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Im Garten
von Max Liebermann
Geschichte, Katalog und Ausstellung in Hamburg und Berlin
Artikel vom 10. Oktober 2004
Max Liebermann (1847-1935) erwarb 1909,
im Alter von 62 Jahren, eines der letzten Grundstücke am Grossen Wannsee bei
Berlin. Für
die rund 6700 Quadratmeter bezahlte er 145'000 Reichsmark. In seinem
"Schloss am See" sollte Liebermann in den folgenden Jahrzehnten bis zu Beginn der 1930er Jahre über 200 Gemälde, Pastelle
und Studien schaffen.
80 in Villa und Garten am Wannsee entstandene Gemälde und Pastelle waren vom
11. Juni bis 26. September 2004 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen und sind
vom 7. Oktober 2004 bis am 9. Januar 2005 in der Alten Nationalgalerie Berlin
ausgestellt.
1909 beauftragte Max Liebermann den Berliner Architekten Paul Baumgarten
(1873-1953), ein Schüler von Alfred Messel, mit dem Hausbau. Den modernen
Reformgarten, der auch wirtschaftlich genutzt werden konnte, realisierte
Albert Brodersen (1857-1930) nach Liebermanns Wünschen. Bei der Ausgestaltung
des Gartens bat der Maler seinen langjährigen Freund und Direktor der
Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852-1914), brieflich um Rat. Die
Gärten, die Liebermann bei seinen Hamburger
Aufenthalten in den Villen der Elbvororte nahe des Hotels
Louis C. Jacob kennen gelernt hatte, inspirierten ihn sehr.
Bereits am 26. Juli 1910 konnte Max Liebermann mit seiner Frau Martha und
seiner Tochter Käthe erstmals den Sommer am Wannsee verbringen. Im ersten
Jahr entstanden zwei Ansichten des Nutzgartens, vom Atelier-Fenster im ersten
Stock aus gesehen. Doch bis 1914 malte Liebermann nur wenige Gemälde in
seinem Garten. Erst als der Erste Weltkrieg seine alljährlichen Hollandreisen
verunmöglichte, wurde ihm die Villa mit Garten zum ständigen Sommerrefugium.
1916 zog sich Liebermann aus der patriotischen Kriegspropaganda und dem
Zeitgeschehen zurück. Gleichzeitig orientierte er sich künstlerisch neu. Mit
seinen Gartenbildern nahm er laut Jenns Eric Howoldt "die direkte
Auseinandersetzung mit der Natur wieder auf und kehrte zu einer Malerei auf
der Grundlage des sinnlichen Eindrucks zurück."
Die formal klare Anlage seines Gartens spiegelt sich auch in seinen Werken
wieder. Howoldt verweist darauf, dass Liebermann "lineare Bildelemente
schon immer als Koordinaten seiner Bildräume" benutzt hat. In den
Wannsee-Bildern der Jahre 1915 bis 1917 spielen sie "eine entscheidende
Rolle": Sie folgen der Systematik der Zentralperspektive und versuchen,
den Betrachter in den Bildraum zu integrieren."
Die Wannsee-Jahre waren von grosser künstlerischer Produktivität geprägt.
Die Blumenterrassen mit ihren starken Farbkontrasten bildeten 1915 und 1916
die Hauptmotive. 1917 kamen Ansichten des zwischen Villa und Wannsee
angelegten Kohlfelds hinzu; es sollte über die Nahrungsmittelknappheit im
Krieg hinweghelfen. 1919 malte Liebermann neben Ansichten des Gartens auch
Bilder seiner Enkelin Maria, die er beim Spielen festhielt.
Der Krieg und die nachfolgende Inflation ruinierte manche Villenbesitzer, die
Vermögen und Wannsee-Villa verloren. Zu den gesellschaftlich angesehenen
Nachbarn der Liebermanns gehörten die Oppenheims, die damals eine der
weltweit grössten Cézanne-Sammlungen besassen, sowie die Familie Güde
(Agfa).
Die von Wilhelm Konrad gegründete Wannseekolonie war für ihre Toleranz
bekannt. Christen und Juden wurden auf dem selben Friedhof begraben. Doch in
der Zeit des Nationalsozialismus wechselte sich das Klima. Jüdische
Villenbewohner wie der Bankier Arnold und der Verleger Springer verliessen
zwangsweise die Kolonie.
Liebermann, der noch 1927 bei seinem 80. Geburtstag gross gefeiert, zum
Ehrenbürger ernannt und von Slevogt in einem Gemälde verewigt wurde, lebte
unter den Nazis immer isolierter, musste die Akademie "freiwillig"
verlassen und starb 1935. Zu seinen wenigen Freunden bis in die letzten Tage
gehörte der Chirurg Sauerbruch.
1928 hatte Max Liebermann die Villa testamentarisch seiner Frau Martha
überschrieben. 1938 wurde die Witwe durch die "Verordnung über den
Einsatz jüdischen Vermögens" gezwungen, für 160'000 Reichsmark, die
auf einem Sperrkonto landeten, über das sie nicht verfügen konnte, das Haus
samt Inventar und Grundstück der Deutschen Reichspost zu überlassen.
Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Nationalsozialisten Gründstück
und Garten. Danach wurde in der Villa die Chirurgische Abteilung des
Städtischen Krankenhauses Wannsee eingerichtet. Das Atelier des Malers diente
zunächst als Operationssaal. 1951 erhielt die nach New York emigrierte
Tochter Martha Riezler im Rahmen der "Wiedergutmachung" das Haus
zurück. Sie verzichtete auf die Eigennutzung und überliess es gegen Pacht
dem Krankenhaus. Marthas Tochter verkaufte 1958 das Anwesen für 220'000 Mark
dem Land Berlin, das es bis 1969 weiterhin als Krankenhaus nutzte. Danach
stand Liebermanns Haus zwei Jahre leer und verfiel langsam. Der Deutsche
Unterwasserclub erhielt 1971 für das Anwesen einen Pachtvertrag über 30
Jahre.
Erst 1987 wurde der Garten der Villa unter Denkmalschutz gestellt. 1995
erfolgte die Gründung der Max-Liebermann-Gesellschaft und das Haus wurde dem
Denkmalschutz unterstellt. 1997 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die
Nutzung von Haus und Garten als Museum, ohne jedoch öffentliche Mittel zur
Verfügung zu stellen. 2002 zog der Deutsche Unterwasserclub endlich aus. Die
Umzugskosten übernahm zum Teil die Max-Liebermann-Gesellschaft, die sich
danach an die Wiederherstellung von Villa und Garten machte. Anfang September
2002 konnte das Anwesen erstmals für Besucher geöffnet werden.
Diese und viele weitere Einsichten bietet der Katalog mit seinen zehn
Beiträgen von acht Autoren, die durch eine Chronologie, Briefe, Photos,
Biografie, Bibliographie und vor allem natürlich Abbildungen der
ausgestellten Gemälde und Aquarelle ergänzt werden.
Im Garten von Max Liebermann. Nicolai Verlag, 2004, 207 S. Buch
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