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Zeit der Helden in
Griechenland 1200 - 700 v. Chr.
Artikel von Heinrich Speich vom 1. Dezember 2008
Zeit der Helden. Die „dunklen
Jahrhunderte“ Griechenlands 1200 – 700 v. Chr. Ausstellung im Badischen
Landesmuseum Karlsruhe, 25.10.2008 – 15.02.2009. Gebundener Katalog erschienen im Primus
Verlag, Darmstadt Oktober 2008. ISBN 978-3-89678-389-9. Buch bestellen bei
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Die „dark ages“ der griechischen Geschichte stellen einen Einschnitt in der
Entwicklung an der Ägäis dar. Die alten Griechen führten den Untergang der
mykenischen Kultur auf die Einwanderung der Dorer zurück. Historiker verglichen
die Ereignisse mit denen umliegender Zivilisationen und brachten im Einklang mit
der ägyptischen Überlieferung die These der „Invasion der Seevölker“ hervor.
Doch welche dieser historischen Traditionen halten der archäologischen
Überprüfung stand?
Dieser Frage widmet sich das Badische Landesmuseum in Karlsruhe mit seiner
aktuellen Ausstellung. Ausgehend von der „mykenischen Palastkultur“ auf der
Halbinsel Peloponnes 1650 bis ca. 1200 v. Chr. werden die Entwicklungen
aufgezeigt. Das abrupte Ende von Mykene und weiterer bedeutender Stadtstaaten
ist nich monokausal erklärbar. Die Möglichkeit besteht, dass Naturkatastrophen,
Missernten oder Seuchen den Zusammenbruch der Palastkulturen befördert hat.
Dabei sind nicht alle Städte einfach „untergegangen“, manche erlebten jetzt erst
ihre Blütezeit, so Tiryns oder Lefkandi.
Die Ruinen der Burg oder Stadt Tiryns südlich von Korinth, erheben sich noch
heute sichtbar über der Argivischen Ebene. Die Stadt scheint um 1200 v. Chr.
durch ein Erdbeben vernichtet worden zu sein. Der Wiederaufbau in der
Nach-Palastzeit erfolgte selektiv. Es wurde darauf geachtet, besondere Elemente
wie den Thronplatz oder den Rundaltar im Hof der Oberburg nicht zu verschieben.
Die neuen Bauteile wurden auf den eingeebneten Ruinen des alten Palastes gebaut.
Das Megaron, die Königshalle wurde im am gleichen Ort, aber kleiner und als
zweischiffige Holzkonstruktion wieder aufgebaut. Die ehemalige untere Burg war
erst nach der Zerstörung der oberen Burg dicht besiedelt. Im Bereich der
Unterstadt wurde während des ersten Weltkrieges der „Tiryns-Schatz“ geborgen,
mit Preziosen des 13. und 12. Jahrhunderts v. Chr, die Verbindungen nach Kreta
nahelegen. Aufgrund der Belegungen der Nekropolen schloss man für das 12. und
11. Jahrhundert auf eine in Höfen organisierte Gesellschaft.
Einen weiteren archäologischen Glücksfall stellt die Entdeckung von Lefkandi
oder Xeropolis auf der Insel Euboia nördlich von Athen dar. Auch hier dauerte
die Besiedlung bis um die Mitte des 11. Jahrhunderts an. Die Fundstelle besitzt
drei aussergewöhnliche Befunde: das Langhaus in Toumba, die doppelte Mauer und
die Nekropolen. Das Langhaus wurde um 950 errichtet, mass ca. 50 x 10 Meter und
war damit der früheste monumentale Bau in Griechenland nach der mykenischen
Palastzeit. Die Westseite endete apsidenartig, der Eingang befand sich im Osten.
Die Längsseiten waren mit einer gedeckten Veranda mit hölzernen Pfeilern
ausgestattet. Im Innern befanden sich das Urnengrab eines Mannes (anhand der
Waffen zuweisbar), der Körper einer Frau und vier Pferdeskelette, die alle
gleichzeitig bestattet wurden. Die reichen Beigaben und die Pferdeskelette
deuten auf ein Mitglied der Elite hin, das gegen 800 v. Chr. verstarb. Die Frau
war vermutlich an Händen und Füssen gefesselt. Neben ihrem Kopf lag ein Messer.
