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Die Roten Khmer
Artikel vom 17. April 2005
 
Die Geschichte der Roten Khmer oder Khmers Rouges gehört zu den traurigsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts. Pol Pots "Steinzeitkommunisten" übernahmen exakt vor dreissig Jahren, am 17. April 1975, die Macht in Kambodscha. Seine Truppen marschierten damals in der Hauptstadt Phnom Penh ein und verjagten das unpopuläre, von den USA unterstützte Militärregime von General Lon Nol, das bereits zu Beginn der 1970er Jahre die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren hatte. Was auf Pol Pots Sieg folgte, war allerdings keine Befreiung, sondern ein Horrorregime, dem wohl rund 1,5 bis 2 Millionen Kambodschaner - rund jeder vierte Bürger - zum Opfer fielen (einige Quellen gehen gar von über 3 Millionen Toten aus).

Die Hauptstadt Phnom Penh blieb vier Jahre lang, von 1975 bis 1979, praktisch menschenleer. Die gesamte Stadtbevölkerung wurde zur Landarbeit gezwungen. Die dekadenten Städter, insbesondere die Intellektuellen, wurden ermordet, gefoltert, arbeiteten sich zu Tode oder verhungerten auf den "Killing Fields". Ärzte und Krankenhäuser zur Behandlung von Krankheiten gab es nicht mehr. Die Schulen wurden geschlossen, Bücher verbrannt, Geld und Handel abgeschafft, die Religionsausübung verboten.

Der Albtraum fand erst am 7. Januar 1979 ein Ende, als die kommunistischen Vietnamesen in Kambodscha einmarschierten und das Regime der Khmer Rouge beendeten. Es dauerte allerdings noch bis 1998, ehe die militärischen und politischen Strukturen der Roten Khmer endgültig zerschlagen und der Bürgerkrieg beendet waren.

Pol Pot, der am 19. Mai 1928 in der Provinz Kompong Thom als Saloth Sar geborene Sohn eines wohlhabenden Bauern konnte mit Hilfe eines Stipendiums der französischen Kolonialregierung in Paris Elektrotechnik studieren, interessierte sich aber mehr für den Kommunismus. 1956 kehrte er als Lehrer für Französisch und Geografie an eine Privatschule nach Phnom Penh zurück, wo er 1963 Parteisekretär der KP wurde. Als Guerillaführer phantasierte er später von einer kommunistischen Agrargesellschaft, die er als Diktator denn auch radikal in die Tat umsetzte. Er starb erst am 15. April 1998 in Anlong Veng, nahe der thailändischen Grenze. Die Umstände seines Endes sind unklar. Er war zuvor von einem "Volksgericht" zum Tod verurteilt worden, nachdem er sich zuvor jahrelang der Verantwortung vor einem nationalen oder internationalen Gericht zu entziehen vermocht hatte.

Wie Pol Pot, so sind viele Verantwortliche für die Massaker an der eigenen Bevölkerung nicht mehr am Leben. Drei führende Rote Khmer befinden sich noch immer in Freiheit: Der Ex-Staatschef Khieu Samphan, der ehemalige Aussenminister Ieng Sary sowie "Bruder Nummer Zwei", der einstige ZK-Präsident und Chefideologe des Regimes, Nuon Chea. Immerhin zwei Schergen sitzen seit 1999 hinter Gittern, nämlich der als "Schlächter" bekannte Militärchef Chhit Choeun (Ta Mok) sowie der "Duch" genannte oberste Folterer der Regimes, Kaing Khek Iev, der das Hauptgefängnis und Folterzentrum Tuol Sleng in Phnom Penh leitete.

Bereits im Juni 2003 hatte sich die kambodschanische Regierung nach langjährigen Verhandlungen mit den Vereinten Nationen auf die Einsetzung eines Sonderstrafgerichtshofs geeinigt, doch erst am 4. Oktober 2004 wurde diese vom kambodschanischen Parlament ratifiziert. Das Khmer Rouge Tribunal soll nun endlich Licht in dieses dunkle Kapitel der Geschichte bringen. Das Gericht besteht vorwiegend aus Kambodschanern, die Unterstützung von internationalen Experten erhalten. Da UN-Mitgliedstaaten, allen voran Japan, die finanzielle Hauptlast für das Tribunal aufbringen, ist doch zu hoffen, dass innenpolitischer Druck nicht zu einem Scheinprozess führen, sondern alle wunden Punkte aufgearbeitet werden.

Hinzugefügt am 21.7.2006: "Der Schlächter" Ta Mok (*1926) ist heute Freitag in einem Spital in Phnom Penh verstorben. Der Folter-General war seit 1999 in einem Militärgefängnis inhaftiert und wartete auf seinen 2007 beginnenden Prozess vor einem UNO-Sondertribunal. Nun bleibt der 1942 geborene Kang Kek Leu übrig. Der ehemalige Folterzentrum-Leiter zeigt als einziger unter der Führungsriege der Roten Khmer Reue und ist zu Aussagen bereit.



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