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Istituto Svizzero di
Roma
Eine Bastion der Schweiz in
der Ewigen Stadt. Geschichte, Photos, Aktivitäten.
Artikel von Heinrich Speich vom 7. Juli 2008, aufdatiert am 16.7.08
Der zweithöchste Punkt Roms gehört
den Schweizern. Es ist der Turm der Villa Maraini, seit 1948 Sitz des
Istituto Svizzero di Roma ISR, dem Schweizerischen Kulturinstitut in Rom.
Die Schweiz kam allerdings unfreiwillig zu dieser Ehre und den damit verbundenen
Verpflichtungen.
Die Lage der Villa Maraini ist einmalig. Von ihrem Belvedere aus überblickt man
die ganze Stadt von den Albaner Bergen bis zur Kuppel des Petersdoms. Die Villa
des aus dem Tessin stammenden italienischen Abgeordneten und
Zuckerrübenfabrikanten Emilio Maraini ist ein Bijoux der reichen römischen
Villenlandschaft und heute standesgemässer Sitz des berühmten Schweizer
Kulturinstituts in Rom.
Das Gelände
Während der Zeit der späten Römischen Republik im ersten vorchristlichen
Jahrhundert erstreckten sich ausserhalb der servianischen Stadtmauern Wälder und
Wiesen, die von reichen Römern in blühende Gärten und mit Landhäusern und Villen
durchsetzte schattige Haine verwandelt wurden. So baute der reiche römische
Feldherr und Lebemann Lucius Licinius Lucullus ein prächtiges Landhaus auf dem
collis hortulorum, dem Gartenhügel, der später den Namen der Familie der Pincier
tragen sollte und noch heute Pinicio heisst.
In der Renaissancezeit besannen sich die einflussreichen Familien ihrer
Landgüter ausserhalb der Stadt. Zu den Gütern der Familie Ludovisi gehörte auch
ein durch Zukauf erweitertes Stück des Pincio-Hügels, das innerhalb der
kaiserzeitlichen aurelianischen Stadtmauer lag. Kardinal Ludovico Ludovisi,
Neffe von Papst Gregor XV., baute sich darauf einen bedeutenden Palast mit
weiten Gartenanlagen, der für seine Größe, künstlerische Ausgestaltung und ihre
ausgedehnten Gärten mit weitgehend ländlichem Charakter berühmt war.
Den Stadterweiterungen des späten 19. Jahrhunderts fielen in Rom zahlreiche
Grundstücke, Villen und Paläste des Klerus zum Opfer. Das Gelände der Villa
Ludovisi wurde 1886 parzelliert und die Bebauung des 25 ha umfassenden Parks ins
Auge gefasst. Die bestehenden Gebäude wurden in die neue Bebauung integriert:
Der Palazzo Grande der Villa Ludovisi wurde um den Palazzo Piombino (heute
Palazzo Margherita, Botschaft der Vereinigten Staaten) erweitert, das Casino
dell Aurora (heute in bemitleidenswertem Zustand) ummauert und den Blicken
entrückt und mittendrin wurde von der Piazza Barberini zur antiken Porta
Pinciana in einem weiten Schwung die Via Veneto als Prachtstrasse durch das
neue Quartier angelegt.
In dieser Zone entstanden neben den charakteristischen hohen Bauten
des Bürgertums noch vor der Jahrhundertwende einige der elegantesten Hotels der
Stadt, so das
Eden 1889, das Beau-Site 1889, das Regina-Carlton 1894 sowie das
Grand Hotel Suisse 1896.
Das Grundstück der späteren Villa Maraini wurde vom jungen italienischen
Nationalstaat dem Kapuzinerkloster S.Maria della Concezione enteignet. Seit 1887
wurde es als Deponie für den Aushub der sanft ansteigenden Via Ludovisi
verwendet und blieb daher unbebaut. Für eine Bebauung hätten vom 6'800m2
grossen Grundstück rund 40'000m3 Schutt abgetragen werden müssen,
was dem italienischen Staat als Besitzer zu kostspielig war, nachdem die
Immobilienpreise 1889 zusammengebrochen waren. Erst im Jahre 1902 konnte das
Gelände an Emilio Maraini verkauft werden, der darauf seine Stadtresidenz
errichten wollte.
