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Attila und die Hunnen
Artikel vom 6. September 2007 von Heinrich Speich

Attila und die Hunnen. Begleitband zur Ausstellung im historischen Museum der Pfalz, Speyer, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2007. 392 Seiten, durchgehend farbig illustriert. ISBN 978-3-8062-2114-5. Buch bestellen bei Amazon.de.

Die Völkerwanderung veränderte das Gesicht Europas. Das hochzivilisierte römische Reich wurde von Barbaren überrannt und die mediterrane Kultur zerstört. Das alles war die Schuld der hunnischen Horden unter ihrem brutalen Anführer Attila. Eine Spurensuche in Speyer.

Die Geschichtsschreibung und die Hunnen

Die Geschichte tut sich schwer mit den Hunnen. Wenige, einseitig gefärbte Berichte lateinischer und griechischer Historiker beleuchten ihre Westwanderung von den mongolischen Steppen her nur spärlich, bieten ein Bild des Schreckens während ihrer nur wenigen Jahrzehnte andauernden Präsenz im Donauraum und sind für die aktuelle Geschichtsschreibung nicht sehr hilfreich. Die Rekonstruktion der hunnischen Geschichte und die ihrer germanischen Verbündeten muss also hauptsächlich über die archäologischen Quellen und Interpretationsmöglichkeiten angegangen werden. Dieser schwierigen Aufgabe hat sich das Historische Museum der Pfalz um Alexander Koch und Bodo Anke angenommen und das Resultat ist eine wissenschaftlich hoch stehende Ausstellung und ein Begleitband, der Akzente für Forschung und Publikum setzt.

Die Leitfragen der Ausstellung sind die Herkunft der Hunnen in Innerasien, die Gründe ihrer Migration nach Westen, die Beeinflussung germanischer und römischer Lebensweise sowie ihre politische Geschichte im Ringen mit Rom und den germanischen Völkern.

Die Hunnen tauchen scheinbar aus dem Nichts kommend um 375 in der römischen Geschichte auf. Die Königreiche der Westgoten und Alanen werden von den Hunnen überrannt. 376 werden von den Hunnen verdrängte Westgoten auf reichsrömischem Boden an der unteren Donau angesiedelt. Ab ca. 380 besetzen Hunnen, Alanen, Sarmaten und weitere germanische Stämme das Gebiet nördlich der Donau und fallen ab 395 wiederholt ins römische Reich ein. Das weströmische Reich ist erst nach 400 und dann unter Attila ab 447-452 Ziel hunnischer Heerzüge. Nach dessen Tod 453 zerfällt das Nomadenreich innert weniger Jahre und die hunnischen Verbände ziehen nach Osten ab. Als Folge dieser Umwälzungen befinden sich verschiedene germanische Völkerschaften auf Wanderung und destabilisieren das römische Reich, insbesondere in den ohnehin geschwächten westlichen Provinzen.

Die Vorgeschichte

Zum Einstieg in die komplexe Vorgeschichte gibt Bodo Anke einen Überblick über die Steppen als Kulturraum und erklärt die Voraussetzungen für das Überleben der Menschen in weitgehend unfruchtbaren Gebieten. Das erfolgreichste Konzept hierzu bildet der Nomadismus, eine hoch spezialisierte, der rauen Umwelt angepasste Wirtschaftsform auf der Basis der mobilen Viehzucht, die bis ins Mittelalter hinein eine beinahe autarke Versorgung aus der Steppe ermöglichte.

Von der Mongolei bis in den Donauraum erstreckt sich ein Gürtel, der klimatisch als Steppe bezeichnet werden kann und es erstaunt nicht, dass diese Randgebiete der europäischen Zivilisation von mobilen Gruppen periodisch heimgesucht wurden, die an das Leben in diesen Regionen mehr als nur angepasst waren. Konflikte ergaben sich, sobald sich diese zwei gegensätzlichen Wirtschaftsformen begegneten: hier die mobile, auf temporäre Bodennutzung und Raub ausgerichteten Nomadengruppen, dort die auf Grundbesitz bauende, sesshafte Agrargesellschaft der Germanenstämme beziehungsweise die urban geprägte mediterrane Kultur des römischen Reiches.

