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Krieg und Frieden
Krieg und Frieden. Kelten, Römer
und Germanen. Die Ausstellung im Rheinischen LandesMuseum Bonn vom 21. Juni
2007 bis am 6. Januar 2008. Das Begleitbuch zur Ausstellung, Primus Verlag
Darmstadt, 2007, 384 Seiten,
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Amazon.de.
Artikel von Heinrich Speich vom 31. Oktober 2007
Die Bonner Ausstellung möchte dem Besucher die wichtige Phase
am Übergang von der Eisenzeit zur Antike näher bringen. Während weniger
Generationen haben sich um die Zeitenwende in Mitteleuropa jene tiefgreifenden
Wandlungen vollzogen, die heute kurz als Romanisierung zusammengefasst werden.
Dabei geht bei diesem Begriff vergessen, dass die Transformation nicht nur
einseitig und von römischer Seite beeinflusst ist, sondern Bereitschaft und
Interesse der indigenen Bevölkerungen voraussetzt, diesen Prozess mitzumachen
und auch mitzugestalten. Somit gibt es keine sich einheitlich vollziehende
Transformation indigener Völker, sondern es kommt zu einer schrittweisen
Intensivierung und Dominanz der Kontakte durch Rom und damit der mediterranen
Kultur. Diese regionale Mischkultur trägt auch die regionalen Traditionen weiter
und unterscheidet sich dadurch von Provinz zu Provinz.
Im ersten Teil der Ausstellung werden Funde der keltischen Zeit vor dem Kontakt
mit Rom gezeigt, zum Beispiel die charakteristischen Glasarmringe aus
Erkelenz-Lövenich oder die erstaunlich gut erhaltenen Holzfunde aus Porz-Lind.
Der linksrheinische Raum wird -grob gesagt- für die vorrömische Latènezeit als
keltisch bezeichnet, während der rechtsrheinische Bereich als germanisch gilt.
Die Unterschiede der materiellen Kultur lassen allerdings nicht immer eine solch
klare Einteilung zu. Vielmehr unterscheiden sich die Gruppen auf dem linken
Rheinufer durch eine differenziertere Gesellschaftsorganisation, vergleichbar
der der mediterranen Welt. Die keltische Gesellschaft des 1. vorchristlichen
Jahrhundert steht am Beginn einer Hochkultur, die dann allerdings unter römische
Dominanz gerät. Die Germanen rechts des Rheins hingegen sind kleinräumiger
organisiert und kennen keine Städte, somit keine Zentralorte, wo sich um die
Eliten herum eine Hofkultur mit Kunstsinn hätte entfalten können. Kontakte zur
römischen Welt gab es schon seit geraumer Zeit, was durch Funde attischer
Keramik oder etruskischer Bronzewaren bestens belegt ist. In direkten Kontakt
mit der römischen Zivilisation geraten die fruchtbaren und bereits dicht
besiedelten Gebiete am Niederrhein allerdings erst durch die Eroberungszüge
Caesars ab 58 vor Christus. Innerhalb weniger Jahre erobert Caesar die
keltischen Gebiete links des Rheins und legt darüber in seinem Werk „De bello
gallico“ Zeugnis ab. Dies ist die erste detaillierte Beschreibung keltischer
Kultur und ist zwar ideologisch gefärbt aber in den Details vertrauenswürdig.
Caesar kennt die Funktionsweise der keltischen Gesellschaften zwar nicht,
vergleicht sie aber mit den ihm bekannten Strukturen der italischen Städte und
entwirft so das uns vertraute Bild der keltischen Gesellschaft quasi als
Nebenprodukt seiner Expansionspolitik.
Die einheimische keltische Bevölkerung wird bei der Eroberung erstmals direkt
mit den Exponenten der römischen Welt konfrontiert. Das Militär bildet nach
eventuellen vorgängigen Handelskontakten die zentrale Vermittlerrolle
mediterraner Kultur in den besetzten Gebieten. Die Soldaten bauen sich
Legionslager und beziehen die Versorgungsgüter aus ihrer Umgebung. So entstehen
bald nach der Gründung der befestigten Lager an deren Peripherie lokale
Siedlungen, die die auf die Versorgung der Truppen mit Lebensmittel und
Handwerksprodukten sicherstellen. Aus solchen Siedlungen sind beispielsweise die
späteren Städte Neuss und Xanten hervorgegangen. Im Umfeld solcher Lager werden
natürlich Produkte für die Legionäre hergestellt. Ihrem Geschmack passen sich
die Produzenten von Keramik, Schmuck und Werkzeug an, sofern nicht
spezialisierte Einheiten selbst die Gebrauchsgüter herstellen. So kommen breite
Schichten der Bevölkerung in ersten Kontakt mit römischer Lebensart.
