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Almut Bick: Die Steinzeit
Rezension vom 18. Oktober 2007 von Violetta Fontana (Neuchâtel)

Die neue handliche Reihe Theiss WissenKompakt umfasst historische und archäologische Sachbücher, deren Fachautoren bereits über publizistische Erfahrung verfügen.

Die Bände sind jeweils reich bebildert und die behandelten Themen gut verständlich beschrieben. Es werden Grundlagen vermittelt, zentrale Aspekte vertieft und neue Forschungsergebnisse erläutert.

D
er Band von Almut Bick bietet eine Übersicht zur Steinzeit von 3,2 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis zum Aufkommen der Metallverarbeitung, mit Deutschland als geographischem Fokus. Es ist in drei grosse Kapitel eingeteilt: „Ferne Vergangenheit mit aktuellem Bezug“, „Die Steinzeit auf einen Blick“ und „Ein Panorama der Steinzeit“. Der Text ist nicht wie gewohnt durchgehend chronologisch gegliedert, sondern jedes Kapitel bildet eine Einheit, in der die Steinzeit unter verschiedenen Aspekten präsentiert wird. Diese Gliederung kann Laien in Verwirrung bringen. Um sich die wichtigsten Ereignisse dieser langen Zeitspanne einzuprägen, scheint dieser Aufbau nicht geeignet. Zum Beginn der drei Hauptkapitel sind die Bilder zudem nicht vollständig erläutert und manchmal sogar gänzlich ohne Textbezug, z.B. auf Seite 14/15, wo eine Pfahlbauhütte und ein mit Stichen verziertes Topf als Einführung der Altsteinzeit dienen.

Die chronologisch gegliederte Geschichte der Steinzeit beginnt im dritten Kapitel mit der Evolutionsgeschichte und den Anfängen der Menschheit, zum Beispiel Lucy, unserer direkten Vorfahrin. Es empfiehlt sich, erst später auf die ersten zwei Kapitel zurückzukommen. Im „Panorama der Steinzeit“ wird beispielsweise über die imposante Anlage auf dem Göbekli Tepe in der Südosttürkei berichtet: es handelt sich um den ältesten Tempel der Welt (10./9. Jahrtausend v. Chr.). Die Menschen errichteten während der Jungsteinzeit auch in unseren Gegenden mächtige Bauwerke: Kreisgrabenanlagen, Megalithgräber oder Menhire, die nicht Bestattungsplätze sondern Kultstätten waren, so zum Beispiel Stonehenge in Cornwall/GB. Die megalithischen Bauten zeugen von grossem Aufwand an Arbeitskräften und von einer Organisation, die auf eine strukturierte Gesellschaft hinweist.

Jede Ära menschlicher Geschichte, von den Urmenschen Afrikas über die Jäger der Eiszeit bis hin zu den sesshaften Bauern der Jungsteinzeit wird von der Verfasserin geistreich beschrieben. Ausserdem berichten mehrere ein- oder zweiseitige Einschübe über spektakuläre Grabungsresultate aus Europa, dem Vorderen Orient und Afrika sowie über archäologische Arbeitsmethoden wie beispielsweise die Luftbildarchäologie.

Stein-Zeit? Ja, Stein war der Rohstoff für Werkzeuge und Waffen der steinzeitlichen Menschen. Die menschliche Geschichte beginnt mit der Herstellung der ersten einfachen Werkzeuge aus Geröll. Das Altpaläolithikum, die früheste Stufe der Altsteinzeit, ist in Europa die Epoche des Homo heidelbergensis, des europäischen Homo erectus. Diese Menschenart hatte als erste Afrika verlassen und Europa vor mindestens 1,5 Millionen Jahren erreicht. Zu dieser Zeit hatte der Homo erectus in Ostafrika bereits den Faustkeil entwickelt.



