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Herbert Schmidt-Kaspar: „Kaiser,
König, Edelmann“. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Ein Streifzug
durch 1000 Jahre.
Deutscher Taschenbuch
Verlag, München 2006. 340 Seiten, 21 farbige Abbildungen, 2 Karten, Zeittafel.
ISBN 3-423-24552-2. Buch bestellen bei
Amazon.de.
Artikel von Heinrich Speich vom 2. Oktober 2006
Unterhaltsame
Geschichte – das ist, was Herbert Schmidt-Kaspar seinen Lesern zur Geschichte
des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bieten möchte: eine süffige,
anekdotenreiche Erzählung, so wie es englischsprachige Historiker seit
Jahrzehnten erfolgreich betreiben.
Der Ansatz „gut
lesbarer Geschichte“ führt in der Praxis öfters zu unkorrekten Vereinfachungen
und Anbiederungen mit der traditionellen Historiographie. Dieser latenten Gefahr
entkommt Schmidt-Kaspar weitgehend, indem er die Leitlinien der Reichsgeschichte
chronologisch stark gerafft einflechtet. Die einzelnen Kapitel tragen banale
Titel wie „Das Reich – was war das“ oder „Der Kaiser und der Mönch“ (Karl V. /
Luther) und ebenso erscheint der Inhalt auf den ersten Blick. Den Reiz der
Darstellung macht der witzige, episodenhafte Erzählstil aus, der den Kaisern als
Hauptprotagonisten viel Raum lässt. Schmidt-Kaspar erklärt wie nebenher in
verständlicher Sprache die zentralen Begriff der Mediaevistik und vermittelt
ohne den Eindruck von Simplifizierung die Grundlagen mitteleuropäischer
Geschichte. Dass dabei auch wichtige Bereiche ganz ausgeblendet werden müssen,
wirkt nicht weiter störend.
Irritierend sind die
häufigen Klammerbemerkungen, welche auf Relikte des Reiches und des Autors
persönliche Ansichten hinweisen möchten. So bemerkt Schmidt-Kaspar im Hinblick
auf die Deutschen und ihre Mundarten, dass „man sich dann manchmal wünschte, sie
hätten ihn (den Mund) in Gottes Namen zugelassen“. Es gibt aber auch wirklich
erhellende Passagen im Buch, beispielsweise das beinahe brillante Kapitel 18
„Reform, Reformation, Revolution?“, wo es um Konstanten und Wandel zwischen
Mittelalter und Neuzeit geht.
Die Kapitel sind meist
sehr geschickt miteinander verknüpft, so zum Beispiel im Bogen, der über die
drei Kapitel 8-10 von Friedrich I. Barbarossa über den Einschub normannischer
Expansion zu Friedrich II. geschlagen wird. Damit entsteht eine
zusammenhängende, in sich schlüssige und spannende Geschichtsschreibung.
Interessant auch die
Beschreibung des Reiches im 17./18. Jahrhundert und dessen spätere Betrachtung:
Hier fließen spürbar aktuelle Bewertungen des Reiches als Friedensträger und
Rechtsgarant mit ein, die in der früheren kleindeutschen Historiographie bewusst
vernachlässigt worden waren.
Insgesamt ist das
überschaubare Werk von Herbert Schmidt-Kaspar eine ausgezeichnet komponierte,
aber recht vorlaute Darstellung des Reiches. Das Buch ist allerdings ein
geeignetes Appetithäppchen zur Einführung in die doch sehr komplexen Abläufe und
Strukturen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Mittelalter und
Neuzeit.
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