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Heilige Römische Reich im Mittelalter
Artikel von Heinrich Speich vom 10 August 2005 Das Reich in Kürze Die Reihe Geschichte kompakt (Herausgeber für den Bereich Mittelalter ist Martin Kintzinger) will Basiswissen für Studierende und Laien vermitteln, in einfacher Form und zu günstigem Preis zu Begriffen und Personen und Ereignisse konzise Erklärungen liefern und dabei den Überblick über Epoche und Strukturen wahren. Diese Vorgaben sind im vorliegenden Werk beispielhaft verwirklicht. In einfacher und umgänglicher Sprache erläutert Malte Prietzel, Privatdozent für mittelalterliche Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. In klarer Gliederung wird dem Leser eine Einführung geboten, die in Aufbau, Sachlichkeit und inhaltlicher Breite ihresgleichen sucht. Das komplexe System des Reichsverbandes, seiner Territorien, Strukturen, Akteure und Probleme, wird auf verständliche Art dargestellt und in aller möglichen Kürze erklärt. Die Kaiser werden von Rudolf I. (1273-1291) bis Friedrich III. (1440-1493) in chronologischer Reihenfolge behandelt. Ihre Biographien sind eingebettet in den größeren Zusammenhang der Struktur- und Ereignisgeschichte des späten Mittelalters. Das Reich bietet dabei Ausgangs- und Zielpunkt der Darstellung Prietzels. Er beginnt mit dem Erbe des hochmittelalterlichen Reichs der Stauferdynastie und der nachfolgenden Krise des Interregnums von 1245 bis 1273, um dabei in Grundbegriffe und Eigenheiten der Reichsgeschichte in Mitteleuropa einzuführen. Ausgewählte Quellen werden kurz zitiert. Neben der chronologisch-biographischen Einteilung ist der Text mit Eigennamen von Ereignissen gegliedert, was eine thematische Kurzsuche erleichtert. Die Regierungszeit der Kaiser sind von charakterisierenden Schlagworten begleitet. So wird die Zeit Rudolfs als Konsolidierung nach der Krise betitelt, Ludwig der Bayer (1314-1347) fügt sich unter den Titel Konfliktreiche Selbstbehauptung und sein Nachfolger Karl IV. unter Hegemoniales Königtum. Regionale Schwerpunkte, Machtergreifung, struktureller Wandel und Ausüben der Regierungsgewalt der einzelnen Herrscher bilden den roten Faden der Darstellung und erlauben es, die Entwicklung des Reichs als Prozess während des Spätmittelalters nachzuvollziehen. Dabei fällt Prietzel weder in den Kanon der Strukturhistoriker ein, nach der die Strukturen politisches Handeln bedingen, noch schreibt er Kaiserbiographien. Er nimmt zwar anhand der Kaiser- und Königsgestalten eine chronologische Binnengliederung des Spätmittelalters vor, hütet sich aber davor, den einzelnen Persönlichkeiten Eigenschaften und Taten zuzuschreiben, die über den ihnen vorgesteckten Horizont hinausgehen würden. Nie verirrt sich der Autor ins Spekulative oder ins interpretatorische Astwerk – ein durchwegs solides und in allen Teilen lesenswertes Werk. Stammtafeln der Habsburger und Luxemburger zeigen die oft komplizierten familiären Beziehungen der beiden Herrschergeschlechter auf. Leider sind die matrilinearen Bindungen nicht enthalten, welche dann im Text erläutert werden müssen. Die reiche und gezielt kommentierte Bibliographie zeigt dem Leser thematische oder biographische Vertiefungsmöglichkeiten auf. Prietzels Buch bildet einen idealen Einstieg in die komplexe Welt des späten Mittelalters, welche sprachlich souverän und inhaltlich mit Leichtigkeit gemeistert werden. Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004. 155 Seiten, broschiert, ISBN 3-534-15131-3 |
![]() Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004. 155 Seiten, broschiert, ISBN 3-534-15131-3 |
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