Der Bauherr
Emilio Maraini (1853-1916) stammte aus Lugano, absolvierte eine kaufmännische
Ausbildung und arbeitete seit 1873 im Importhandel für eine niederländische
Firma. Er erkannte früh die Möglichkeiten, die die Verarbeitung von
einheimischem Rübenzucker gegenüber importiertem Rohrzucker bot. Er machte sich
in den 1880er Jahren mit einer Raffinerie in Böhmen mit Erfolg selbständig.
1886 zog er nach Rom, um die Idee der Zuckerproduktion auch in Italien
umzusetzen. Er übernahm die Leitung einer defizitären Zuckerfabrik in Rieti, die
er 1888 kaufte. Innert eines Jahrzehnts verhalf er der Zuckerindustrie in
Italien zum Durchbruch und erwarb sich dabei einen sagenhaften Reichtum. Bereits
um circa 1890 nahm er auch die italienische Staatsbürgerschaft an und wurde 1893
in den Gemeinderat von Rieti gewählt. Als Liberaler zog er 1900 ins italienische
Abgeordnetenhaus ein. Nun brauchte er auch in Rom eine standesgemässe Residenz.
Im
Jahre 1902 kaufte Emilio Maraini die letzte unbebaute Parzelle im neuen schicken
quartiere Ludovisi um die Via Veneto. Er schätzte wohl die verkehrsgünstige,
zentrumsnahe Lage und die Nähe zum
Parlamentsgebäude und zum Agrarministerium. Maraini hatte nicht vor, wie bei den
umliegenden Gebäuden fünf bis sieben Geschosse zu errichten und dafür die
Deponie abzutragen, sondern er nutzte die Situation, um eine großzügige Villa
mit umgebendem Garten auf überhöhtem Terrain zu platzieren um so seinen Erfolg
als auch Anspruch zu manifestieren.
Die Villa Maraini
Als Architekt stand Otto Maraini (1863-1944) fest. Dieser konnte mit
Unterstützung seines Bruders in Mailand und Rom Architektur studieren. Am
geeignetsten erschien Otto für seinen Bruder ein historisierender
Neorenaissancebau unter Einbezug barocker Stilelemente.
1901 entwarf er die Pläne der Villa Helios in
Castagnola bei Lugano, 1902 der Villa Vassalli 1903 und des Palazzo Molinari.
1903/04 baute er mit Augusto Giudini sen. die Kantonsschule, den Palazzo
Cantonale degli Studi di Lugano.
Dann kam 1904/05 mit der Villa des Bruders in Rom sein wohl bedeutendster Bau.
Die Villa steigt auf einem beinahe quadratischen Grundriss, der durch
Auskragungen und Anbauten aufgelockert wird über drei Hauptgeschosse in die
Höhe. Über dem erhöhten vorkragenden Erdgeschoss gliedert eine umlaufende
Balustrade die Fassade in zwei Zonen. In der unteren Zone sind die hohen Fenster
durch Kolonaden und Einfassungen gegliedert, während in der oberen Zone dem
frühen Barock entlehnte Fensterbekrönungen mit Büsten die Höhe des Gebäudes
mildern. Als Vorbild diente wohl die strenge Fassadengliederung der nahen Villa
Borghese, die aber hier durch gezielte Asymmetrie der Bauelemente aufgelockert
wird. Den Eindruck einer gewachsenen Bausubstanz untermalt das Nebeneinander von
dreigliedrigen rechteckigen Fenstern und rund gewölbten Loggiavorbauten im
Erdgeschoss. Über dem stark akzentuierenden umlaufenden Fries mit Ranken- und
Bestienmotiven erhebt sich die Dachterrasse, die vom turmartigen Belvedere
überragt wird, welches den herrschaftlichen Charakter des Anwesens
unterstreicht. Die architektonische Gliederung des Gebäudes ist heute von der
Straße aus kaum sichtbar, da die hohen Bäume und die Hügellage eine direkte
Einsicht nur auf die majestätische Nordwestseite ermöglichen.