Die von uns als Nomaden oder Reitervölker bezeichneten Völker und Stämme kämpften ausschliesslich zu Pferde. Die Verwendung von spezialisierten Distanzwaffen und Kampftaktiken machten ihre Krieger schnell und gefürchtet. Der hunnische Verband wird durch persönliche Abhängigkeit gebildet und entweder über Tribute oder Beute zusammen gehalten. Dies zeugt vom starken Einfluss germanischer Gefolgschaftssysteme und weniger von reiternomadischer Tradition.

Attila

Attila ist als Person recht schwer fassbar. Er wurde zwischen 395 und 406 geboren. Er wuchs teilweise als Geisel am weströmischen Hof in Ravenna auf und übernimmt zusammen mit seinem Bruder Bleda ab 434 die Herrschaft über den hunnischen Völkerverbund. Um 445 wird Bleda von Attila ermordet und dieser herrscht von nun an allein. 447 ziehen die Hunnen bis vor Konstantinopel, besiegen römische Truppen und ziehen gegen Bezahlung der unerhörten Summe von 6000 Pfund Gold wieder ab. 450 stellt der oströmische Kaiser Marcian die Tributzahlungen ein. Dies zwang Attila zu Feldzügen, um seine Gefolgschaft zufrieden zu stellen. Im Jahr darauf überschritt er den Rhein und fiel in Gallien ein. Ende Juni 451 fand auf den Katalaunischen Feldern bei Châlons-sur-Marne die Entscheidungsschlacht mit dem römischen Heer und dessen germanischen Verbündeten statt, die zwar unentschieden ausging, für die Hunnen aber den Abbruch des Feldzuges zur Folge hatte.

Attila wandte sich im folgenden Jahr nach Oberitalien und verheerte damit Kernprovinz des Westreiches. Hier fand wahrscheinlich die legendäre Begegnung mit Papst Leo I. stattgefunden. Attila soll nach dieser Begegnung tief beeindruckt von Leo gewesen sein durch göttliche Fügung Rom verschont haben. Wenn auch das Treffen der Beiden als durchaus plausibel erscheint, so haben doch eher andere Faktoren den Abzug der Hunnen begünstigt, insbesondere eine Hungersnot 450/51 in Italien und allenfalls Seuchen im hunnischen Heer. Dass die Reiterkrieger für eine längere Belagerung der immer noch gut befestigten ewigen Stadt nicht ausgerüstet gewesen wären, wie Heike Externbrink im entsprechenden Beitrag vermutet, kann nicht als gesichert gelten. Auch die von Sümpfen umgebene Hauptstadt Ravenna wurde zwar damals von Attilas Heer nicht belagert, doch war eine fast dreimonatige Belagerung Aquileias erfolgreich und schon 441 wurde Naïssus nach einer hunnischen Belagerung erstürmt.

Der Misserfolg dieses Feldzuges wirkte sich jedenfalls auf die Gefolgschaft Attilas aus. Als dieser 453 unter mysteriösen Umständen starb, zerfiel das Reich zuerst unter seine vielen Söhne. Diese konnten ihre germanischen Verbündeten nicht zufrieden stellen und so wandten sich diese von ihnen ab.

Xiongnu

Die Archäologie der Xiongnu, die auch asiatische Hunnen genannt werden, beginnt bereits am Ende des 3. Jahrhundert vor Christus und ist Inhalt des aufschlussreichen Artikels von Ursula Brosseder. Damals bedrohte ein Nomadenreich das chinesische Han-Reich und waren Auslöser zum Bau der grossen Mauer. Die archäologischen Relikte der Xiongnu erstrecken sich von Nordchina bis zur Mongolei. Die Funde stammen einerseits aus Gräberfeldern des ersten vorchristlichen bis zum 1. Jahrhundert unserer Zeit und sind aufgrund von Importen aus dem Han-Reich datiert und andererseits aus diversen befestigten Siedlungen, z.B. Ivolga, einer 350x200m grossen rechteckigen Siedlung östlich des Baikalsees oder dem meist antik beraubten Gräberfeld Gol Mod.

