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Polens Weg seit dem Fall der Mauer
Das Buch Polens Weg von Piotr Buras und Henning Tewes
Artikel vom 1. Juni 2006
 
Substanzielle Bücher zur jüngsten Geschichte europäischer Nachbarn sind Mangelware. Ein polnischer und ein deutscher Politologe, Piotr Buras und Henning Tewes, haben mit Polens Weg eine fundierte und dennoch konzise Analyse zur Entwicklung Polens seit dem Zusammenbruch des Kommunismus vorgelegt.
 
Nehmen wir einige äussere Mängel vorweg: Das Buch kam zwar erst nach den Wahlen vom Herbst 2005 in den Handel, doch leider hatten die Autoren das Manuskript bereits im vorangegangen Juli abgeschlossen. Zudem fehlen ein Index wie auch eine Bibliographie. Eine Landkarte sucht man ebenfalls vergeblich. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Buras und Tewes orientieren den Leser kompetent über die Vorgeschichte zur aktuellen politischen Situation Polens, wobei einige Exkurse weit in die Vergangenheit reichen, um die Gegenwart zu erhellen.
 
Polen hatte eine hervorragende Ausgangslage, weil es als erstes Land des Warschauer Paktes im Februar 1989 mit dem Wandel begann. Finanzminister Leszek Balcerowicz zog später innert kürzester Zeit radikale Reformen durch. Dennoch war Polen im Oktober 1991 das letzte ehemalige Ostblockland, das freie Parlamentswahlen abhielt. Nicht zuletzt wegen Kompromissen am runden Tisch blieb ein radikaler Bruch mit dem Kommunismus und ihren Repräsentanten aus. Später fiel das Land auch wirtschaftlich immer weiter hinter die Nachbarstaaten zurück.
 
Buras und Tewes liefern eine nichts beschönigende Analyse der postkommunistischen Ära. Nicht nur die Verdienste als Gewerkschaftsführer, sondern auch seine Unstetigkeit später als Präsident, sein Intrigantentum und seine Unfähigkeit zu lernen werden herausgearbeitet. Polens Weg beleuchtet den Zerfall von Solidarnosc ebenso wie die frühen politischen Jahre der heute am Ruder stehenden Brüder Kaczynski. Die Affären und die Korruption unter den Postkommunisten, die sich rasch mit der neuen Ordnung anfreundeten und tapfer zum heute miserablen Image des Wirtschaftsliberalismus beitrugen, kommen nicht zu kurz.
 
Vor allem ab 2001 erhielten daher populistische Gegenkräfte starken Aufwind. Nicht mehr im Buch dargestellt wird der Wahlsieg von "Recht und Gerechtigkeit", doch wird dieser durch die Lektüre verständlich, ebenso wie der Auftrieb für radikale Anti-System-Parteien wie Samoobrona und die katholisch-nationalistische Liga der polnischen Familien.
 
Die Autoren warnen nachdrücklich vor der Umsetzung der von den Brüdern Kaczynski propagierten vierten Republik. Tatsächlich liefert das Programm - die beabsichtigte radikale Abrechnung mit dem Kommunismus, die Säuberung von Verwaltung, Geheimdiensten, Polizei und Gerichten, die befürwortete soziale Umverteilung durch einen starken Staat, dessen Institutionen grundlegend umgebaut werden sollen, die Förderung katholischer Werte, Nationalismus und stärkere Medienaufsicht - keine Antworten auf zentrale Herausforderungen wie Wachstum, gesellschaftlichen Wandel und die Stellung Polens in der EU. Die Autoren empfehlen Irland als Beispiel, wie ein Aufholprozess gestaltet werden kann, ohne in Details zu gehen.
 
Buras und Tewes verzichten leider auf einen Vergleich mit anderen, erfolgreicheren osteuropäischen Transformationsländern wie Estland und Tschechien, liefern jedoch nützliche Hintergrundinformationen zum Verständnis des heutigen Polen und zeichnen insbesondere die atemberaubende Entwicklung der Parteienlandschaft seit 1989 verständlich nach, weshalb Polens Weg dennoch wärmstens empfohlen werden kann.

Piotr Buras/Henning Tewes: Polens Weg. Von der Wende bis zum EU-Beitritt. Hohenheim Verlag, Stuttgart, Leipzig, 2005, 277 S. Bestellen bei Amazon.de.




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