Das Innere des Hauses gliedert sich um ein offenes Treppenhaus herum, dessen
hohes Fenster von Nordwesten her in der Mitte des Baus sichtbar ist. Hier
spielte im Jahre 1950 der italienische Film „Taxi di Notte“ von Carmine Gallone.
Im Erdgeschoss befinden sich der Speisesaal, der Damensalon, der große Salon,
der Wintersalon, das Spielzimmer und das Fumoir, die Wohnräume sind im
Obergeschoss untergebracht. Die Salons sind nach Südosten ausgerichtet und von
außen über eine gegabelte Freitreppe und die Gartenloggia zugänglich.
Treppenhaus und Salons sind reich mit kostbarerem Marmor mit verschiedenen
Dekormotiven ausgestattet. Das historistische Deckengemälde im großen Saal
stammt von Giovanni Capranesi von 1906. Im ehemaligen piano nobile
befinden sich heute Direktionswohnung und Gästezimmer, die seit etwa 1920 direkt
mit einem Aufzug von der Pförtnerloggia auf Strassenniveau erreichbar sind.
Garten
Dass ein Garten auf dem ehemaligen collis hortulorum eine große Bedeutung
einnimmt, ist evident. Der Baumbestand folgt noch immer dem von Emilio Maraini
selbst entworfenen Inventar von 1910. Heute wie damals wird bei der Bepflanzung
neben ästhetischen Qualitäten auch Wert auf die Verwendbarkeit und die
Artenvielfalt gelegt. So liegt ein Schwerpunkt auf Gesundheitspflanzen und
Zitrusfrüchten. Ein Jesuit des nahe gelegenen Klosters kommt regelmäßig und
nimmt ausgewählte Kräuter mit.
Die Familie Maraini-Sommaruga
1889 heiratete Emilio Maraini die junge Carolina Sommaruga (1869-1959), deren
Familie auch aus Lugano stammte und die ihren Mann um 43 Jahre überlebte. Im
Jahre 1946 schenkte die kinderlose Witwe die
Villa ihres verstorbenen Ehemannes der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit der
Auflage, die Liegenschaft ganz in den Dienst des kulturellen Austausches
zwischen Italien und der Schweiz zu stellen. Diese Aufgabe nimmt das 1947 vom
Bundesrat gegründete Istituto Svizzero di Roma ISR wahr, welches seit 1949 in der
Villa Maraini beheimatet ist.
Das
Istituto Svizzero di Roma, ISR (Details können auch in Zukunft rasch wechseln)
Die Leitung des ISR obliegt dem Stiftungsrat, der derzeit von
Charles Kleiber präsidiert wird und sich aus rund einem Dutzend Mitgliedern zusammensetzt. Mit
Carlo Sommaruga ist auch die Stifterfamilie im Rat vertreten, dessen Vater,
Cornelio
Sommaruga, der ehemalige Präsident des IKRK
ist. Ständig vertreten
ist im Stiftungsrat ex officio nur noch die Schweizer Botschaft in
Rom, aber nicht mehr wie früher
das Eidgenössische Bundesamt
für Kultur und die Kulturstiftung Pro Helvetia.
Der
Betrieb des Institutes untersteht einem Comité exécutif und zwei
Fachkommissionen für den universitären und den künstlerischen Bereich. Die
künstlerische Kommission steht seit 2008 neu unter dem Vorsitz von Françoise
Ninghetto aus Genf. Professor Philippe Mudry aus Lausanne ist Vorsitzender
der wissenschaftlichen Kommission, in der als lokaler Vertreter Professor
Antonio Iacobini von der Universität La Sapienza in Rom Einsitz hat. Die Verwaltung der Stiftungsfinanzen wird
von der Banca della Svizzera Italiana (BSI) besorgt.
Die Geschäftsführung des Schweizer Instituts in Rom obliegt Professor Dr. Christoph Riedweg aus Zürich, der als Direktor des ISR in der
Villa Maraini wohnt.
Christoph Riedweg ist Ordinarius für Gräzistik an der Universität Zürich und für seine Aufgabe in Rom
noch bis Januar 2012
freigestellt.
