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Der Alte Orient von Astrid Nunn
Artikel vom 6. Juli 2012 von Heinrich Speich; Detail 208 Seiten aufdatiert am 9.7.2012

Astrid Nunn: Der Alte Orient. Geschichte und Archäologie. 208 Seiten, durchgehend farbig, Theiss Verlag, Stuttgart 2011. ISBN: 978-3-8062-2560-0. Buch bestellen bei Amazon.de. - Weitere Bücher zum Alten Orient bei Amazon.de.

Die ganze Breite des Lebens über etwa 10‘000 Jahre darzustellen, stellt eine Herkulesaufgabe dar. Astrid Nunn, Professorin für Vorderasiatische Archäologie in Würzburg, stellt sich der Herausforderung. Von den menschlichen Grundbedürfnissen ausgehend schildert die Autorin die Entwicklung der Kultur im Nahen Osten vom Beginn der Sesshaftigkeit bis etwa zur Zeitenwende.

Der Einstieg ist klassisch: Astrid Nunn bietet einen Überblick über Forschungs- und Grabungsgeschichte des Vorderen Orients. Bei der angestrebten Breite, dem geographischen Rahmen und der langen Dauer ihres Untersuchungsgegenstandes muss ihre Auswahl allerdings exemplarisch ausfallen. Sie dokumentiert das Interesse westlicher Forschung anhand einiger Meilensteine: Forschungsreisen des 18. und 19. Jahrhundert und ihre Entdeckungen, den Wettlauf von Nationen und Museen um die spektakulären Funde, die Entzifferung der Keilschrift, die Beziehungen des Zweistromlandes zu biblischen Texten und die moderne akademische Auseinandersetzung mit der Thematik.

Der geographische Rahmen wird recht weit gesteckt: Der ganze fruchtbare  Halbmond vom heutigen Israel über den Libanon, Syrien, das Taurusgebirge in der Türkei bis zum Zagrosgebirge in Iran sollen behandelt werden. Einschränkend wird aber bemerkt, dass die Darstellung auf das Zweistromland fokussiert. Das ist insbesondere bei der Darstellung der „politischen“ Geschichte, der verwirrenden Abfolge von Königreichen im Zweistromland, hilfreich und notwendig, blendet aber Sonderentwicklungen im Nordwesten und im Osten der Zone beinahe ganz aus.

Die restlichen Kapitel „Land, Städte und Städteplanung“, „Architektur“, „Religion und Tempel“, „Ausbildung und Arbeit“, „Bilder und Kunst“, „Alltag und Familie“ sowie „Lebensgefühl im Alten Orient“ bieten einen thematischen Einstieg für vertiefende Studien und belegen Forschungsinteressen und Grabungserfolge. Der Versuch einer sozialhistorischen Zugangsweise wird aber durch die disparate Quellenlage beinahe verunmöglicht. Die Darstellung gleitet hier stellenweise ins Banale ab, weil mit der langen Untersuchungsdauer und dem weiten anvisierten Kulturspektrum kaum noch präzise Aussagen gemacht werden können. Das trifft insbesondere auf das Kapitel „Bilder und Kunst“ zu. Dagegen ist die funktionale Aufschlüsselung der Architektur in diachroner Perspektive sehr hilfreich und durch zahlreiche Pläne verdeutlicht. Das Kapitel „Religion und Tempel“ ist hingegen sehr gelungen, die allgemeine Einführung zum Thema erleichtert das Verständnis von Götterwelt und Kultwesen. Der Versuch, in den Kapiteln „Alltag und Familie“ und „Lebensgefühl im Alten Orient“ die Lebensumwelt der Menschen zu schildern, muss in diesem Fall leider als gescheitert eingestuft werden. So ist es beispielsweise wenig hilfreich zu erfahren, dass „das Leben einer durchschnittlichen altorientalischen Frau sich zwischen Respekt und Unterdrückung bewegte. Sie war nie völlig entmachtet und besass einen Freiraum, in dessen Rahmen sie sich, falls energisch genug und intelligent, behaupten konnte“. Hier ist die Spanne zu weit, um präzise und gültige Aussagen machen zu können; solche Binsenwahrheiten verärgern interessierte Leser – Fachleute wie Laien – mehr als sie ihnen nützen.

Eine Zusammenfassung der Entwicklungen oder ein Vergleich mit anderen vorantiken Kulturkreisen wird nicht angeboten. Praktisch sind die am Ende des Bandes angebotenen chronologischen Übersichtstabellen für den regionalen Abgleich sowie eine Karte, auf der die behandelten Fundstellen diachron eingezeichnet sind.

Das Werk von Astrid Nunn bietet zahlreiche Informationen, Ideen und Themen für einen schnellen Überblick über den Alten Orient. Wer sich für Interaktionen der einzelnen Kulturen oder spezifische Fragestellungen interessiert, wird dem Band wenig Neues abgewinnen können.

Astrid Nunn: Der Alte Orient. Geschichte und Archäologie. 208 Seiten, durchgehend farbig, Theiss Verlag, Stuttgart 2011. ISBN: 978-3-8062-2560-0. Buch bestellen bei Amazon.de. - Weitere Bücher zum Alten Orient bei Amazon.de. - Kindle eReader Geräte und Kindle eBooks sowie alle Aktionen bei Amazon.de.


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