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Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten
Pharaonen, Inzest und Arbeiterstreiks am Nil
Buchkritik von Heinrich Speich vom 1. Dezember 2006
 
Alter Wein in neuen Schläuchen? Der neue Band bei C. H. Beck birgt wenig Neues – dafür viel Bekanntes und manche literarischen Kostbarkeiten der ägyptischen Antike.

Großformatige Hochglanzbilder von Pyramiden und Mumien und sind im Werk von Hermann A. Schlögl nicht zu finden. Der Leser wird stattdessen Schritt für Schritt in die antike Kultur Ägyptens eingeführt und erhält ein umfassendes Bild von Kulturgeschichte und Archäologie der Epoche.

Zum Auftakt erweist Schlögl dem Gott Hapi seine Referenz: ohne Nil wäre Ägypten Nichts. Hapi ist die personifizierte jährliche Nilüberschwemmung, die das Land fruchtbar erhält. Der Nil ist Gott, Wasserspender, Verkehrsader und Kalender.

Bevor der Autor aus der langen Geschichte Ägyptens und ihren weit in die jüngere Steinzeit zurückreichenden Wurzeln zu erzählen beginnt, hält er inne und betrachtet die Geschichte der Ägyptologie. Bereits in früheren Jahrhunderten wurde das Kunst- und Kulturschaffen des Niltales geschätzt und erforscht. Die Hieroglyphen-Schrift, welche die Ägypter als Erste systematisch anwendeten, ist dabei die zentrale Kulturtechnik. Die Chronologie im Buch folgt der klassischen Einteilung der ägyptischen Reiche in 32 Dynastien. Der Priester Manetho erstellte sie im Jahre 280 v. Chr. für König Ptolemaios II.

Dann folgen in heiliger Siebenzahl die Kapitel zur chronologisch gegliederten Geschichte: Erste Städte und Dynastien, Das Alte-, Mittlere- und das Neue Reich sowie die Spätzeit werden Schritt für Schritt vorgestellt, kaum ein Pharao wird ausgelassen. Religion und Totenkult, Architektur und Kunsthandwerk, Literatur, Medizin und Musik werden geschickt in die Kapitel eingeflochten, wenn auch die politische Entwicklung der „Beiden Länder“ Unter- und Oberägypten klar den Leitfaden der Darstellung bildet. Schlögl legt dabei den Schwerpunkt auf die Kontinuität der Entwicklung, Brüche werden sorgfältig herausgearbeitet, so beispielsweise die monotheistische Episode unter Echnaton, mit ihren Auswirkungen auf Kult und Kunst.

Der Autor füllt den Graben von bis zu 5000 Jahren Distanz, indem er den Text durch zahlreiche Zitate vertieft, die auf Papyrus oder als epigraphische Quellen erhalten sind. Dabei kommt die tiefe Vertrautheit des Autors mit Sprache, Literatur und Dichtung Ägyptens zur Geltung. Als wunderschönes Beispiel hierzu dürfen die „Sprüche der großen Herzensfreude“ angeführt werden, ein Wechselgesang, in welchem Liebe als Krankheit beschrieben wird, die nicht geheilt werden kann.

Die Facetten ägyptischer Kultur beschreibt Schlögl anhand von Beispielen: Tod und  Begräbnis wird für Sethos I. ausführlich geschildert, das Alltagsleben anhand der reichen Quellen zur Handwerkersiedlung Deir el-Medineh erläutert.

Wie man vom renommierten C. H. Beck-Verlag erwarten darf, ist der Band sehr sorgfältig redigiert und papyrusgleich qualitätvoll eingebunden. Einzigartig ist das historische Bildmaterial, das Farbaufnahmen als überflüssigen Luxus deklassiert. Die Graphiken zur Umgebung von Memphis und Theben sind übersichtlich und hilfreich. Das Werk ist mit einem überreichen Anhang versehen, wobei fast hundert Seiten Bibliographie den bemerkenswert aktuellen Forschungsüberblick darstellen. Neben dem Sachregister werden Götter, Personen und Orte separat aufgelistet – weshalb? Die Darstellung kulminiert auf den Einmarsch Octavians in Ägypten hin und endet derart abrupt, dass der Rezensent zuerst an einen Druckfehler glaubte. Zu schön, um wegen ein paar Römern am Ende angelangt zu sein.

Hermann A. S
chlögl: Das alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. C. H. Beck Verlag, München, 2006, 512 Seiten, zahlreiche Abbildungen in s/w. Buch bestellen bei Amazon.de.

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Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. C. H. Beck Verlag, München, 2006, 512 Seiten, zahlreiche Abbildungen in s/w. Buch bestellen bei Amazon.de.

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