Das MoMA
in Berlin
Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin bis am 19. September 2004
Artikel vom 17. September 2004
Die Ausstellung "Das MoMA in
Berlin" in der Neuen Nationalgalerie schlägt alle Rekorde: Am 1. September konnte Berlins
Bürgermeister bereits die millionste Besucherin begrüssen, die eine
Reise zur Neueröffnung des MoMA nach New
York erhielt.
Der Schreibende war einige Tage zuvor da, als die Warteschlange für
Nicht-Journalisten und Nicht-VIP-Gäste gerade bei gut fünf Stunden lag. Das
lange Warten resultiert aus der Politik, zur Schonung der Werke
(Luftfeuchtigkeit) und zum besseren Betrachten nicht über 1000 Besucher
gleichzeitig reinzulassen, dabei aber die Verweildauer im Museum nicht zu
limitieren. Alles sehr ärgerlich, doch es wird ja niemand gezwungen, die
Ausstellung
"Das MoMA in
Berlin" zu sehen.
Das absolute Meisterwerk aus dem Museum of Modern Art, Picassos Les
Demoiselles d'Avignon von 1907, blieb zwar in New York, und zum Beispiel Tinguely,
Dubuffet und
die Art brut fehlen, da die Auswahl bei einem Fundus von rund 3200
Kunstwerken auf
gut 250 beschränkt werden musste, doch unter den ausgestellten Arbeiten
befinden sich Dutzende von Höhepunkten der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Dazu gehören zum Beispiel von Wassily Kandinsky der grossformatige Vierjahreszeiten-Zyklus
von 1914 für den Mitgründer der Autofirma Chevrolet, Edwin R. Campbell, Picassos
Skulptur Die Ziege von 1950 (Guss von 1952), Alberto Giacomettis Frau
mit durchgeschnittener Kehle von 1932 oder der die Ausstellung
abschliessende Stammheim-Zyklus 18. Oktober 1977 von Gerhard Richter
von 1988, der sieben Jahre später vom MoMA angekauft wurde. Damit wird
übrigens Werner Spies' Vorwurf in der FAZ wiederlegt, das MoMA wolle
mit der Schau "auf geradezu expansionistische Weise nicht nur die eigene
Sammlung, sondern die amerikanische Kunst zum Kulminationspunkt der
Entwicklung erklären." Diese Polemik ist vielleicht der Ausdruck einer déformation
professionelle durch zu lange Jahre Aufenthalt im Pariser Kulturteig. Im
übrigen haben die vielen Kritiken im Feuilleton das bereits grosse Interesse
des Publikums an der Ausstellung nur noch verstärkt.
Natürlich fehlen in Berlin nicht die herausragenden Amerikaner wie Edward Hopper,
Jackson Pollock,
Jasper Johns, Barnett Newman, Mark
Rothko und Andy
Warhol.
Hoppers in Berlin gezeigtes Gemälde Das Haus am Bahndamm von 1925 ist
nicht nur eine Ikone der amerikanischen Kunst, sondern zugleich das erste
vom MoMA erworbene Werk, das den ausgezeichneten Geschmack und die Weitsicht
der New Yorker im Jahr 1930 bezeugt.
Unter der handvoll Frauen ist die 1928
geborene und in New York lebende Helen Frankenthaler hervorzuheben, die mit Jacob's
Ladder von 1957 vertreten ist. Den Höhepunkt setzt allerdings Meret Oppenheims Objekt (Frühstück im Pelz)
von 1936, die weltberühmte, mit Fell überzogene Tasse. Das Museum of Modern
Art wurde übrigens 1929 von drei Damen der New Yorker Gesellschaft
gegründet, Lillie P. Bliss, Mary Quinn und Abby Aldrich Rockefeller. Zur
Schlüsselfigur wurde der Gründungsdirektor, Alfred H. Barr Jr., der
entschied, dass neben Malerei, Skulptur und Grafik aund Design, Architektur,
Fotografie und Film gesammelt werden sollte.
Bilder und Skulpturen von Henri Matisse, dessen erste Version von Der
Tanz von 1909 den Katalogeinband ziert, Pablo Picasso, Philip Guston -
übrigens ein Kanadier - und Gerhard
Richters fünfzehnteiliger Zyklus 18. Oktober 1977 bilden
quantitativ die Schwerpunkte der Ausstellung. Diese Gewichtung erklärt sich aus der
Konzeption der Kuratoren, John Elderfield (MoMA) und Angela Schneider
(Nationalgalerie): Die acht Teile der Berliner Schau repräsentieren acht
(auch kunsthistorisch) bedeutende Ausstellungen, die das MoMA im 20.
Jahrhundert organisiert hat.
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Gerhard Richter: October 18, 1977. Mit Supplement auf deutsch. Hatje
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