtlichen Grabungsplänen
begleitet, wie dann die Befunde gedeutet werden, wird dem Nutzer aber nicht
näher erläutert. Die Forschungs- und Grabungsgeschichte ist etwas versteckt bei
den jeweiligen Fundplätzen zusammenzuklauben. Da der ganze Text intern verlinkt
ist, hätte ein Kapitel dazu einfach zusammengestellt werden können.
Der alphabethische Index ermöglicht eine Suche nach Begriff oder Ort. Eine
ausführliche, thematisch gegliederte Bibliographie und eine Linkliste machen
Appetit auf mehr: Die Ausstellung in Karlsruhe.
Die DVD-ROM ergänzt diejenigen Bereiche, die im Begleitbuch zur Ausstellung nur
ansatzweise anschaulich gemacht werden kann. Sie vermittelt Basiswissen der
Archäologie und zeigt Bilder, die in der Ausstellung und im Buch keinen Platz
finden. Der Einstieg zur DVD-ROM mittels Satellitenbild-Annäherung ist eindrücklich.
Viel Wissen auf kleinem Raum - Steinzeit auf DVD-ROM.
Die ältesten Monumente der Menschheit. Vor 12'000
Jahren in Anatolien. Als die Jäger sesshaft wurden. DVD-ROM von
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(Artikel zum Begleitbuch:
Die Erfindung der Kultur in Anatolien).
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