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Atlas des
Mittelalters
Atlas des Mittelalters. Inos Biffi, Costante Marabelli,
Claudio Stercal (Hgg.), Theiss Verlag Stuttgart 2007. 280 Seiten, über 400
farbige Abbildungen und 100 Karten. Bestellen bei
Amazon.de.
Buchkritik von Heinrich Speich vom 31. Oktober 2007
57 Kapitel vom Fall Roms bis zum beginnenden 15. Jahrhundert
erläutern die Geschichte des Mittelalters. Karten und Bilder erzählen hier weit
mehr als der Text und stehen somit im Zentrum des Buches. Grundrisse und
archäologische Skizzen ergänzen das reiche Bildmaterial.
Die Entwicklung der westlichen Zivilisation im Mittelalter bildet den Kern der
Darstellung, wobei das Christentum als treibende Kraft breiten Raum einnimmt.
Jedes Kapitel umfasst zwei bis sechs Seiten und ist damit als kurze Einführung
geeignet.
Die italienischen Herausgeber und Autoren legen den Fokus auf ihre Heimat, ohne
das der weiteren mediterranen und mitteleuropäischen Zone aus den Augen zu
verlieren. Die konzisen Einführungen und textbezogenen Karten bieten dem Leser
genau das, was in der Einleitung versprochen wurde: Die Betrachtung der
wesentlichen Entwicklungen, Impulse und Gegenströmungen im europäischen
Mittelalter. Grundsätzlich gehen die Herausgeber chronologisch vor und gliedern
das Mittelalter in zwei Abschnitte.
Das Buch liest sich leicht, die kursiv gedruckten termini technici und
die sparsam verwendeten Fachausdrücke sind allerdings nicht näher erklärt.
Leider sind die einzelnen Beiträge kaum miteinander verknüpft und somit ergibt
sich keine durchgehende Dramatik.
Die Bildbeschreibungen sind ausführlich und sehr sorgfältig gestaltet. Die
wenigen Abbildungen, die nicht aus der Zeit sind, werden ausdrücklich als solche
benannt. Die Beschreibungen bilden das Scharnier zwischen Text und Bild. Aus
ästhetischen Gründen stehen Abbildungen und Beschreibungen allerdings nicht
immer beieinander, was ein häufiges Blättern notwendig macht.
Der erste Teil der Darstellung beginnt mit dem Fall Roms, nach traditioneller
Manier im 5. Jahrhundert angesiedelt. Die neuere Sichtweise der Spätantike als
Transformationsphase wird ausgeblendet und die das Frühmittelalter prägenden
byzantinischen Einflüsse im Text beinahe ganz ausser Acht gelassen. Die
Einführung in das westliche Mönchtum bis zum 8. Jahrhundert ist geprägt von
frühen benediktinischen Gründungen, durch fünf Karten ergänzt. Das kurze Kapitel
„Die Bibel im Mittelalter“ bildet den methodischen Hintergrund für das
Verständnis der zahlreich im Buch vorhandenen Illustrationen geistlicher Bücher
und erläutert Entstehen und Zweck des christlichen Buchwesens. Mehrere Kapitel
beschäftigen sich mit Kunst und Architektur des westlichen Mittelalters. Aspekte
wie Pilgerreisen, Liturgie, Sprachentwicklung und Bildungswesen werden ebenso
behandelt wie die politischen Themen der barbarischen Königtümer oder der
Karolinger. Als Zäsur zum zweiten Teil dient die Jahrtausendwende.
Der zweite, umfangreichere Teil des Buches ist der zweiten Hälfte des
Mittelalters gewidmet und beginnt mit dem Aufschwung des 11. und 12.
Jahrhunderts. Hier werden in groben Linien die Entwicklungen der folgenden
Jahrhunderte erklärt: Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Aufbruchstimmung und
Stadtgründungen. Nach einem Einschub zum Feudalwesen werden weitere wichtige
Einzelaspekte behandelt, so die Ausbreitung der Zisterzienser, die Entwicklung
des westeuropäischen Städtemodells anhand italienischer Beispiele, der Gegensatz
zwischen Papst und Kaiser im Investiturstreit, die Rechtsentwicklung, Technik
und Wissen, Theologie, die Bildung nationaler Königreich in Frankreich und
England sowie die partikulare Macht regionaler Fürsten. Daneben finden auch
gegenläufige Tendenzen und Nebenschauplätze Erwähnung, so das Kapitel zu Sekten
und Häresien, den arabischen Wissenschaften, die aristotelische Philosophie, dem
jüdischen Denken, den Troubadouren, Festen und Märkten und viele mehr.
Erstaunlicherweise erst im zweiten Teil befindet sich ein Kapitel zu den
Beziehungen zu Byzanz, unter dem programmatischen Titel „..durch Gegensätze
gespalten“. Am Schluss mehrere Kapitel, die die Entwicklungen zusammenfassen und
den Ausblick in die Neuzeit wagen.
Insgesamt stellt das reich bebilderte Werk Atlas des Mittelalters aus dem
Theiss Verlag eine übersichtlich gegliederte, knappe textliche Einführung
dar, die durch eine durchgehend hohe Qualität der Abbildungen und der präzisen
themenbezogenen Karten bestens ergänzt wird. Die Gliederung der Seiten erfüllt
hohe ästhetische Massstäbe: das perfekte Geschenk.
Atlas des Mittelalters. Inos Biffi, Costante Marabelli,
Claudio Stercal (Hgg.), Theiss Verlag Stuttgart 2007. 280 Seiten, über 400
farbige Abbildungen und 100 Karten. Bestellen bei
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