Der durchschlagende Erfolg der Romanisierung in beinahe allen Provinzen basiert
auf dem Prinzip der Integration der einheimischen Eliten in Führung und
Verwaltung der Provinzen. Die alten Eliten werden nicht von der Macht
ausgeschlossen, sondern in die Reichsaristokratie aufgenommen und behalten ihre
Führungsrolle mit dem Segen Roms. Die führenden Schichten übernehmen so den
Lebensstil und die Gewohnheiten der Römer und werden Vorbild für ihre Klientel,
die sich nun ihrerseits mit den neuen und den alten Herren arrangiert. Diese
Situation schlägt sich am Niederrhein erst in einer zweiten Generation um
Christi Geburt archäologisch nieder. Nun werden von den lokalen Eliten
sukzessive die Agrarstruktur und die städtische Architektur den neuen
Erfordernissen angepasst: Städte in monumentaler Steinarchitektur werden als
Verwaltungszentren geplant und gebaut, Grossgrundbesitzer bauen sich nun
steinerne Villen statt der traditionellen Wohnstallhäuser und das Militär legt
ein Strassennetz durch die Provinz. Archäologisch ist vor allem diese Phase
durch Architekturfunde bestens belegt. Die Frage nach der Kontinuität heimischer
Bevölkerung bei der römischen Eroberung kann somit beantwortet werden: Die Römer
integrieren die Eliten und in deren Sog stellt sich die Bevölkerung um.
Allerdings sind die traditonellen Formen und Strukturen weiterhin vorhanden und
die Neuerungen werden selektiv übernommen. Das Festhalten an Traditionen darf
auch als eine Form des passiven Widerstandes angesehen werden. So können zum
Beispiel Gräber ältere Sitten wieder aufleben lassen und somit die Gesinnung des
Bestatteten oder dessen Angehöriger zum Ausdruck bringen.
Die Frage, weshalb die Römer rechts des Rheins keinen Erfolg hatten, wird in der
Ausstellung beantwortet: die germanischen Stämme sind kleinräumiger organisiert
und können der römischen Militärmaschinerie somit effektiver begegnen. In
ständig wechselnden Allianzen bekämpfen die Germanen die römischen Invasoren und
bieten ihnen keinen Ansatz zur Integration ihrer Eliten. Ihrer schlagkräftigsten
Waffe - der Zivilisation - beraubt, wird unter Tiberius der Rhein als Grenze
ausgebaut und mit einer Flotte gesichert. Dabei darf nicht vergessen werden,
dass dies kein „eiserner Vorhang“ ist, sondern der Handel auch mit der
rechtsrheinischen „Germania libera“ blüht. Das Beispiel eines auf Viehzucht
spezialisierten Gehöftes in Feddersen Wierde bei Bremen zeigt, dass sogar weit
entfernte Betriebe vorwiegend für den provinzialrömischen Markt produzierten. Im
Gegenzug dafür wurden römische Gebrauchs- und Luxuswaren bis nach Polen oder
Skandinavien gehandelt.
Auch in den folgenden Generationen behält das Militär die zentrale Rolle als
Kulturvermittler inne. Die lokalen Eliten steigen in römischen Diensten bis in
hohe Aemter auf. Männer dienen unter ihren angestammten Führern in den
Auxiliareinheiten der Armee in fremden Ländern. Zur Verständigung dient das
omnipräsente Latein. Nach dem Militärdienst kehren die meisten dieser Soldaten
als römische Bürger in ihre Heimat zurück und werden selbst zu Multiplikatoren
römischer Zivilisation, was sich in Siedlungen und Grabbeigaben widerspiegelt.
Die Sitte, dem Krieger das Schwert ins Grab mitzugeben, erscheint am Rhein erst
mit dem Zeitpunkt, als Einheimische Soldaten in römischen Diensten nachgewiesen
werden können. Das Reich eröffnet Verdienstmöglichkeiten für alle: Soldaten
werden immer gebraucht, das Heer ist immer hungrig und die Frauen in den Städten
wollen stets die neueste Mode aus Rom ihr Eigen nennen. Der Prozess der
Romanisierung ist somit eine von der einheimischen Bevölkerung aktiv
vorgenommene Anpassung an die veränderten Möglichkeiten und erlaubt Ausblicke
bis in unsere Zeit.
Die didaktisch geschickt aufgebaute Ausstellung nimmt im Rheinischen
LandesMuseum in Bonn breiten Raum ein und zeigt eindrücklich, dass die
Vermittlung von Geschichte ein ständiger Prozess sein muss. Seit einigen Jahren
erfreuen sich Ausstellungen zu Transformationsphasen der Geschichte einer hohen
Beliebtheit, weil diese Prozesse im zunehmend globalisierten Lebensumfeld auch
uns treffen können und wir vielleicht einmal etwas aus der Geschichte lernen
könnten
Der reich bebilderte Begleitband Krieg und Frieden. Kelten-Römer-Germanen bildet
eine profunde Einführung in die Phase der Romanisierung am Niederrhein und der
römischen Eroberungsversuche rechts des Rheines. Das Buch deckt die relevanten
Themen in fünfzehn Beiträgen ab und die bedeutenden Fundkomplexe der Region
werden vorgestellt.
Krieg und Frieden. Kelten, Römer und Germanen. Die Ausstellung im
Rheinischen LandesMuseum Bonn vom 21. Juni 2007 bis am 6. Januar 2008. Das
Begleitbuch zur Ausstellung, Primus Verlag Darmstadt, 2007, 384 Seiten,
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