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Stationen europäischer Geschichte
Rezension vom 5. Oktober 2011 von Heinrich Speich

Volker Reinhardt, Hans-Joachim Schmidt und Michael Sommer: Stationen europäischer Geschichte. Was Kunstwerke erzählen. Herausgegeben mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte und Kultur, 128 Seiten, durchgehend farbig, Theiss Verlag Stuttgart 2009. Buch bestellen bei Amazon.de.

Seit Jahren bieten die sorgfältig edierten Beihefte zu DAMALS historisch fundiertes Wissen auf knappem Raum. Auch dieses Mal enttäuschen die drei Autoren das interessierte Publikum nicht. Die „Meilensteine“, die sie vorstellen sind gut ausgewählt.

Michael Sommer beschreibt  die Kapitolinische Wölfin als Muttertier der Römer, die Athener Akropolis als Monument der attischen Demokratie, die Nike von Samothrake zur Sieghaftigkeit als politisches Programm, die Ara Pacis und die Augustusstatue von Prima Porta als kunstvolle Selbstdarstellung des ersten römischen Kaisers und die Hagia Sophia in Konstantinopel als eine Kathedrale für das neue Rom. Sein Thema wie auch seine Auswahl sind klassisch. Eine Ausnahme davon stellt nur die Vorstellung der Kaiserportraits des Augustus dar, die in der neueren Forschung als Archetypen der politischen Propagandamaschinerie gelten und mehr wegen ihrer politischen Aussagen als wegen ihrer künstlerischen Ausgestaltung aussergewöhnlich sind. In den einzelnen Artikeln bettet Sommer die Faktengeschichte geschickt in die flüssige Erklärung der ausgewählten Kunstwerke ein und verleiht ihnen dadurch Sinn.

Hans-Joachim Schmidt geht ähnlich vor. Er stellt das Mittelalter anhand von fünf  „grossen“ Themen vor und wählt dazu Kunstwerke und Protagonisten aus: Die Pfalz in Aachen zur Inszenierung von Herrschaft Karls des Grossen, Die Sainte-Chapelle in Paris zur Aura des vortrefflichen Herrschers (Ludwig des Heiligen), Die römische Kirche Quattro Coronati zum Streit um den Vorrang zwischen Kaiser und Papst, Die Fresken von Giotto in der Kirche San Francesco in Assisi zum Beginn einer neuen Epoche sowie die Ebstorfer Weltkarte als Abbild des Wissens von der Welt.

Die Neuzeit wird von Volker Reinhardt präsentiert. Er geht umgekehrt vor: Eine  Persönlichkeit wird ins Zentrum der Darstellung gestellt und an einem Kunstwerk der Zeit wird das Leben des Protagonisten geschildert. Unter dem Titel Die Stadt des Papstes zeigt er am Beispiel von Pienza, und seines Gründers und Entwerfers Papst Pius II. (1459) die Hintergründe des Papsttums und dessen Möglichkeiten und Zwängen. Seine Darstellungen orientieren sich anders als bei Sommer und Schmidt an Person und Umfeld, die in den Kunstwerken ihren Ausdruck finden. Interessanterweise blendet Reinhardt die landläufig bekannten Beispiele aus und betrachtet die Epoche anhand bedeutender, aber nicht herausragender Kunstwerke. Die Konfessionalisierung als Leitbegriff der Epoche findet in Giorgio Vasaris Fresken zur „Ausrottung der Ketzer in Frankreich“ Ausdruck, wie das Triptychon in der vatikanischen Sala Regia genannt wird. Es zeigt die Bartholomäusnacht mit dem Massaker an den Hugenotten. Reinhardt schildert anhand der Darstellungen von Gaspard de Coligny und Henry de Navarre die gegensätzlichen Pole aus der Sicht des florentinischen Künstlers am päpstlichen Hof und die zeitgenössisch parteiische Wahrnehmung der Ereignisse, nicht ohne subtile Hinweise auf die Gegenwart.

Absolutismus in seiner schönsten Form präsentiert Reinhardt mit Peter Paul Rubens' Geschichte der Maria de' Medici und dem Schloss Belvedere des Prinz Eugen von Savoyen. Die beiden Beispiele zeigen, mit welchen Mitteln Selbst- und Fremddarstellung des Adels betrieben wurde. Zum Abschluss erläutert Reinhardt das Titelbild des Bandes, „Tod des Marat“ des französischen Revolutionsmalers Jacques-Louis David in seiner Bedeutung als Ikone der Revolution und der gewandelten Wahrnehmung des Bürgertums.

Auf den wenigen Seiten wird dem Leser sehr viel geboten: Geschichte zum Anschauen und Kunstwerke zum Nach- und Weiterdenken. Die durchgehend farbig bebilderten Artikel sind anschaulich geschrieben und regen dazu an, Geschichtsschreibung und Kunstwerke nicht gesondert, sondern gemeinsam als Kulturgeschichte zu erforschen und zu verstehen.

Volker Reinhardt, Hans-Joachim Schmidt und Michael Sommer: Stationen europäischer Geschichte. Was Kunstwerke erzählen. Herausgegeben mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte und Kultur, 128 Seiten, durchgehend farbig, Theiss Verlag Stuttgart 2009. Buch bestellen bei Amazon.de. - Alle Aktionen bei Amazon.de.







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