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Geld im Mittelalter
Artikel vom 14. März 2006 von Nicole Schacher
 
Klaus Grubmüller/ Markus Stock (Hg.): Geld im Mittelalter. Wahrnehmung – Bewertung - Symbolik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005. 246 Seiten, € 59.90, ISBN 3-534-18453-X.  Buch bestellen bei Amazon.de.

Das Thema „Geld im Mittelalter“ wurde von der mediävistischen Forschung vor allem unter wirtschaftgeschichtlichen und finanztechnischen Fragen untersucht. Kulturhistorische Fragestellungen spielten eine untergeordnete Rolle. Das von Klaus Grubmüller und Markus Stock herausgegebene Buch „Geld im Mittelalter. Wahrnehmung - Bewertung - Symbolik“ versucht eine Gesamtschau des Themas und setzt seinen Schwerpunkt auf kunst- und kulturhistorische Fragen. Das Buch vereint zehn Beiträge aus den Bereichen der Numismatik, der Geschichtswissenschaft, der Sprach- und Literaturwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Philosophiegeschichte. Die Beiträge gehen auf die Vorträge der Tagung des Mittelalterlichen Arbeitskreises der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel aus dem Jahre 2001 zurück. Ergänzend wurden die Aufsätze von Roberto Lambertini und von Markus Stock aufgenommen.

Das Buch beginnt mit dem Beitrag von Klaus Grubmüller, Geld im Mittelalter: Kulturhistorische Perspektiven (S. 9-17). Er gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte und Forschungstendenzen zum Thema „Geld im Mittelalter“ sowie eine kurze Übersicht der Buch-Beiträge (Beitrag von Lambertini bleibt unberücksichtigt). Der Beitrag von Bernd Kluge, Geld im Mittelalter – Numismatische Einführung (S. 18-33) führt in die Entwicklung der europäischen Münzen im Mittelalter ein. Er zeigt auf, das die mittelalterliche Münzentwicklung sowohl Reflexion der wirtschaftlichen Entwicklung als auch einer allmählichen „Monetarisierung“ der Gesellschaft war. Der Aufsatz von Markus Stock, Von der Vergeltung zur Münze: Zur mittelalterlichen Vorgeschichte des Wortes Geld (S. 34-51) stellt aufgrund der schlechten Forschungslage zur historischen Semantik vom Mittelhochdeutschen gelt eine erste Standortbestimmung dar. Gelt bedeutete ganz allgemein eine Leistung zur Schuldbegleichung oder eine Gegenleistung, die zunächst nicht in Form von Münzgeld erbracht werden musste. Ab dem 12. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung von gelt im Sinne von Schuldausgleich zu gelt im Sinne von Zahlungsmittel/ Münzgeld. Wohl erst im 15. Jahrhundert setzte sich diese Bedeutungsverengung voll durch. Peter Schmidt, Mittelalterliche Münzen und Herrscherporträt. Probleme der Bildnisforschung (S. 52-90) analysiert anhand von zwei Beispielen, die Goldaugustalen Friedrichs II. und die Bildnisdenare Karls des Grossen, die Herrscherporträts auf mittelalterlichen Münzen. Er fragt nach der Art der Konstruktion und der Kommunikation von Aussagen über den Dargestellten auf Münzen. Diese Fragen wurden bis jetzt von der Kunstwissenschaft des Mittelalters gering geschätzt. Hermann Kamp, Gutes und böses Geld. Die Anfänge der Geldwirtschaft und der „Gabentausch“ im hohen Mittelalter (S. 91-112, Neubearbeitung eines Aufsatzes aus den Frühmittelalterlichen Studien 35 (2001) untersucht in seinem Beitrag die Monetarisierung der Politik. Geldzahlungen, die einem guten Zweck dienten, waren innerhalb der Führungsschichten grundsätzlich akzeptiert. Hingegen waren „korrupte“ Zahlungen verwerflich, d.h. eher die durch die Zahlung bewirkte Tat. Da aber die verfolgte Absicht der Geldzahlungen nur begrenzt erkennbar war, blieben die Geldzahlungen ambivalent. Sie wurden sogar unter Verdacht gestellt, die moralische wie soziale Ordnung latent zu bedrohen. Knut Görich, Geld und Ehre: Friedrich Barbarossa (S. 113-134) stellt den Umgang mit Geld am Hof Barbarossas anhand von vier Fallgruppen vor. Sein Beitrag wiederholt bereits an anderer Stelle veröffentlichte Thesen. Ulrich Rehm, Avarus non implebitur pecunia. Geldgier in Bildern des Mittelalters (S. 135-181) gibt eine Einführung in die Darstellungen der Geld- und Habgier (avaritia). Diese Darstellungen bestätigten und festigten das mittelalterliche Sozialsystem: Jeder Einzelne sollte seinen Überfluss bereitwillig an Bedürftige abgegeben. Die avaritia wurde meistens personifiziert und mit Münzen als Attribut dargestellt. Seit dem 12. Jahrhundert, d.h. mit der allmählichen Monetarisierung der Gesellschaft, wurden die avaritia-Darstellungen in grösserem Umfang Bildthema. Dieter Kartschoke, Regina pecunia, dominus nummus, her phennic. Geld und Satire oder die Macht der Tradition (S. 182-203) stellt zwei getrennt nebeneinander herlaufende mittelalterliche Gelddiskurse in der Literatur vor. Einerseits wird etwa wertungsfrei darüber berichtet, wie Geld funktioniert. Andererseits wurde das Geld negativ bewertet und sein nur instrumenteller Charakter in Frage gestellt. In der allegorischen Figur des „Herrn Pfennig“ war das Geld zugleich eine konkrete Erscheinung und eine abstrakte gesellschaftliche Macht, die zum Beispiel alle menschlichen Verhältnisse verkehren und neu bestimmen konnte. Paul Gerhard Schmidt, Nummus vincit, regnat, imperat. Caesarius von Heisterbach über zisterzienische avaritia (S. 204-215) stellt in seinem Beitrag den Zisterzienser Caesarius von Heisterbach vor, der in den 1220er Jahren im 4. Buch seines Dialogus miraculorum über die avaritia in seinem Orden schrieb. In Form eines Dialoges zwischen einem Novizen und seinem Magister kämpft Caesarius für die Rückbesinnung seines Ordens auf die Prinzipien der Gründungsjahre und für den richtigen Umgang der Zisterzienser mit dem Geld. Roberto Lambertini, Das Geld und sein Gebrauch. Pecunia im Streit zwischen Michael von Cesena und Papst Johannes XXII. (S. 216-243) analysiert im letzten Beitrag des Buches die verschiedenen Interpretation des Gleichnisses von den Pfunden (Lukas 19, 11-27), das bei der Debatte um die franziskanische Armutstheorie eine Rolle spielte. Er geht dabei ausführlicher auf die divergierenden Positionen innerhalb der michaelitischen Hauptprotagonisten ein.

Das von Grubmüller und Stock herausgegebene Buch vereint zehn spannende Aufsätze, die allen zur Lektüre empfohlen werden, die sich für kulturhistorische Fragestellungen rund um das Thema „Geld im Mittelalter“ interessieren. Das Buch gibt einen breiten Einblick in die vielschichtigen Aspekte der kulturgeschichtlichen Geld-Forschung. Der positive Gesamteindruck des Buches wird sowohl durch den hohen Kaufpreis und als auch durch die mangelnde Qualität der Schwarzweiß-Abbildungen getrübt.

Grübmüller/Stock: Geld im Mittelalter, 2005. Buch bestellen bei Amazon.de.


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