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Museum für ausländische Kunst Riga
Artikel vom 12. September 2005
 
Seit der Abspaltung von der Sowjetunion und der Wiedererlangung der Selbständigkeit besinnen sich die baltischen Republiken stärker auf ihre Vergangenheit, nicht zuletzt ihre westlichen Wurzeln.

Vom deutschen Einfluss distanzierten sich die Letten in den 1920er und 1930er Jahren im Zuge eines nationalen Revanchismus gegen die frühere Elite. Nach der von Hitler gewollten Umsiedlung der Deutschbalten 1939 und der Zeit der sowjetischen Besatzung (englischer Artikel) Lettlands stand die Aufarbeitung des westlichen kulturellen Einflusses in Riga ebenfalls nicht auf der Prioritätenliste.

Die Auseinandersetzung mit dem reichen Kulturerbe der Stadt setzte 1979 mit dem Buch Latvijas maksla: 1800-1914 (Kunst Lettlands von 1800 bis 1914) des Exil-Kunsthistorikers Janis Silins ein. 1984 folgte die Arbeit Apceres par Latvijas Makslu 100 gados (Betrachtung der Kunst Lettlands im letzten Jahrhundert) des Professors der Kunstakademie Lettlands Romis Bems. 1987 schliesslich folgte eine Ausstellung im staatlichen Kunstmuseum, begleitet von einer wissenschaftlichen Diskussion über den heutigen Platz des deutschbaltischen geistigen Erbes in Lettland.

Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands in den 1990er Jahren arbeitet das Museum für ausländische Kunst in Riga (The Museum of Foreign Art) die eigene Sammlungsgeschichte systematisch, wissenschaftlich auf und bringt sie einem breiteren Publikum in Katalogen und Ausstellungen - die erste zur Sammlung der Familie Hollander fand 1995 statt - näher.

Die Geschichte der lettischen Kunstsammlungen ist kompliziert. So speisen sich die Bestände des Museums für ausländische Kunst vor allem aus Privatsammlungen, die früher Privaten, Vereinen, Stadtverwaltungen, Museen und dem Staat gehörten.

So wurden die Kunstwerke der Sammlungen teilweise zuerst im Anatomikum, später in der Stadtgemäldegalerie, im Städtischen Kunstmuseum und im Museum für Westeuropäische Kunst, das später in Museum für ausländische Kunst umbenannt wurde, aufbewahrt. Die Odyssee ist noch nicht vorbei: Wegen Platzmangels im Schloss Riga wird das Museum für ausländische Kunst voraussichtlich ab 2007/2008 im 150jährigen Börsenhaus am Domplatz ausgestellt werden, wo dreimal soviel Platz zur Verfügung steht, wie mir die Museumsdirektorin Daiga Upeniece mitteilte.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts widmeten sich die gebildetsten deutschen Adligen und Literaten der Naturbeobachtung und einer regen Sammlertätigkeit auf allerlei Feldern. Laut Ojars Sparitis war die Aufklärung die Zeit der Enthusiasten und Dilettanten. In jener Epoche liegt der Beginn des späteren Museum für ausländische Kunst.

Den Anfang der Sammlung bildete die Sammlung des Arztes und Kunstsammlers Nicolai von Himseld, dessen Gemälde, Grafiken und Zeichnungen die Stadt Riga 1773 übernahm, zusammen mit den historischen und naturwissenschaftlichen Sammlungen des Enzyklopedisten. Ab 1778/79 wurden die Kunstwerke über dem Domkreuzgang in der neuen Stadtbibliothek - nach einem Entwurf von Christoph Haberland gebaut - ausgestellt. Dies war der Beginn eines intensiven Kulturlebens in Riga.

Die bedeutendste Privatsammlung, die als Schenkung ins Museum kam, war jene des Rigaer Ratsherren Friedrich Wilhelm Brederlo. Seine Nachkommen, die Familie von Sengbusch deponierte gemäss dem Testament von Brederlo die Sammlung 1905 im Städtischen Kunstmuseum. Sie enthält 200 Gemälde, überwiegend Werke holländischer, flämischer und deutscher Meister des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Weitere bedeutende Sammlungen kamen vom Vorsitzenden des Rigaer Börsenkomitees James Armitstead, von Rigas Stadtoberhaupt Ludwig Wilhelm Kerkovius, vom deutschbaltischen Literaten Reinhold Philipp Schilling und vielen anderen. In den 1930er Jahren erhielt das Museum eine Schenkung von Werken belgischer Kunst, die als Widmung flämischer und wallonischer Künstler aus Brüssel eintraf.