Archäologische Belege für eine Westwanderung der Hunnen gibt es nicht direkt. Chinesische Quellen berichten über eine Wanderung nördlicher Stämme. Verwandte Objekte, wie sie die Xiongnu verwendeten, finden sich später in sarmatischen Gräbern wieder: löffelförmige Anhänger und chinesische Spiegel. Einen direkten, archäologisch gesicherten Zusammenhang zwischen Xiongnu und Hunnen gibt es allerdings (noch) nicht.

Die Ostgermanen im mittleren und unteren Donauraum

Als einen der Höhepunkte des Bandes betrachtet der Rezensent den Artikel „Ostgermanen im mittleren und unteren Donauraum. Die hunnische Herrschaft“ von Volker Bierbrauer. Er hält unter klaren Voraussetzungen eine ethnische Zuweisung der Funde für möglich und so können bestimmte archäologische Kulturgruppen den histrisch belegten gentes zugewiesen werden. Die Abgrenzung findet über drei hochrangigen Faktoren statt: Die Grabsitte, die Beigabensitte und Tracht. Diese Faktoren unterliegen einem langsameren Wandel als Beispielsweise Siedungsfunde. Diese Zuweisung ist für den unteren Donauraum des 4./5. Jahrhunderts allerdings nicht möglich, da eine eindeutige räumliche Einschränkung der Stammesverbände nicht machbar ist.

Den problematischen Begriff Ostgermanen benutzt Bierbrauer bewusst zur Abgrenzung gegenüber den reiternomadischen Hunnen, Alanen und Sarmaten. Wenn auch die ethnische Zuweisung nicht direkt möglich ist, können doch einzelne Kulturgruppen herausgearbeitet und benannt werden: Die Černjachov-Kultur im nördlichen Schwarzmeergebiet als Ostgoten und die Sîntana de Mureş-Kultur im Karpatenbecken als Westgoten. Beide Kulturen enden kurz vor 400 und stimmen mit der historisch verbürgten Expansion der Hunnen überein. Danach beginnt die Ausbreitung ostgermanischer Kultureinflüsse nach Westen. Am Beispiel der Frauengräber wird deutlich, dass sich eine „internationale“ Uniformität herausbildet, mit Beisetzung in Peplostracht mit Fibelpaaren und wenig weiteren Beigaben. Der ostgermanische Kulturkomplex sind somit einteilbar in drei Hauptphasen D1-D3. Die Phase D1 folgt unmittelbar der Černjachov-Kultur, beginnt etwa um 370/80 und endet um 400/410. D2 endet recht präzise mit dem Zerfall des Attila-Reiches und die Phase D3 läuft läuft bis ins letzte Drittel des 5. Jahrhunderts. Die germanischen und hunnischen Völker hatten während zwei bis drei Generationen eine völlig unterschiedliche Sachkultur, wobei sich die Ostgermanen stärker reiternomadisch ausrichteten als umgekehrt. Die Germanen übernahmen die Sitte der Schädeldeformation und der Spiegelbeigabe, die Verwendung des überlegenen Kompositbogens als Fernwaffe blieb ihnen fremd; die Kulturkomplexe bleiben klar voneinander unterscheidbar, fassbar sind allerdings ausschliesslich die Eliten.

Der Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter

Die Verbindung zum Ausstellungsort Speyer wird über zwei Artikel zu den Burgundern und die östlichen Elementen im Fundgut am Rhein hergestellt. Einen weiteren Höhepunkt des Begleitbandes bildet der Beitrag von Herwig Wolfram zum Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Er erläutert, dass die spätrömische Verwaltung wie auch die Hunnen ihre Herrschaft allein im Konsens mit den germanischen Eliten ausüben konnten und dass die später auf weströmischem Boden entstandenen „Germanenreiche“ sich formell nicht vom römischen Reich gelöst hatten. Damit beschreibt er zwei der massgeblichen Konstanten, die Herrschaft in der Spätantike wie im Mittelalter charakterisieren. Im Westteil des Reiches geht mit dem Verlust des Rombezuges auch eine Deurbanisierung und Dezentralisierung einher, verbunden mit mit einer Ruraliserung von Produktion und Konsum.

