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Europa und der Orient im Mittelalter
Kay Peter Jankrift: Europa und der Orient im Mittelalter. Theiss-Verlag, Stuttgart 2007, 160 Seiten, 100 farbige Abbildungen. Buch bestellen bei Amazon.de.
Rezension von Heinrich Speich vom 8. Juni 2007
 
Das Verhältnis zwischen Okzident und Orient im Mittelalter war durch gegenseitige Unkenntnis, Misstrauen und  Missverständnisse geprägt, aber ebenso durch vielfältigen Kontakte, gegenseitigen Austausch und Wettbewerb.

Das Verhältnis des Westens zum Osten erscheint derzeit oft auf den Publikationslisten der Verlage und es scheint gewagt, noch ein Buch dazu zu schreiben. Kay Peter Jankrift beleuchtet ein aktuelles Modethema. Die gängigen Themen „Muslimische Eroberung des Mittelmeerraumes“, „Kreuzzüge“ und „Reconquistà“ bilden hier vor allem den zeitlichen Schwerpunkt.  Im Zentrum der Darstellung stehen die Zeitgenossen und ihre Erfahrungen mit der jeweils anderen Religion.

Für das frühe Mittelalter beschreibt Jankrift die Ausbreitung des Islam in traditionell christliche Gebiete und die Behandlung der Christen und Juden unter islamischer Herrschaft. Diesen religiösen Minderheiten wurde – im Gegensatz zum christlichen Herrschaftsbereich – wenigstens Leben und Eigentum garantiert. Bereits während der Herrschaft der Karolinger wurden Kontakte zwischen christlichen und muslimischen Herrschern gepflegt und Gesandtschaften ausgetauscht. Besonders intensiv war der Kontakt mit den Emiraten der iberischen Halbinsel, wo verhältnismässig viele Christen unter muslimischer Herrschaft lebten.

Die Zeit der Kreuzzüge und die Wiedereroberung der Iberischen Halbinsel und Siziliens kehrte die bisherige Situation um und nun lebten Muslime unter christlichen Herrschern. Diese zeigten sich im Vergleich unduldsam und forcierten die Konversion zum Christentum. In der Konfrontation mit expandierenden christlichen Reichen radikalisierten sich auch bisher tolerantere Herrscher wie das Beispiel die Machtübernahme der Almoraviden in einigen iberischen Kalifaten belegt.

Eine Ausweitung des Konfliktes stellten die Kreuzzüge dar. Damit wurde der als Dschihad im Koran den Gläubigen zur Aufgabe gemachte bewaffnete Kampf für den Glauben erstmals vom Christentum adaptiert und als heiliger Krieg zur Rückeroberung der heiligen Stätten in Palästina propagiert. Vor diesem Hintergrund beleuchtet Jankrift ausführlich die Berührungspunkte der Kulturen in den Kontaktzonen: Sprache, Handel, Gewalt und Krieg, Architektur, Religionspraxis, Recht, Geschichtsschreibung, Literatur und Alltag.



Ein eigenes kleines Kapitel ist dem Wissenstransfer gewidmet, wo ausführlich erläutert wird, wie arabische Mathematik und ihr Zahlensystem sich in Europa verbreiteten oder wie die Kenntnis antiker Philosophen über syrisch – arabische Vermittlung im Spätmittelalter auch im Westen wieder rezipiert wurden. Erfindungen wie das Papier, die Falknerei, das Badewesen oder das Astrolabium verdeutlichen den anerkannt hohen Stand arabischer Gelehrter in Astronomie und angewandten Wissenschaften. Besonders lesenswert sind die Passagen zur Entwicklung von Medizin und Medizinalgesetzgebung, die Jankrift am Beispiel Siziliens und der Kreuzfahrerstaaten beispielhaft erläutert. Auch die Entwicklung des Spitalwesens nahm als Folge der ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen in Jerusalem seinen Anfang.

Als Ausblick werden die verhärteten Positionen im späten Mittelalter in Erinnerung gerufen. In Europa wurden die Juden als religiöse Minderheit systematisch verfolgt und das expandierende Osmanische Reich nahm gegenüber den Christen eine wesentlich weniger tolerante Haltung ein, als dies die früheren Kalifen getan hatten. Die Konflikte wurden in Osteuropa und auf dem Mittelmeer fortgeführt – mit Auswirkungen bis in die Moderne.

Der  reich bebilderte Band wird durch eine Zeittafel und eine ausführliche, thematisch gegliederte Bibliographie komplettiert. Jankrift ist es gelungen, mit vergleichsweise wenig Text die komplexen Beziehungen zwischen den konkurrenzierenden Religionen und ihren Exponenten prägnant darzustellen und zu illustrieren.

Kay Peter Jankrift: Europa und der Orient im Mittelalter. Theiss-Verlag, Stuttgart 2007, 160 Seiten, 100 farbige Abbildungen. Buch bestellen bei Amazon.de.

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