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Glarner Geschichte in Geschichten
Artikel vom 1. September 2005 von Heinrich Speich
 
´Eine „gefreute Sache“ und ein gewisses Wagnis´, meint der Zürcher Professor Roger Sablonier zurecht im Vorwort zum Werk von Christoph H. Brunner. Das neue ´Lesebuch´ zur Glarner Geschichte bietet seinen Lesern unter den Schwerpunkten ´Außen – Innen´, ´Siedeln – Bauen´, Ausgleichen – Zusammenleben´, ´Wirtschaften – Auskommen´, Denken – Mitteilen´, Ordnen – Schützen´ und ´Innen – Außen´ eine breite Auswahl an Themen der neueren Geschichte des Alpenkantons an.

D
as Glarnerland hatte während der frühen Neuzeit als alter Stand der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine bedeutendere Rolle inne, als es die heutigen bescheidenen Ausmaße des Kantons vermuten lassen könnten. Jeder Themenblock ist in drei Kapitel ´Blickpunkte und Horizonte´, ´Bausteine´, sowie ´Spuren und Zeugnisse´ gegliedert. So kann sich der Leser kurz anhand der Einführungen in ein Thema einlesen oder aber in vielen Einzelartikeln Details über Land und Leute, Freuden und Nöte, Kunst und Kultur des Glarnerlandes zwischen Mittelalter und Moderne erfahren. Die vielen spannenden Artikel stützen sich auf bisher kaum ausgewertete Quellen und Nachrichten und zeigen die vielfältigen Lebenswelten im Glarnerland von damals auf: Darstellungen von Besuchern mischen sich mit den Schilderungen der täglichen Erfahrungen der früheren Bewohner dieses kleinen Alpentales zu spannenden Bildern, die es erlauben, den Atem der Zeit der spüren.

Die Themen im neuen Buch sind breit gestreut und reichen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Besonders interessant ist beispielsweise die Gegenüberstellung von Joachim Bäldi und Aegidius (Gilg) Tschudi, zweier Landammänner aus der Zeit der Kirchenspaltung. Da Huldrych Zwingli bis 1518 in Glarus gewirtkt hatte, schloss sich die Mehrheit der Glarner der Reformation an, während rund ein Drittel der Bevölkerung beim alten Glauben verblieb. Der reformierte Wirt Bäldi und der Gelehrte Tschudi kannten, schätzten und bekämpften sich abwechselnd; nichts Außergewöhnliches im paritätischen Glarus, wo unterschiedlicher Glaube und politische Ansichten stets eng beieinander lagen.

Es werden auch unbequeme Themen beleuchtet, wie beispielsweise der „Fall Feldmann“, bei dem 1935 der junge und beliebte Lehrer Alfred Feldmann an der Stadtschule Glarus aufgrund seiner  politischen Gesinnung aus dem Amt entfernt wurde. Insgesamt wird keine zusammenhängende Darstellung angestrebt, sondern der Leser soll anhand der Artikel Einblicke in die jeweilige Lebenswelt gewinnen, um Hintergründe und Handlungen verstehen zu können.

Zahlreiche große und kleine Abbildungen machen das Buch auch zu einem visuellen Begleiter der Glarner Geschichte. Bisher erschienene Bücher zur Glarner Geschichte, wie beispielsweise diejenigen von Jakob Winteler (1952) und Jörg Davatz (1991) werden durch das neue Werk von Christoph H. Brunner nicht konkurrenziert; im Gegenteil, die Werke ergänzen sich in Inhalt, Darstellung und Aufmachung grundlegend. Ein Buch, das Fachwelt und Interessierten kompetent und zeitgenössisch, in klarem, eingängigem Stil Umwelt, Leben und Persönlichkeit der Talbewohner vergangener Zeiten, ihre Empfindungen, Sorgen und Leistungen näher bringt.

Christoph H. Brunner: Glarner Geschichte in Geschichten. Baeschlin, Glarus 2004. 572 Seiten, durchgehend farbig bebildert; gebunden. ISBN 3855461554. Buch bestellen bei Amazon.de.




Christoph H. Brunner: Glarner Geschichte in Geschichten. Baeschlin, Glarus 2004. 572 Seiten, durchgehend farbig bebildert; gebunden. ISBN 3855461554. Buch bestellen bei Amazon.de.

 

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