Das lässt den Schluss zu, sie sei seine Frau oder seine Sklavin gewesen und ihm
ins Grab gefolgt, nach einer Sitte, die bereits Homer erwähnt hatte. Nach der
Zerstörung wurde ein Hügel über dem Haus aufgeschüttet und als Nekropole
genutzt.
Die Entwicklung der Religion des vorklassischen Griechenlands wird anhand von
Kleinfunden aus Olympia aufgezeigt. Die Siedlung Elis wurde seit dem 11.
Jahrhundert Ort verschiedener Kulte. In der Brandschicht des so genannten
Pelopions wurden Tausende von kleinen Votivgaben, Tier- und Menschenknochen
sowie Schmuck freigelegt. Vom 12. bis 7. Jahrhundert veränderte sich das
griechische Pantheon und die entsprechenden Kulte und Kultorte grundlegend. An
Kultgeräten haben sich Dreifusskessel, Götterfiguren oder eben die Votivgaben
fassbar, die in Karlsruhe in breiter Auswahl ausgestellt sind.
Die Entwicklung der Keramik in Griechenland wird zwar im Begleitband erläutert,
in der Ausstellung selbst sind die Leitlinien nicht klar ersichtlich – zu gross
ist die Fülle an Material, Formen und Dekor, die je nach Region variieren kann.
Als Schwerpunkt wurde Attika ausgewählt, wohl wegen des reichen Fundmaterials in
Karlsruhe und an den Universitäten Heidelberg und Tübingen.
Als Ausblick werden die Kontakte mit den umliegenden Zivilisationen dargestellt:
Kreta, Zypern und Phönizier. Die Eingliederung dieser Funde in das
museographische Konzept wirkt etwas gesucht und durch die Vorgabe belastet,
möglichst viel Material badischer Sammlungen zu berücksichtigen. Interessant
sind dabei allerdings die Funde und die Bedeutung von Elfenbeintafeln, die die
Präsenz phönizischer Händler oder mindestens die Kontakte mit der Levante
belegen.
Ein Kapitel des Kataloges verdient eine besondere Würdigung: die Interviews mit
den Kuratorinnen und Kuratoren, in denen die Leitgedanken der Ausstellung
dargelegt werden. Hier wird deutlich, welche Überlegungen der Präsentation der
Objekte vorausgehen und wie das Thema visuell aufbereitet wird. Endlich einmal
sieht man die Gesichter derer, die sonst nur sichtbar machen, ohne gesehen zu
werden.
Die Ausstellung bedient vielerlei Bedürfnisse. Einerseits ist es erneut eine
Überblicksausstellung über eine Epoche der klassischen Geschichte, andererseits
soll sie für Schulen geeignet sein und zudem noch neue Forschungsergebnisse
vermitteln. So weit der hohe Anspruch, dem die Ausstellung nur teilweise gerecht
werden kann. Die schwierige Aufgabe, eine schwer vermittelbare Epoche für ein
breites Publikum verständlich darzustellen, wird vorbildlich gelöst. Die Zeit
von 1200 bis 700 wird exemplarisch vorgestellt und eindrücklich mit Funden
dokumentiert. Die Präsentation der Befunde ist allerdings nicht ganz problemlos:
Ganze Fundkomplexe sind nicht zu sehen, sondern nur die schönsten Stücke daraus,
sofern sich diese überhaupt in Karlsruhe befinden. Belegungspläne und
Grabungspläne sind teilweise nur auf der CD-Rom enthalten und nicht einmal im
Katalog abgebildet. Die zielgerichtet auf die Ausstellung hin verfassten
Beiträge im Katalog sind zwar eingängig, enthalten aber wenig Neues. Trotzdem
ist mit der Ausstellung die Neubewertung der Epoche endgültig beim historisch
interessierten Publikum angekommen.
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Zeit der Helden. Die „dunklen
Jahrhunderte“ Griechenlands 1200 – 700 v. Chr. Ausstellung im Badischen
Landesmuseum Karlsruhe, 25.10.2008 – 15.02.2009- Katalog erschienen im Primus
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