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Legendäre Reisen im Mittelalter
Feliciano Novoa Portela, F. Javier Villalba Ruiz de Toledo, Legendäre Reisen im Mittelalter, Theiss Verlag, Stuttgart 2008, 234 Seiten mit 180 farbigen Abbildungen und 5 Karten. ISBN: 978 3 8062 2200-5. Buch bestellen bei Amazon.de.
Artikel von Heinrich Speich vom 12. November 2008
 
Ritter auf der Suche nach Abenteuern, Missionare bei den Heiden und wagemutige Seefahrer; der Band verspricht damit viel, zu viel. Sechs spanische und ein deutscher Autor beschreiben Fernreisen im Mittealter. Viajes y viajeros en la Europa medieval lautete der Buchtitel der spanischen Originalausgabe. Diesen in der Übersetzung beizubehalten wäre sinnvoll gewesen, da dem Inhalt die Komponente der Legende abgeht.

Den Auftakt bildet ein Blick auf geographische Kenntnisse und Reisebeschreibungen in Text und Karten, gefolgt von einem Kapitel zu John Mandeville, einem imaginären Reisenden. Der Autor zeigt dem Leser anhand Mandevilles Livre des merveilles du monde (vor 1371) die klassischen Motive von Reisebeschreibungen im Mittelalter sowie die Horizonte des Romanautors. Dessen Text beschreibt die ganze Welt in Ich-Form als Erlebnisbericht und wird mit zunehmender Distanz absonderlicher. Hilfreich ist dabei die Tabelle der von Mandeville verwendeten Literatur, die einige Hinweise auf die Herkunft dieser Legenden gibt. Die „Reise“ Mandevilles ist also weniger eine „legendäre Reise“ als eine Sammlung legendenhafter Topoi in der Beschreibung ferner Länder.

Richtig interessant wird das Buch erst dort, wo eine Autorin es wagt, konkret zu werden und eine wirkliche Reise - oder zumindest den dazu erhaltenen Text - analysiert. Anhand Marco Polos Imago Mundi analysiert Christiane Deluz die Möglichkeiten von Kaufleuten, geographisches Wissen zu erwerben, zu nutzen und zu vermitteln. Als einzige Autorin des Bandes scheint sie eine präzise Fragestellung an ihre Quelle angelegt zu haben. Sie geht auf Umfeld und Vorwissen der venezianischen Händlerfamilie Polo ein, deren Handlungsspielraum, ihre sprachlichen Kenntnisse, ihre Vorstellungen von Raum, Grenzen und Völkern sowie ihr konkreter Weg von Akkon nach China. Die Beschreibung Chinas umfasst hauptsächlich für Kaufleute interessante Angaben wie die Verwendung von Papiergeld, Transportmittel, Verkehrswege, Handelsmöglichkeiten und Wetter. Marco Polo weilte jahrelang in China und beschrieb das Herrschafts- und Verwaltungssystem sowie die Geographie Südasiens. Sein Werk wurde in Europa rasch bekannt und wurde vor allem von Kaufleuten genutzt, wie eine in Venedig an der Rialto-Brücke angekettetes Exemplar belegt.

Das Kapitel „Kriegerische Reisen“ ist enttäuschend. Die Entdeckung Grönlands, Wikingerfahrten in die Rus, Ungarn- und Mongoleneinfälle sowie weitere Kriegszüge waren wirklich legendenbildend. Auch literarische Höhepunkte wie Karls des Grossen Zug nach Spanien und seine Begleitung durch Roland oder die Abenteuer der Ritter der Artusrunde hätten genügend Material für eine exemplarische Betrachtung geboten. Stattdessen versucht der Autor einen handbuchartigen Rundumschlag, der höchst beliebig wirkt. Die Beschreibung aus Elementen der normannischen Eroberung Englands und der Kreuzzüge sind eigentlich überflüssig und bestenfalls aus militärhistorischer Warte interessant. Das Beispiel wurde wohl einzig deshalb gewählt, weil es sich gut illustrieren lässt. Der doppelseitige Einschub zu Leif Erikssons Grönland- und Amerikafahrt demonstriert eindrücklich, wie ein quellenarmes, nicht zeitgenössisch illustriertes Thema präsentiert werden könnte. Interessant sind allein die Hinweise auf die literarische Verarbeitung kriegerischer Ereignisse im ritterlichen Minnesang, dafür fehlt dann allerdings eine bildliche Darstellung.



Der Abschnitt Pilger: „Die Reisenden Gottes“ ist in der einleitenden Beschreibung des mittelalterlichen Pilgerwesens klassisch und solide. Die christlichen Pilgerziele Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela werden präsentiert. Gründe, Vorbereitung und Durchführung der Pilgerer sind quellennah erläutert und illustriert. Dem Publikum stellt sich allerdings erneut die Frage, was der Text mit dem Buchtitel gemein hat. Wirklich legendäre Reisen werden keine vorgestellt. Quellen wie die „Canterbury Tales“, die wirklich substantielles zu diesem Thema beinhalten, werden bestenfalls angetönt. Dafür werden offenkundige Legenden unhinterfragt als historische Wirklichkeit feilgeboten, wie zum Beispiel in der nicht weiter kommentierten Aussage „Die spanische Pilgerin Melanie zum Beispiel ging 371 nach Jerusalem, nachdem sie ihr ganzes Vermögen ihrem Sohn überschrieben hatte, gründete dort ein Kloster mit fünfzig Nonnen und ein Hospiz für kranke Pilger.“

Das abschliessende Kapitel von Folker Reichert handelt von den politischen Reisen, Gesandtschaften und Diplomatie. Hier wird, in der gebotenen Kürze, exemplarisch und quellenbezogen am Beispiel von Gesandtschaften zu den Mongolenkhanen im 13. und 14. Jahrhundert gezeigt, wie der Austausch von Mitteilungen und Geschenken über weite Distanzen möglich war und welche Themen die später von den Gesandten verfassten Schriften beinhalten.

Das Buch besticht durch sein repräsentatives Format und die grossformatigen farbigen Illustrationen. Leider haben die Abbildungen nicht immer einen direkten Textbezug und wirken daher aufgesetzt. Recht ärgerlich ist es für den Betrachter des Bildbandes, seitenfüllende „verpixelte“ Abbildungen zu finden, die in zu geringer digitaler Auflösung wiedergegeben sind (S.33).

Ein weiterer Schwachpunkt ist die unbeholfene Übersetzung. Diesen Typ hatte ich als Kind in älteren Übersetzungen von Kunstführern aus Süditalien oder Polen kennengelernt, die mir bereits damals eher durch ihre drollige Wortwahl und holprige Syntax denn durch Transponierung metasprachlicher Finessen aufgefallen waren. Begriffe wie „paläochristliche Kirche“ (S.190) oder „ökonomische Geographie“ (S.111) wirken in einem Buch, welches für ein breites Publikum bestimmt ist, deplaziert.

Legendäre Reisen im Mittelalter ist für einmal ein Theiss-Band mit vielen Schwächen.


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Feliciano Novoa Portela, F. Javier Villalba Ruiz de Toledo, Legendäre Reisen im Mittelalter, Theiss Verlag, Stuttgart 2008, 234 Seiten, mit 180 durchgehend farbigen Abbildungen und 5 Karten. ISBN: 978 3 8062 2200-5. Buch bestellen bei Amazon.de.





 
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