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Tutanchamun
Das legendäre Grab des Pharao
Artikel vom 1. April 2008
 
Der unbedeutende Pharao Tutanchamun ist der bekannteste in der Geschichte Ägyptens, weil sein Grabschatz erhalten blieb. Leider war der Fund bis heute nie in einem Bildband adäquat dokumentiert. Diese Lücke hat nun Zahi Hawass, der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung und Grabungsdirektor in Gizeh, Saqqara und in der Bahariya Oase, mit einem opulenten und informativen Buch geschlossen. Die Photos stammen übrigens vom italienischen Fotografen Sandro Vannini.

Zahi Hawass beginnt seine Einführung mit einem Rückblick auf den Fund im Jahr 1922. Der Brite Howard Carter fand Tutanchamums Schätze im östlichen Ausläufer des Tals der Könige, einer Felswüste nahe am Luxor gegenüberliegenden Nilufer.

Die ursprünglich aus Theben stammenden Pharaonen verehrten ihre Stadtgottheit Amun, die sie mit dem Sonnengott des daneben gelegenen Memphis zu Amun-Re vereinten.

Unter der späten 18. Dynastie, kurz bevor Tutanchamun den Thron bestieg, wandte sich der Sohn von Amenophis III. von Amun-Re und den anderen Gottheiten ab. An seine Stelle setzte er die Sonnenscheibe Ateri. Mit dem neuen Sonnengott Aton führte er als erster in der Menschheitsgeschichte den Monotheismus ein. Als Echnaton liess der neue Herrscher in Tell el-Amarna eine neue Haupstadt bauen, die er Aton weihte.

Unter den 17 Jahren von Echnatons Herrschaft blühte zwar eine neue Kunst mit realistischen Herrscherportraits, doch politisch verlor Ägypten an Einfluss. Nach seinem Ableben wurden die Amun-Priester wieder eingesetzt, die Tempel der alten Götter wieder geöffnet und Amarna dem Verfall preisgegeben.



Der junge Herrscher, der Echnatons Erbe zerstörte, war Tutanchamun, der als Kindkönig mit neun Jahren den Thron bestieg. Es waren wohl seine Berater, welche die meiste Zeit seiner Herrschaft die Geschicke des Landes lenkten. Nach Echnatons Tod mit 17 Jahren führten seine Nachfolger, der Priester Eje und der Feldherr Haremab, seine Reformen weiter. Da sie keine Erben hatten, fiel nach ihnen die Thronfolge an die Ramessiden der 19. Dynastie.

Echnaton und seine Zeit umgeben noch heute viele Rätsel. Zahi Hawass vermutet, dass der Kindkönig Tutanchamun der Sohn von Echnaton war. Amenophis III. war folglich Tutanchamuns Grossvater. Mertitaton, die älteste Tochter von Echnaton und Nofretete, seine Schwester. Zahi Hawass mutmasst zudem, dass es sich bei Anchcheperure Neferneferuaton wahrscheinlich um die Königin Nofretete handelt, die jedoch heute nicht mehr als Mutter von Tutanchamun angesehen wird; als wahrscheinliche Mutter wird heute eher Echnatons Nebenfrau Kija betrachtet. Dazu äussert sich Hawass nicht. Das Buch Tutanchamun wurde bereits 2007 verfasst, weshalb nicht alle neuesten Erkenntnisse darin verarbeitet sind.

Der Tod von Tutanchamun ist laut Zahi Hawass nicht auf einen Mord zurückzuführen, wie viele jahrzehntelang gemutmasst hatten, sondern die Folge eines Unfalls. Im Buch konnte ich dazu nichts finden. Doch Hawass hat sich inzwischen klar geäussert. Eine Computertomographie förderte keine Kopfverletzung von Tutanchamun, sondern einen Oberschenkelbruch des Pharaos zutage. Heute werden zumeist ein Jagdunfall und/oder des Folgen als Todesursache angenommen.

Im opulenten Bildband Tutanchamun. Das legendäre Grab des Pharao geht Zahi Hawass auf über 200 Kunstschätze aus dem Grab ein, und zwar in der Reihenfolge, wie sie wohl Howard Carter 1922 entdeckt hat.



Die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch Howard Carter

Das erste königliche Mumiendepot wurde bereits 1871 von Mohamed Rassoul, einem ortsansässigen Araber aus Qurna (Theben-West), entdeckt. Doch erst zwei Jahre später gaben die Rassouls unter dem Druck der Antikenverwaltung das Geheimnis des Verstecks preis. 1891 führte die Familie Beamte nach Bab el-Gasus zu einem Mumiendepot für einen Hohepriester aus der 21. Dynastie und deren angehörige. 1898 zeigte Abdel Rassoul dem damaligen Direktor der Antikenverwaltung die Lage des Grabs von Amenophis II.

Der Brite Howard Carter hatte 1899 bis 1904 als Chefinspektor in Oberägypten zahlreiche Ausgrabungen im Tal der Könige beaufsichtig. Dazu gehörten die Freilegung des Grabes von Hatschepsut und Thutmosis I.

Weil sich Howard Carter vor seine ägyptischen Mitarbeiter stellte, als diese 1905 in Saqqara von französischen Touristen mit kolonialer Überheblichkeit behandelt wurden, musste er seinen Dienst bei der Antikenverwaltung quittieren, weil er sich weigerte, sich zu entschuldigen.

