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Die Erfindung der Kultur in Anatolien
Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Vor 12000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit. Theiss Verlag, Stuttgart 2007. 392 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe, gebunden. Bestellen Sie das Begleitbuch zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe bei Amazon.de.
Rezension von Heinrich Speich vom 8. Juni 2007

Die Ausstellung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe besticht durch eine Vielzahl an Funden, die außerhalb der Türkei noch nie zu sehen waren. Der sorgfältig gestaltete Begleitband zur Ausstellung führt in diejenige Epoche der Geschichte ein, in der der Mensch seinen größten Schritt getan hat. Während der „neolithischen Revolution“ gaben Menschen erstmals die nomadische Lebensweise auf und wurden sesshaft.

Möglich oder sogar nötig wurde dies durch Veränderungen des Klimas im fruchtbaren Halbmond, dieser sichelförmigen Zone, die von Palästina über die Höhen des Libanon und Anatolien und über das iranische Zagrosgebirge bis zum persischen Golf reicht. Vor rund 12000 Jahren entstanden hier in der Zeit des ausgehenden Natoufien die ersten dauerhaften Siedlungen. Bald schufen die Menschen Kunstwerke und Architektur, die uns aus den ältesten Fundstellen  in Çayönü oder vom Göbekli Tepe in Zentralanatolien überliefert sind. Bereits aus dieser frühen Jungsteinzeit sind planmäßig gebaute Großsiedlungen bekannt, in denen Wohnbereiche, Werkstätten und Gemeinschaftsbauten erkennbar sind und die auf eine sozial differenzierte Gesellschaft schließen lassen. Die ersten Rundbauten werden beispielsweise in Hallan Çemi und Çayönü in die Zeit um 10’000 v.Chr. datiert. Dies entspricht in der Chronologie dem frühen PPN A (Pre-Pottery-Neolithic), der Frühphase sesshafter Kultur, die noch keine Keramik kannte. Die ersten rechteckigen Häuser sind aus dem folgenden PPN B um ca. 8700 vor unserer Zeit bekannt, ungefähr zeitgleich mit der Domestikation von Schaf und Ziege.



Die sesshafte Lebensweise ermöglichte neue Formen der Kunstproduktion. Neben Kleinskulpturen wurden nun auch monumentale Verzierungen an Bauten angebracht oder Großplastiken gefertigt. Tier- und Menschendarstellungen bildeten den reichen Motivschatz der Darstellungen als Wandmalereien oder Skulpturen. Gefässe aus Speckstein wurden mit geometrischen Motiven verziert; so sind z.B. aus Körtik Tepe Gefässe von 9500-8500 v. Chr. erhalten, der Zeit am Übergang von PPN A zu PPN B.

Der Beginn des keramischen Neolithikums wird aufgrund von Funden aus der Großsiedlung Çatal Höyük etwa zu Beginn des 7.Jt. v. Chr. angesetzt. Bereits vorher allerdings wurden Kleinplastiken aus Ton gefertigt. Aus dem 6.Jt. v. Chr stammen die ersten Keramikgefäße mit farbigen Reliefverziehrungen, mit Darstellungen von Menschen und Nutztieren.

Zentraler Werkstoff der Steinzeit war der Stein selbst. Schon während des PPN A wurde in Ostanatolien Obsidian gewerbsmäßig abgebaut und verarbeitet. Dieses glasartige Vulkangestein ist außergewöhnlich hart und gut spaltbar und eignet sich daher bestens für die Herstellung von Werkzeugen. Der Band beleuchtet auch weitere Aspekte und Techniken, die in den Grabungen haben nachgewiesen werden können: Korbflechterei, religiöse Vorstellungen, Schmuckherstellung oder die früheste Nutzung von Metallen als Perlen seit dem späten PPN B.

Die thematisch gegliederten Beiträge sind reich mit Abbildungen der Fundorte, Schemata und Rekonstruktionszeichnungen illustriert. Der Katalogteil stellt die Nachwirkung der aufwendig gestalteten Ausstellung sicher, die nur dank enger Zusammenarbeit mit der Republik Türkei realisierbar war. In prägnanten Texten werden die abgebildeten Exponate in Form und Funktion beschrieben. Fachbegriffe und Fundorte werden im Buch detailliert erläutert, so dass man gut folgen kann. Die reiche Ausstattung des Bandes an Satellitenbildern und Karten erlaubt es auch dem Laien, den Überblick über die komplexen Zusammenhänge zu wahren. Die schwierige Aufgabe, in einem Ausstellungskatalog einerseits einen fachgerechten Überblick zur Forschungslage zu bieten und andererseits einer breiten Leserschaft verständlich die Grundbegriffe des anatolischen Neolithikums näher zu bringen, haben die Herausgeber in beneidenswerter Weise bewältigt.

Begleitbuch zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe: Vor 12000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit. Theiss Verlag, Stuttgart 2007. 392 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe, gebunden. Buch zur Ausstellung bestellen bei Amazon.de. Sie auch den Artikel zur begleitenden DVD-ROM: Anatolien vor 12000 Jahren. DVD-ROM bestellen bei Amazon.de.

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