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Ordoliberalismus
Geschichte, Texte, Quellen, soziale Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, Walter Eucken, Freiburger Schule
Artikel vom 11. Juli 2008
 
Alle reden von der Sozialen Marktwirtschaft, die vor 60 Jahren (1948) ihren Siegeszug begann, doch die wenigsten haben wirklich eine Ahnung davon. Sie brachte Deutschland das Wirtschaftswunder, das natürlich kein Wunder, sondern weitgehend das Resultat der Umsetzung der wirtschaftspolitischen Rezepte der Freiburger Schule des Ordoliberalismus war.

Einen guten Einstieg in das Thema des Ordoliberalismus, der Freiburger Schule und ihrer anverwandten Repräsentanten bieten die
Grundtexte zur Freiburger Tradition der Ordnungsökonomik.

Es handelt sich dabei um den ersten Referenzband, der Grundtexte des Ordoliberalismus zusammenführt. Zudem werden in Einführungen von 26 Autoren auch Laien diese theoretischen Ansätze und ihre Verfasser zugänglich macht.

Die Freiburger Schule geht auf einen Beitrag von Walter Eucken, Professsor für Nationalökonomie an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität zurück. Eucken rief 1932 dazu auf, das Verhältnis von Staat und Wirtschaft grundlegend neu zu überdenken. Heute bildet die Ordnungsökonomik die Fortsetzung des Ansatzes der Freiburger Schule. Sie umfasst die Teilbereiche Ordnungstheorie und Ordnungspolitik.

An der Universität in Freiburg wirkten in den 1930er und 1940er Jahren vor allem die Professoren Walter Eucken, Franz Böhm und Hans Grossmann-Doerth im Sinne des Ordoliberalismus.



Walter Eucken war nicht alleine mit seinem Eintreten für einen starken Stadt, der gegen Monopole, Kartelle und Absprachen vorgeht und so die Interessen der Konsumenten unter anderem durch Wettbewerb vor Partikularinteressen der Wirtschaft schützt.

Ebenfalls 1932 formulierte Walter Rüstow auf dem Treffen des Vereins für Sozialpolitik in Dresden ähnliche Gedanken. Ein weiterer Ideengeber für die spätere Soziale Marktwirtschaft war Wilhelm Röpke, der über Göttingen Tübingen, Marburg, Graz und ab 1933 im Exil in Istanbul, ab 1937 in Genf studierte bzw. lehrte.

Der Schreibende hat viele Jahre später am Institut universitaire de hautes études internationales (IUHEI) in Genf studiert, an dem Wilhelm Röpke unterrichte. Der 1899 in Schwarmstedt bei Hannover geborene Röpke verstarb 1966 in Genf und beeinflusste vor allem die deutschsprachige (Wirtschafts-) Politik nicht zuletzt über seine Zeitungsartikel in FAZ und NZZ bis zu seinem Tod.

In Zürich wirkte von 1953 bis 1972 Friedrich A. Lutz, der 1925 seine Dissertation bei Walter Eucken in Tübingen abgeschlossen hatte, im Sinne des Ordoliberalismus.

Die englischsprachige Nationalökonomie wird heute noch von der Freiburger Schule und ihren Ideen über die “New Institutional Economics” beeinflusst.



Zu den der Freiburger Schule verwandten Denkansätzen zählen neben Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow vor allem auch Ludwig Erhard, der „Vater des Wirtschaftswunders“ und Alfred Müller-Armack, der den Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ prägte.

Mit dieser griffigen, aber leider heute als Sozialstaatsbekenntnis verkannten Formel meinte Müller-Armack, dass es bei der Sozialen Marktwirtschaft darum geht, „auf der Basis der Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative mit einem gerade durch die marktwirtschaftliche Leistung gesicherten sozialen Fortschritt zu verbinden“. Staatssekretär Müller-Armack und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard machten klar, dass die Marktwirtschaft an und für sich sozial sei, weil sie den Bürgern den grösstmöglichen Wohlstand verschafft.

Im englischsprachigen Raum wirkte der zuerst in Wien tätige Friedrich August von Hayek. An der London School of Economics wurde der Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie zum Kritiker von Keynes und der Cambridge Schule. Sein Buch „The Road to Serfdom“ von 1944 widmete er „den Sozialisten in allen Parteien“. Hayek stand nicht nur in einem Verwandtschaftsverhältnis zum deutschen Ordoliberalismus, sondern er lehrte auch nach seinen Jahren in Chicago ab 1950 in Freiburg, und zwar von 1962 bis zu seiner Emeritierung 1967, wobei er in Freiburg und anderswo bis zu seinem Tod 1992 weiterhin tätig blieb.

Unter dem Einfluss von Friedrich Merz schien die CDU von Angela Merkel sich auf die Soziale Marktwirtschaft zurückbesinnen zu wollen. Da sich Merz aber als gefährlicher Rivale von Frau Merkel entpuppte und sich nicht als Teamplayer gebärdete, wurde er von der CDU-Vorsitzenden kaltgestellt, die dann nach der vergeigten Wahl von 2005 in der Grossen Koalition ihr wirtschaftsliberales Programm über Bord warf. Vielleicht steht ja die Rückbesinnung auf die Freiburger Schule bei den Wahlen 2009 wieder auf dem bitter nötigen Reformprogramm.

P.S. Der Begriff Ordoliberalismus wurde 1950 von Hero Moeller geprägt und leitete sich vom Titel der seit 1948 erscheinenden Zeitschrift ORDO - Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft ab, die wiederum inspiriert von der Schriftenreihe Ordnung der Wirtschaft der Freiburger Schule von 1937 war, die laut dem Walter Eucken Institut als eigentliche Geburtsstunde der Freiburger Schule gilt.

Grundtexte zur Freiburger Tradition der Ordnungsökonomik. Hg. von Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth. Walter Eucken Institut, Untersuchungen zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik 50. Mohr Siebeck Verlag, 2008, 780 S. Bestellen Sie das lesenswerte Buch bei Amazon.de.



Grundtexte zur Freiburger Tradition der Ordnungsökonomik. Hg. von Nils Goldschmidt und Michael Wohlgemuth. Walter Eucken Institut, Untersuchungen zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik 50. Mohr Siebeck Verlag, 2008, 780 S. Bestellen Sie das lesenswerte Buch bei Amazon.de.










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