Nach einigen finanziell harten Jahren wurde er durch die Vermittlung des Chefs der Antikenabteilung, Gaston Maspero, für George Herbert Earl of Carnarvon tätig.  Der Landsmann von Carter war ursprünglich aus gesundheitlichen Gründen nach Ägypten gekommen. Bereits von 1907 bis 1914 führten die zwei Grabungen durch. 1915 gelang es ihnen, die Konzession für Grabungen im Tal der Könige zu erlangen, weil der wohlhabende Amerikaner Theodore Davis zum Schluss gekommen war, dass es dort nichts mehr zu holen gab, und seine Konzession zurückgab.

Howard Carter war überzeugt, dass das intakte Grab von Tutanchamun im Tal zu finden sei. Doch nach einigen erfolglosen Jahren kam Lord Carnarvon zum Schluss, dass er sein Geld buchstäblich in den Sand gesetzt hatte. Erst als Howard Carter ihm mitteilte, er werde die Grabungen auf eigene Kosten fortsetzen, war Lord Carnarvon überzeugt, ihm eine weitere Saison zu bewilligen.

Ende Oktober 1922 begann Howard Carter erneut mit Grabungen um Tal der Könige. Er betrachtete dies als seine letzte Chance. Zahi Hawass schildert die Geschichte, wie sie ihm Scheich Ali Rassoul erzählte, der 1922 erst 18 war.

Am 4. November 1922 kam ein junger Wasserträger mit gefüllten Krügen zu Howard Carter. Damit diese nicht umfielen, scharrte er Löcher in den Boden. Dabei stiess sein Stock gegen einen Stein, der zu einem Absatz einer in die Tiefe führenden Treppe gehörte. Howard Carter erkannte sofort, dass er den Grabeingang gefunden hatte. In seinen Aufzeichnungen erwähnte er den Wasserträger mit keinem Wort. Im Dorf Qurna hingegen behauptete in den folgenden Jahren fast jeder Junge, er sei dieser Wasserträger gewesen.



Lord Carnavon traf am 20. November 1922 mit seiner Tochter in Kairo ein. Zusammen mit Howard Carter reisten sie nach Luxor, wo sie am 24. November die Grabungen wieder aufnahmen. Zwei Tage später stiess Howard Carter schliesslich bis ins Grab mit seinen sagenhaften Schätzen vor. Die offizielle Graböffnung erfolgte einen Tag später am 27. November 1922 in Anwesenheit einiger ägyptischer Beamter, europäischer Archäologen und Abgesandter. Die wissenschaftliche Untersuchung der grössten archäologischen Sensation begann allerdings erst am 16. Dezember 1922.

Ausgewählte Teile der Sammlung - Fotos rechts

Die Goldmaske von Tutanchamun (siehe das Foto rechts) ist aus Gold, Karneol, Lapislazuli, Amazonit, Quarz, Obsidian, Fayence und Glaspaste. Die Dimensionen sind 54cm Höhe und 39,3cm Breite bei einem Gewicht von 11 kg. Gold galt im Alten Ägypten als das Fleisch der Götter. Das Weiss der Augäpfel besteht aus Quarz, die Pupillen aus Obsidian. Die Augenbrauen sind in Lapislazuli eingelegt. Der Geier und die Kobra auf der Stirn des Pharaos sind aus massivem Gold. Diese Symbole der Schutzgöttinnen Ober- und Unterägyptens sind mit Einlagen von Lapislazuli, Karneol, Fayence und Glaspaste versehen. Das breite Brustgeschmiede besteht aus zwölf Reihen von Perlen aus Lapislazuli, Karneol, Amazonit und Glaspaste. Die Schliesse ist in der Gestalt des falkenköpfigen Gottes Horus gearbeitet. Die Schultern und die Rückseite der Maske schmücken Zaubersprüche zum Schutz des Königs und zur Ausübung der Körperfunktionen im Jenseits.

Der dritte Sarkophag von Tutanchamun besteht aus Gold, Glaspaste, Schmucksteinen und Obsidian und hat eine Länge von 187,5cm.

Das erste Modellboot ist das erste von insgesamt 35 Schiffen im Grab von Tutanchamun. Es besteht aus Holz und Leinen und hat eine Länge von 110cm.

Ausstellungen und Katalog

2008 beschäftigen sich gleich zwei Ausstellungen mit Tutanchamun. In Zürich sind Reproduktionen der Schätze ausgestellt. In Wien ist eine kleine Auswahl an Originalen zu sehen. Die Originale bieten das Authentische mit der Patina von Jahrtausenden. Die Nachbildungen hingegen schonen die in Kairo verbliebenen Originale, die nicht um die Welt gesandt werden, mit entsprechenden Risiken beim Transport.


Zahi Hawass & Sandro Vannini (Fotos): Tutanchamun. Das legendäre Grab des Pharao. 2007, 296 S. mit 320 Farbfotos. Buch bestellen bei Amazon.de oder (English edition: King Tutankhamun: The Treasures of the Tomb) bei Amazon.co.uk oder Amazon.com. Das ausgezeichnete Buch ist die Quelle für den obigen Artikel.




Die Goldmaske von Tutanchamun. Photos ©  Zahi Hawass / Sandro Vannini , Tutanchamun, Frederking & Thaler Verlag.


Zahi Hawass & Sandro Vannini (Fotos): Tutanchamun. Das legendäre Grab des Pharao. 2007, 296 S. mit 320 Farbfotos. Buch bestellen bei Amazon.de oder (English edition: King Tutankhamun: The Treasures of the Tomb) bei Amazon.co.uk oder bei Amazon.com.


Der dritte Sarkophag von Tutanchamun. Photos
©  Zahi Hawass / Sandro Vannini , Tutanchamun, Frederking & Thaler Verlag.


Das erste Modellboot. Photos ©  Zahi Hawass / Sandro Vannini , Tutanchamun, Frederking & Thaler Verlag.

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