Den Wandel erläutert Wolfram an einem einleuchtenden archäologischen Beispiel: Um 480 kochten die Bewohner von Lauriacum (bei Enns, in Oberösterreich) mit Olivenöl und beleuchteten damit auch ihre Wohnungen. Danach musste das aus dem mediterranen Raum stammende Produkt durch Butter und Wachs ersetzt werden. „Deurbanisierung des Westreiches und Provinzialisierung wie Ruralisierung von Produktion wie Konsum bedingten einander“. So ging ein Teil der Errungenschaften der Romanisierung wieder verloren. Als bedeutend schneller und nachhaltiger beschreibt er die folgende Slawisierung weiter Teile des östlichen Europa. Reiternomadisch geprägten Gruppen und Slawen boten die Awaren eine echte Alternative zum germanisierten römischen Reich, die vorher eigentlich nur durch den hunnischen Verband bestanden hatte. Als deren kulturelle Leistungen, die archäologisch fassbar sind, bezeichnet er ihren Namen, den Reflexbogen und die Sitte der Schädelformation. Zum Schluss formuliert Wolfram die bestechende These, das die Machtkonzentration unter Attila als Alternative zur römischen Welt die Westexpansion der Germanen aufgehalten, absorbiert und bis zum Untergang des Hunnenreiches verzögert habe.



Die Černjachov-Kultur

Der folgende Abschnitt von Oleg Petrauskas beschreibt die Wandlungen in der ostgotischen Černjachov-Kultur nach dem hunnischen Einfall. Diese war in den Waldsteppenzone zwischen Donau und Don beheimatet und durch offene Siedlungen, Ackerbau und Viehzucht und einzelne Handwerkszentren charakterisiert. Es bestand eine klare Sozialstruktur mit Fürsten und militärischen Gefolgschaften. Als Leitfunde gelten konische Glasbecher, Gürtelschnallen mit verdicktem Vorderteil, Gegenstände im polychromen Stil, Spiegel mit Zentralöse, grosse Bügelfibeln und Kämme. Der Einfall der Hunnen hatte für die Ostgoten der Černjachov-Kultur keine verheerenden Konsequenzen, sondern es setze eine schrittweise Assimilierung ein.

Byzanz

Walter Pohl beschreibt die Beziehungen zwischen Byzanz und den Hunnen. Dabei betont er, dass hunnische Kontingente wiederholt Hilfstruppen für Rom und Byzanz zur Verfügung gestellt hätten. Erst zu Beginn des fünften Jahrhunderts fielen bedeutendere Kontingente hunnischer Heere in den Balkanprovinzen ein und regelrechte Kriege führte Byzanz erst nach 441 gegen Attila und Bleda. Vorher konnten die Hunnen stets mit Tributen abgefunden werden, auf die die Hunnen angewiesen waren, um ihre Bündnispartner bei der Stange zu halten. Für Byzanz war es einfach billiger, die Hunnen zu bezahlen, als mit kostspielige Verheerungen in Kauf zu nehmen. Auch wenn die römische Armee den Hunnen weit überlegen war, konnte sie die lange Grenze nur ungenügend schützen. Pohl schlussfolgert, dass die recht erfolgreiche Verteidigung der Donaugrenze durch Byzanz einerseits die Dynamik der Expansion und damit das Erfolgsrezept von Steppenimperien durchbrach und andererseits durch die hunnische Machtkonzentration der Zustrom von Barbaren auf Reichsgebiet über Jahrzehnte unterbrochen war und dadurch das römische Ostreich für über hundert Jahre an seiner Nordgrenze stabilisierte.