Die Zeit von 300 000 bis etwa 36 000 Jahren vor unserer Zeit wird als Mittelpaläolithikum bezeichnet. Als Neanderthaler bezeichnete Menschen bevölkerten Europa. Geschäftete Geräte bilden eine Neuheit der mittleren Altsteinzeit. Bis dahin wurden die Steinwerkzeuge direkt mit der Hand geführt. Das Jungpaläolithikum begann in Europa vor ungefähr 38 000 Jahren und endete vor rund 11500 Jahren. Diese Epoche ist von einer Anzahl Innovationen geprägt, z.B. Speerschleuder, Pfeil und Bogen. Die Neuerungen sind nicht nur technischer Art; auch die Anfänge künstlerischer Darstellungen, so z.B. die Figürchen aus Mammut-Elfenbein von der Schwäbischen Alb oder die Höhlenmalereien Westeuropas, Musik oder Begräbnisrituale werden nun greifbar.

U
m 9500 begann die Mittelsteinzeit, das Mesolithikum. Das Klima wurde in kürzester Zeit wärmer und feuchter. Damit änderte sich die Vegetation und in der Folge auch die Tierwelt. Der Mensch hatte sich in seiner Jagdtechnik auf die grossen Tierherden der eiszeitlichen Steppen spezialisiert. Nun breiteten sich Wälder aus. Die grossen Herden wanderten nach Norden ab, dorthin, wo sie noch Steppen finden konnten. Statt grosser Pferde- oder Rentierherden gab es jetzt Standwild wie Auerochse, Hirsch, Reh oder Wildschwein im Wald. Die Werkzeuge des Mesolithikums gehen fast alle in ihrer Herstellungstechnik auf das Jüngpaläolithikum zurück, insgesamt zeigt das Spektrum nun aber eine Verkleinerung der Steingeräte (Mikrolithen).

Mit der Jungsteinzeit, auch Neolithikum genannt, fand ein Wandel in der Lebensweise der Menschen statt: er wendete sich vom reinen Jagen und Sammeln ab und begann mit Ackerbau und Viehzucht. Diese bäuerliche Wirtschaftsweise breitete sich vom Vorderen Orient über die Türkei und Griechenland nach Mitteleuropa und entlang der Mittelmeerküsten aus. Von einer aneignenden Wirtschaftsweise, in der sich der Mensch aus der Natur nahm, was sie ihm bot und was er brauchte, wechselte er zu einer produzierenden. Dazu war die sesshafte Lebensweise unumgänglich. Die bedeutendsten Neuerungen des Neolithikums sind gebrannte Tongefässe und geschliffene Steinwerkzeuge. Feuerstein war weiterhin der zentrale Rohstoff. Seit dem Ende des 5. Jahrtausend v. Chr. bis in die späte Bronzezeit wurden im nördlichen und südlichen Alpenvorland gezielt Seeufer und Moorränder als Siedlungsgebiete aufgesucht.

D
ie Gewinnung und Verarbeitung von Metallen war im Vorderen Orient entstanden. Die Kenntnisse von Produktion und Verarbeitung von Kupfer und Bronze -einer Legierung aus Kupfer und Zinn - breiteten sich entlang der Donau nach Mitteleuropa aus.

Die
Abbildungen (s/w) sind als Fotos, Zeichnungen und Karten in den Text eingebettet. Farbbilder hätten zwar lebhafter gewirkt, dafür ist die Reihe Theiss WissenKompakt recht preiswert. Eine farbige Karte der archäologischen Fundorte und eine Zeittafel ergänzen die Abbildungen. Die Zeitstufen der Kulturepochen auf der Zeittafel und manchmal auch im Text sind allerdings nicht genügend präzise, um dem Leser eine genaue Einordnung zu erlauben. Zur Vertiefung der Themen verfügt der Band über eine ausführliche Literaturliste.

Die
Autorin präsentiert die Steinzeit in einer eher ungewöhnlichen Form, nämlich nicht streng chronologisch. Es sind die Themen, die hier diachron im Mittelpunkt stehen und den Leser in der Lektüre begleiten. Untertitel verweisen im Verlauf der Darstellung auf Argumente und offene Fragen.

Almut Bick: Die Steinzeit, Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006.  176 Seiten, durchgehend bebildert (s/w). ISBN: 978-3-8062-1996-8. Buch bestellen bei Amazon.de.






Almut Bick: Die Steinzeit, Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006. 
176 Seiten, durchgehend bebildert (s/w). ISBN: 978-3-8062-1996-8. Buch bestellen bei Amazon.de.



 
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