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Der späte Picasso  
Die Ausstellung im Museum Frieder-Burda in Baden-Baden bis 19. Februar 2006

Artikel vom 4. Februar 2006
 
Pablo Picasso gilt als der berühmteste Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Spätwerk galt jedoch lange als relativ schwach. Jedoch spätestens seit die Sammlung Rosengart im März 2002 im schweizerischen Luzern ihre Pforten öffnete, ist der späte Picasso in der Wertschätzung von Kritikern, Sammlern und kunstinteressiertem Publikum gestiegen.

Pablo Picasso verbrachte die letzten zwölf Jahre seines Lebens von 1961 bis 1973 im südfranzösischen Mougins. die Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden besitzt aus diesem Zeitraum allein acht Werke, die für die Ausstellung mit Leihgaben aus europäischem Museums- und Privatbesitz ergänzt wurden. Mit über dreissig Gemälden und sechs Skulpturen entsteht so ein umfassender Einblick in die letzte Schaffensperiode von Pablo Picasso, die übrigens im Sommer 1968 in einer Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden erstmals dem deutschen Publikum präsentiert worden war.

Frieder Burda selbst fand den Zugang zum späten Picasso Mitte der siebziger Jahre. Faszinierend findet er vor allem die expressive Malerei des Spätwerks. Seit vielen Jahren verbringt Frieder Burda seine Ferien in Mougins, was die Auseinandersetzung mit dem Spanier förderte, dessen Kunst er in der Folge zu einem seiner Sammlungsschwerpunkte machte.

Die im Museum Frieder Burda gezeigten Werke entstanden alle in Mougins, wo der Spanier 1961 das Landhaus Notre-Dame-de-Vie erwarb. Jene späten Jahre waren von der aussergewöhnlichen Arbeitswut Picassos gekennzeichnet, der sich mit aller Kraft gegen das Ende seiner künstlerischen Aktivität stemmte. Die Zahl der damals entstandenen Gemälde, Zeichnungen und Grafiken überstieg die der vorausgehenden Jahrzehnte. Dabei stand die Selbstbefragung des Künstlers thematisch im Zentrum.

Die Ausstellungsmacher schreiben dazu, bei Picasso habe eine Art von Selbstinquisition des Alter angehoben, die sich ohne jede Peinlichkeit, jedoch schonungslos ins Licht gesetzt habe. In der Betrachtung des Greises habe er seine Grimassen und ihre lächerlichen, verzerrten, auch melancholischen Posen studiert. Man brauche sehr lange, um jung zu werden, meinte Picasso dazu und arbeitete in Mougins bis zuletzt für diese Erkenntnis.

Die Bilder des Spätwerks tragen ihr Datum auf der Rückseite der Leinwand. Die Arbeitstage wurden zu einem Werkbestandteil. Sorgfältig vermerkte Picasso Tag und Monat, sodass viele Bilder rückseitig ganze Zahlenkolonnen aufweisen. Diese gewissenhafte Registrierung verrate das bewusste und gespannte Verhältnis des Künstlers zum Ablauf der Zeit, die er in noch so produktiven Perioden nicht aus dem Auge verloren habe, so die Ausstellungsmacher. In dieser Übung äussere sich die tiefverwurzelte Skepsis gegenüber Dauer und Gültigkeit jeder malerischen und menschlichen Erfahrung.

Klaus Gallwitz, der Direktor des Museums Frieder Burda und Kurator der Picassoausstellung in Baden-Baden hielt fest: "Der späte Picasso erinnerte sich an alles, aber er belebte es immer wieder neu für seinen Gebrauch. Woran sollte er sich sonst halten? Er verfügte über die Fähigkeit, seine Erfindungen selbst zu zertrümmern, um neue zu erfinden. Allein an seinem unersättlichen Bedürfnis nach Gestaltung hat er sich orientiert und sich dazu unermüdlich und ohne zu zögern jeder Form von Neuem bedient. Auf diesem Weg wurde er ein Überlieferer. Alles musste mitgeteilt werden, weil sich in jeder Äusserung noch eine andere, bisher nicht gesagte Erfahrung zeigte. Immer kürzer nimmt der Maler bei der Arbeit die Distanz, immer näher geht er an die Leinwand heran. Die eigentümliche Theatralik dieses Vorgangs spiegelt sich in allen Facetten, die Picasso mit Ingrimm und Heiterkeit auf der Leinwand vorführt. Am Ende trifft er immer wieder auf sich selbst. Zu den Göttern und Götzen des Spätwerks tritt unverhüllt das Gesicht des Künstlers - Ecce Homo."

Ein Höhepunkt der Ausstellung in Baden-Baden bildet Personnage (Enfant) von 1960, eine humorvolle Bronzefigur von 115 x 98 x 54 cm. Überhaupt ragen die lange vernachlässigten Skulpturen künstlerisch im Werk des Spaniers heraus. Zu diesem Thema verfasste Werner Spies das beste Buch der letzten Jahre überhaupt zu Pablo Picasso: Picasso Skulpturen. Bestellen Sie das Skulpturen-Buch (2000, Hatje Cantz) bei Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.fr.

Der Katalog zur Picasso-Ausstellung in Baden-Baden 2005-2006: Picasso. Von Mougins nach Baden-Baden. Der späte Picasso. Hatje Cantz, September 2005, 84 S. mit Texten von Klaus Gallwitz und Heiner Bastian. Buch bestellen bei Amazon.de.


Sammlung Rosengart, Prestel, München, 2002, 271 S. Die deutsche Ausgabe bestellen bei Amazon.de; get the English edition from Amazon.com, Amazon.ca, Amazon.fr, Amazon.co.uk or Amazon.de.


Picasso. Von Mougins nach Baden-Baden. Der späte Picasso. Hatje Cantz, September 2005, 84 Seiten. Mit Texten von Klaus Gallwitz und Heiner Bastian. Buch bestellen bei Amazon.de.






Das im Oktober 2004 eröffnete Museum Frieder Burda von Pritzker-Architekturpreisträger Richard Meier, das mit dem "2006 Institute Honor Award for Architecture" der 1857 gegründeten amerikanischen Architektenvereinigung AIA ausgezeichnet wurde. Die Baukosten von rund 20 Millionen Euros wurden vollumfänglich von der Stiftung Frieder Burda getragen.


Nachtaufnahme des Museums Frieder Burda, das von Richard Meier mit einer klaren Struktur aus Licht und Glas gebaut wurde. Richard Meier hat nicht nur das gigantische Getty Center in Los Angeles entworfen, sondern befasst sich auch mit kleinen Projekten wie der Neugestaltung des Hotels Raphael in Rom.

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