Das Heer

A
uf die neuartige Bedrohung reagierte auch Rom mit einer entsprechenden Verteidigungsstruktur. Das Heer wurde neu gegliedert in Grenztruppen (limitanei) und mobilen Kerntruppen (comitatenses) und die Heeresleitung von der Zivilverwaltung getrennt. Sichtbare Anpassungen wurde auch beim Bau von Militärbauten vorgenommen. Die Legionslager wurden nun als kleine Festungen angelegt, da kleine Besatzungen nicht mehr die offene Feldschlacht suchten, sondern in den Kastellen auch längeren Belagerungen standzuhalten vermochten. Die Verteidigung der Grenze an Rhein und Donau erfolgte nun gestaffelt: zum einen mit mobilen Patrouillenbooten auf dem Fluss und Kastellen am Ufer, daneben werden im Hinterland die Fernstrassen und sogar die Alpenpässe durch massive Festungen gesichert. Die Verteidigung scheint aufgrund der Funde und Befunde an der gesamten Nord- und Ostgrenze einheitlich organisiert gewesen zu sein, wobei „barbarische“ Truppen wohl die Hauptmacht der Limitantruppen stellten. Als Neuerungen dürfen „nomadische“ Waffen wie der Reflexbogen oder die schmale, bis 110cm lange zweischneidige Spatha gelten, die dank der leichten Parierstange auch vom Pferd aus gut in der Hand liegt und oft als Prunkwaffe überliefert ist. Zudem übernahmen die Germanen von den Hunnen den Langsax, ein schmales einschneidiges Schwert.

Xiongnu

Die Bestattungssitten der Hunnen sind historisch durch den Text von Jordanes zum Begräbnis Attilas überliefert. Archäologisch ist die sichere ethnische Zuweisung des Verstorbenen nicht möglich. Die asiatischen Xiongnu schichteten über einigen Gräbern Hügel (Kurgane) auf. Es gibt sicher noch weitere Elemente der Bestattung, die sie aus der zentralasiatischen Steppe bis nach Europa mitbrachten, allerdings ist nicht sicher, ob es sich dann bei den Personen um Hunnen oder Germanen im hunnischen Verband handelt. Als hunnischer Brauch darf allerdings das auch bei Jordanes erwähnte Totenopfer angesehen werden, wovon die Funde von Pferdeknochen, Pferdegeschirr und Reste des Totenmahls zeugen.

Geschichte der Gepiden

D
er Beitrag von Lars Börner behandelt die Geschichte der Gepiden. Dieses gotische Teilvolk ging gestärkt und geeint aus der hunnischen Herrschaft hervor und besetzten hunnische Sitze an der mittleren Theiss nach deren Abzug. Während der folgenden rund hundert Jahre ist eine recht stabile gepidische Herrschaft an der Peripherie des römischen Reiches nachgewiesen, die erst von Langobarden und Awaren 568 gestürzt wurde.

Weitere Beiträge behandeln Verwahrfunde, Gräber, Spangenhelme, Gesichtsdarstellungen bei Reiternomaden, die künstliche Kopfformung, Alanische Katakombengräber im nördlichen Kaukasusgebiet, die hunnischen Kessel als archäologische Leitformen, hunnische Fürstengräber, die Vernichtung des Burgunderreiches durch hunnische Truppen, Thüringer und Hunnen sowie mehrere Beiträge zur Rezeption der hunnischen Präsenz in Kunst, Literatur und Sprachgebrauch.

Fazit

Ausstellung und Begleitband sind einer schwer fassbaren Thematik gewidmet. Die Darstellung bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen geschichtlichen Vorurteilen, historischen Texten und breiter archäologischer Überlieferung, deren Befund allerdings für eindeutige Zuweisungen dennoch zu wenig dicht ist. Die einzelnen Beiträge im Buch sind manchmal schwer mit den zugeordneten Ausstellungsobjekten in Verbindung zu bringen und einige Beiträge, namentlich mit dem Bezug zum Rhein, sind, -wenn auch interessant- recht weit hergeholt. Herausgeberschaft und Autoren ist es allerdings bemerkenswert gut gelungen, ein historisch bedeutendes und populäres Thema mit fachlich hochstehenden Beiträgen von archäologischer Seite her zu beleuchten, wenn auch einzelne davon recht ausgiebig mit Fachterminologie durchsetzt sind und einiges an Vorwissen verlangen.

Die archäologische Aufarbeitung der Fundgruppen der Spätantike aus dem Donauraum und ihre publikumsgerechte Präsentation stellt eine enorme Herausforderung für die Ausstellungsmacher dar. Das schwierige Unterfangen ist gelungen, Begleitband und Ausstellung setzen einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des Museums.


Attila und die Hunnen. Begleitband zur Ausstellung im historischen Museum der Pfalz, Speyer, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2007. 392 Seiten, durchgehend farbig illustriert. ISBN 978-3-8062-2114-5. Katalog zur Ausstellung bestellen bei Amazon.de.

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