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Erinnerungsorte der Antike – Die römische Welt
Elke Stein-Hölkeskamp, Karl-Joachim Hölkeskamp, Hrsg. C.H. Beck Verlag, München, 2006. 797 Seiten, 117 Abbildungen in s/w, in Leinen gebunden. Bestellen bei Amazon.de.

Artikel vom 8. Januar 2007 von Heinrich Speich

Nach Frankreich und Deutschland wird nun auch die römische Antike mit einem Band von Essays zu ‚Erinnerungsorten’ bedacht. Leserinnen und Leser halten keineswegs eine neue Sicht zur Geschichte Roms in Händen, sondern vielmehr eine gelungene „Geschichte der Erinnerung an Rom“. In 38 Beiträgen werden zentrale Themen zwischen Romulus und der Repräsentation der Antike im  Faschismus behandelt.

Vorwort und Einleitung liefern die notwendigen methodischen und stilistischen Erläuterungen zum Buch: Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Rezeptionsgeschichte des beschriebenen Gegenstandes. In einer Mischung aus historischer und essayistischer Methode gelingt es den Autoren zumeist, Geschichtswissen zur Antike zu vermitteln und gleichzeitig die teils komplexe Wirkungsgeschichte zu erzählen. So entsteht ein faszinierender Teppich einer vielschichtigen ‚Erinnerungslandschaft’ des Alten Rom.  Dabei werden altbekannte Fakten, neue Erkenntnisse und Methoden gekonnt zu einer stimmigen Gesamtschau verwoben.

Besonders erhellend wirken diejenigen Teile der Beiträge, in welchen der Umgang der Römer mit ihrer eigenen Geschichte dargestellt wird. Hier wird deutlich, dass seit dem Mittelalter die Sichtweise römischer Historiker oft unreflektiert fortgewirkt hat und diese Quellen zu gerne als harte Fakten interpretiert worden sind. Die Konstruktion der eigenen Frühgeschichte des 8.-5. Jahrhunderts beispielsweise stellt sich bei näherer Betrachtung als Rückprojektion des 4.-1. Jahrhunderts dar und die Faktenlage ist für die mythische Königszeit trotz aller methodischer Fortschritte der vergangenen zwei Jahrhunderte sehr dürftig.

Mit der Präsentation von Erinnerungs-Orten im engeren Sinn bietet der Band einige mentalitätsgeschichtliche Höhepunkte, indem urbane Architektur oder Sozialstruktur in einer kollektiven ‚Erinnerungstopographie’ oder einer mental map einzelner Personen nachgezeichnet werden, so zum Beispiel die Wirkung (verfallender) Monumentalarchitektur auf Kaiser des 4. und 5. Jahrhunderts. Rom ist bereits in der Antike ein Erinnerungsort seiner langen Geschichte.

Wie vielseitig und nachhaltig die römische Welt ihre nachfolgenden Epochen beeinflusst hat, wird durch diesen Band eindrücklich deutlich gemacht. Dass mit nur 38 Essays nicht die ganze Breite römischer Antike abgedeckt werden kann, leuchtet ein. Die langfristigen Auswirkungen auf den Mittelmeerraum und die Provinzen des römischen Reiches treten zugunsten einer stadtrömischen bzw. transalpinen Sichtweise zurück. Die hauptsächlich deutschsprachigen Autoren schreiben in erster Linie für ihr Publikum eigener Zunge.

Im vorliegenden Band liegt eine essayistische Umschreibung dessen vor, was Rom für unsere Kultur ausmacht. Wiederum haben es die Autoren und der Verlag verstanden, die erfolgsverwöhnte Textgattung der Erinnerungsorte auf eine weitere Disziplin der Geschichtswissenschaft auszudehnen.






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