Durchschnittlich findet jede Woche eine gut besuchte Veranstaltung in der Villa Maraini
und der angegliederten neuen Sala Elvetica des Institutes statt. Im breiten Kulturangebot Roms ist dies keine
Selbstverständlichkeit. Die Bandbreite der Anlässe erstreckt sich von
regelmäßigen Kolloquien zu Themen der Römischen oder Schweizerischen Geschichte
und Kultur über Kunstausstellungen und Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen,
Studienseminare, Buchpräsentationen, Kongresse bis zu externen Anlässen von
Firmen. Seit dem Amtsantritt von Direktor Riedweg ist das Institut aus seinem
Dornröschenschlaf erwacht. Seit der Reform von 2005 sind die Schweizerischen
Kulturinstitute in Mailand und Venedig als Aussenstellen ins ISR integriert, um einen einheitlichen und
professionellen Auftritt der Schweiz und ihres Kulturschaffens in Italien zu
gewährleisten.
Neben den öffentlichen Anlässen bietet das ISR zwölf Stipendiaten für jeweils
ein Jahr Unterkunft und Arbeitsräume. Die Bewerbungen stammen einerseits aus der
Sparte Kunst, andererseits von Wissenschaftlern. Die Auswahl treffen die
Kommissionen. Die Arbeiten sollen einen engen Bezug mit Rom und Italien
bzw. dem Mittelmeerraum aufweisen. Der Trend bei den Bewerbungen um die Künstlerstipendien liegt derzeit
bei Videoinstallationen. Die Stipendiaten wohnen im Obergeschoss des Gebäudes
zusammen und arbeiten in der stimulierenden Atmosphäre der Villa an ihren
Projekten.
Die Strategie des Direktors sieht für die nächsten Jahre vor,
die Visibilität mit einem spannenden Programm weiter zu erhöhen. Das ISR
soll als Plattform zum Austausch von Wissenschaft und Kultur zwischen
Italien und der Schweiz dienen. Direktor Riedweg legt viel Wert auf die
italienische Präsenz im Haus und den für die Schweizer Präsenz in Rom
immanenten Kontakt zu den italienischen Institutionen. So konnten in den
letzten Jahre viele illustre Gäste in der Villa begrüßt werden, so zum
Beispiel die UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte, der italienische Kommunistenchef
Fausto Bertinotti, der Literat Luciano Canfora oder bereits mehrfach der Architekt
Mario Botta. Dabei soll die Villa nicht als „Kongresshotel“ für
privilegierte Schweizer Gäste dienen, sondern insbesondere auch
italienischen Kollegen für den Austausch offen stehen.
Mit dem ISR besitzt die Eidgenossenschaft an prominenter
Stelle in Rom ein erstklassiges kulturelles Aushängeschild mit einem
umtriebigen Direktor. Hoffentlich noch lange.
Weiterführende Literatur
-
Michael P. Fritz: Die Villa Maraini in Rom. Ein historisch spätes Beispiel
Römischer Villenkultur, Bern 2000. (Schweizerische Kunstführer GSK 642/643).
-
Michael P. Fritz: Die Villa Maraini in Rom. In: Kunst und Architektur in der
Schweiz, 58.Jahrgang, 2007.3, S. 62-66.
-
Anna Maria Torricelli: Otto Maraini. In: Isabelle Rucki und Dorothee Huber (Hgg.),
Architektenlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert, Basel 1998, S. 357f.
-
Der
Link zum Istituto Svizzero di Roma:
www.istitutosvizzero.it.
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Der Eingang zum Istituto Svizzero di Roma. Photos © Heinrich Speich.

Die Contessa Carolina Maraini-Sommaruga. Photo © Heinrich Speich.

Giovanni Boldoni: Bildnis des Emilio Maraini. Photo © Heinrich Speich.

Der Institutsleiter Christoph Riedweg. Photo © Heinrich Speich.

Das Istituto Svizzero di Roma - eine Villa mit Aussicht. Photos © Heinrich
Speich.

Das Istituto Svizzero di Roma vom
Hotel Eden
her gesehen. Photos © Heinrich Speich.
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