Claude
Monet und sein von Augenkrankheiten geprägtes Spätwerk
Artikel vom 2. Dezember 2004
Das Spätwerk von Claude Monet (1840-1926)
ist von seinen Augenkrankheiten geprägt. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Alice
im Mai 1911 nahm Monet eine längere schöpferische Pause, um
sich dann erneut den Seerosen zu widmen. Danach kehrte er in seinem letzten
Lebensjahrzehnt zum Thema der Seerosen zurück.
Monet liess sich 1914 ein neues, frei stehendes Gebäude mit den Innenmassen
24 auf 12 Meter bauen, damit er gleichzeitig an mehreren grossformatigen
Gemälden arbeiten konnte. Er begann sich zunehmend von der Wiedergabe
botanischer Details zu lösen, gab aber noch in Werken von 1919 die grossen
Formen korrekt wieder.
Monets Kunst war stilistisch zwar weiterhin impressionistisch, doch entstand
sie nun im Atelier. Die Jahre 1916-20 markieren den Beginn einer neuen Serie,
die der als bezeichneten Riesenformate. Nach dem
Waffenstillstand von 1918 beschloss der Künstler, diese Werke dem
französischen Staat zu schenken, worin er von seinem langjährigen Freund und
Gärtnerkollegen, Ministerpräsident Clemenceau, unterstützt wurde. Nach der Abwahl
des Politikers zerschlug sich auf Grund finanzieller Probleme das Projekt des Baus
eines Gebäudes für die Grandes Décorations, doch stimmte Monet
später zu, dass die Werke in der Orangerie in der Nähe der Place de la
Concorde Platz finden sollten, wo sie noch heute zu bewundern sind.
Ab 1920 malte Monet immer die gleichen Motive, den Seerosenteich, die Brücke
und den Mittelweg durch den Clos normand, wobei er die Effekte der
unterschiedlichen Farben auf der Leinwand bereits ab 1918 erkundete. Im
Spätwerk scheint sich die Farbe von der natürlichen Form zu losen und ein
Eigenleben zu entwickeln. Er kreierte nun Formen, die
nur noch vage an die Vegetation in Giverny erinnerten. Das war kein Zufall,
sondern hing mit Augenkrankheiten des Künstlers zusammen.
"Monet arbeitete mit kurz geschnittenen harten Pinseln und kleinen
Spachteln in kleinen und mittelgrossen Flecken, wobei er eine Farbe an
verschiedenen Stellen des Bildes <ausmalte>, bevor er eine nächste
Auftrug. Der Skizzenhafte Charakter wird durch die unregelmässig
freigelassenen Ränder der Leinwand noch verstärkt." In Monets Spätwerk
spielte Rot als komplementärer Kontrast zu Grün eine wichtige Rolle. Um 1915
trat Rot noch in vielfältigen Abschattierungen bis zu Violett auf. Nun ist
Rot stets auch ungemischt auf der Leinwand zu sehen, wobei die Kontraste
gesteigert erscheinen (Christoph Becker).
Die zeitgenössischen Betrachter reagierten irritiert. War der greise Maler
geistig verwirrt, war sein Sehvermögen beeinträchtigt oder war alles
Absicht? Laut Becker war der Geisteszustand des Künstlers "so wach wie
eh", doch musste er sich schliesslich Operationen am grauen Star unterziehen,
die er immer wieder hinausgeschoben hatte.
1923 wurden zwei Teiloperationen am
rechten Auge unumgänglich. Auf Grund lästiger Störungen wurde gar ein
dritter Eingriff nötig. Die Operationen führten zunächst zu einer
Gelbsichtigkeit (Xanthopsie), dann zu einer Blausichtigkeit (Cyanopsie). Die
Sehkraft des linken Auges liess in den letzten Lebensjahren stark nach, der
allgemeine Gesundheitszustand verschlechterte sich und Monet malte immer
weniger. Für Becker ist die expressive Farbigkeit von Monets Spätwerk nur
zum Teil auf die Fehlsichtigkeit zurückzuführen, zum anderen der Ausdruck
"eines freien und festen künstlerischen Willens". Doch auch er muss
einräumen, dass diese Gemälde "in einem eigentümlichen Verhältnis zum
übrigen Werk" stehen.
Claude Monet wurde 1926 an einer unheilbare Lungenkrankheit diagnostiziert. Er
empfing zuletzt nur noch seinen engsten Freund, Clemenceau, bevor er am 5.
Dezember 1926 verstarb. Die Nachrufe verwiesen zumeist auf den Zusammenhang
zwischen Garten und Malerei im Lebenswerk des Künstlers. Zwei Jahre später
schrieb Clemenceau dazu: "Der Garten Monets muss zu seinen Arbeiten
gezählt werden, da er den Zauber einer Anpassung der Natur an die Arbeiten
des Lichtmalers verwirklichte. Eine Ausdehnung des Ateliers ins Freie, mit
Farbtönen, die nach allen Seiten verschwenderisch hingebreitet waren zur
Übung des Auges, durch lockende Schwingungen, von denen eine fieberhaft
erregte Netzhaut eine niemals zu stillende Freude erwartet."
Zum ersten Teil: Monets
Garten.
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Christoph Becker, Catherine Hug, Monika
Leonhardt, Linda Schädler.: Monets Garten. Hatje Cantz, 2004, 208 S.,
147 Abb., davon 76 farbig. Buch bestellen bei
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Das Buch ist die Quelle für den nebenstehenden Artikel.
Monet & Japan, Ausstellungskatalog National Gallery of Australia,
Canberra und Art Gallery of Western Australia, Perth, 2001. Englische Ausgabe
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Der Seerosenteich in Monets Garten in Giverny, 2004. Foto: Björn Quellenberg.
© Kunsthaus Zürich.

Die japanische Brücke in Monets Garten in Giverny, 2004. Foto: Björn
Quellenberg. © Kunsthaus Zürich.
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