Zu den Sammlungshöhepunkten gehören ein Früchtestilleben von A. van Lijnden aus dem 17. Jahrhundert, je ein Stilleben mit Früchten und Hummer von Joris van Son und Jan Davidsz de Heem, ein Blumenstilleben von Georg Flegel sowie 1883, nach dem Tode Richards Wagners gemalte Szenen aus dem Ring der Nibelungen von Hans Makart (Der Tod von Sigmund, Fight between Lapiths and Centaurs, Siegmund und Sieglinde in the Hunting Lodge); vom selben Künstler besitzt das Museum zudem das Gemälde Die Perle, ein Portrait der Autorin Christine del Negro. Zu erwähnen sind zwei Werke von Karl Spitzweg (Der Eremit und The Old Fortress Commandant), beide aus der Sammlung von James Armistad. Wohl wegen einer Sonderausstellung wurde gerade ein Gemälde des in Winterthur geborenen und in Dresden verstorbenen Portraitisten Anton Graff nicht gezeigt (oder ich habe es nicht entdeckt). Anton Graff zählte zu den bedeutendsten Portraitisten seiner Zeit. Neben Adeligen malte er deutsche Geistesgrössen wie C.F. Gellert, G.E Lessing, J.G. Herder und Friedrich Schiller.

Das Museum für ausländische Kunst in Riga besitzt nicht nur vielfältige Sammlungen, sondern entwickelt auch ebensolche Aktivitäten, zu denen archäologische Projekte in Ägypten gehören. Dort übernimmt das Museum Scannerarbeiten in Karnak und an der Joser-Pyramide, zusammen mit französischen und deutschen Spezialisten.

Das Museum hat sich in den letzten Jahren mit einer Reihe von Sonderausstellungen verdient gemacht, welche die Sammler und ihre Sammlungsschwerpunkte ins Zentrum rückten. 2005 konnte ich eine sehenswerte besuchen, die zu einer Reihe gehört, die sich mit dem Goldenen Zeitalter der holländischen und flämischen Malerei auseinander setzt. Seestücke, Landschaften, der italienische Einfluss auf die holländische Malerei und Grafik bildeten die vier Themata der Ausstellung.

Seestücke befinden sich übrigens ebenfalls im Navigationsmuseum von Riga. In der Sonderausstellung im Museum für ausländische Kunst waren unter anderen Werke von Jocuhus Storck und Jan Porcellis zu sehen. Von Storck besitzt das Museum nur ein Gemälde. Seine Arbeiten sind für Historiker interessant, da er reale Ereignisse und Schiffe malte. Porcellis wiederum hatte die Eigenheit, direkt am Meer Skizzen, Zeichnungen anzufertigen, die er danach rasch im Studio umsetzte. Sein Stil ist typisch für das Goldene Zeitalter.

Unter den Landschaftsbildern stach eine Flusslandschaft aus dem Jahr 1642 von Salomon van Ruysdael (1600-1670) ins Auge, die wie so viele Werke der Ausstellung aus der Sammlung Brederlo stammt. Die gleiche Provenienz hat die daneben gezeigte Waldlandschaft mit Herde seines Sohnes Jacob Salomonsz. van Ruisdael (1630-1681). Unter den grafischen Werken sind Die Angler von Adrian van Ostade (1610-1685) hervorzuheben.

Ein Gang nach Riga lohnt sich also allemal, sowohl für die Sammlungen der Stadt wie für temporäre Ausstellungen.

Quellen für diesen Artikel, weiterführende Literatur
- Sammlung Friedrich Wilhelm Brederlo - Fridriha Vilhelma Brederlo Kolekcija. Arzemju makslas muzejs, Neputns, Riga 2000, 248 S. Zweisprachig: lettisch und deutsch.
- Reinholda Filipa Sillinga Kolekcija. Arzemju makslas muzejs, DOMA, Riga 1999.

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Christoph Jacobsz van der Lamen, c. 1606-1652, Flandern: The Prodigal Son, Öl auf Holz, 53.4 x 16.8 cm. Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


Adriaen van Ostade, 1610-1684, Holland: Die Angler, etching on paper, 11.6 x 16.8 cm. Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


Pieter de Molijn, London 1595 - Haarlem 1661: Landschaft mit Brücke, 40 x 55.7 cm  Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


Ludolf Backhuysen, Emden 1631 - Amsterdam 1708: Seestück. Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


Klaes Molenaer, Haarlem 1630 - Haarlem 1676: Winterlandschaft, 46.8 x 63.3 cm. Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


Admitting Love 1894, Deutschland. Meissener Porzellanfabrik. Painted and glazed porcelain, 30 cm hoch. Foto © The Museum of Foreign Art, Riga.


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