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Krieg im Mittelalter
Malte Prietzel: Krieg im Mittelalter. Primus Verlag, 2006, 2008 Seiten, durchgehend farbig. ISBN 389678577X. Buch bestellen bei oder Citydisc Schweiz.
Artikel vom 19. Oktober 2006 von Heinrich Speich

Ritter, Rüstungen, Schwerter und Burgen
Das könnte die erschöpfende Zusammenfassung eines Buches zum Krieg im Mittelalter sein. Die feinfühlige Darstellung des Berliner Professors Malte Prietzel geht aber weiter als nur bis zu diesen Klischees und zeigt den Krieg als Spiegel mittelalterlicher Gesellschaft in Westeuropa.

Prietzels setzt bei der Heeresorganisation und Ausrüstung der Heere vom 8.-11. Jahrhundert ein. Er erläutert, wieso für diesen Band hier das Mittelalter einsetzt. Er nutzt als Auftakt die klassischen Komponenten einer militärhistorischen Abhandlung: Zusammensetzung der Heere, Bewaffnung und Wehrverfassung.

Im folgenden Kapitel „Kriegshandwerk und Kriegerethos“ werden weitere zentrale Begriffe des Krieges eingehend erläutert, so Vorbereitung eines Feldzuges, die Logistik, Strategie und Taktik. Daneben werden spezifisch mittelalterliche Faktoren wie Beutemachen, Ruhm und Ehre, Zweikämpfe, Feindbilder und Helden im Kontext betrachtet und allgemeine Begriffe wie Ritter, Ruhm oder die Burgentypen präzise definiert.

Prietzels Fachkompetenz zeigt sich im Folgenden insbesondere in der geschickten Einbettung von Gewalt und Krieg in die Mentalitätsgeschichte der Epoche. Ohne die mittelalterliche Gesellschaft zu verherrlichen oder herabzuwürdigen ordnet er gesellschaftliche Voraussetzungen und kriegerische Handlungen in den Rahmen der Geschichte ein und verbindet so traditionelle Militärhistorie mit moderner histoire totale. Dies tritt insbesondere im Kapitel „Bewertungen und Erinnerungen“ zutage. Hier zeigt er mit durchdringendem Blick auf die Kriegschronistik, wie die Menschen den Krieg erlebt, verarbeitet und tradiert haben und dass jede auch noch so nüchtere Überlieferung propagandistisch aufgeladen ist. Die Fakten werden je nach Bedarf  verschwiegen, beschönigt oder übertrieben. Die gemeinsame Form des Gedenkens kann sogar einigende Funktion haben, wie Prietzel am Beispiel der Eidgenossen eindrücklich belegt.

Sorgfältige, Beobachtungen zu Themen wie „Maßstäbe für den Sieg“, Helden, Belagerungen, Scharmützel, Fahnen und Wappen, Kapitulation etc. bilden die Essenz des Buches und heben es aus der langen Reihe von Schlachtenbeschreibungen heraus. Die zahlreichen, teils großformatigen Illustrationen sind von Kurzbeschreibungen begleitet, die den Leser auf die relevanten Details aufmerksam machen.

Anhand des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England wird erläutert, wie bestimmend die Kriegsführung die Ausformung der modernen Nationalstaaten im Westen Europas beeinflusst hat. Der hohe Finanzbedarf für stehende Heere, Söldnerwesen und Artillerie, Kavallerie und Offizierswesen wiesen am Ende des Mittelalters den Weg in die Neuzeit mit neuen Herausforderungen, Schlachten und Kriegen in noch viel fürchterlicheren Ausmaßen.

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