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Francis Bacon. Die Portraits
Katalog und Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle bis am 29. Januar 2006

Artikel vom 4. Februar 2006
 
Er gehört zu den Giganten des 20. Jahrhunderts: Sir Francis Bacon. Der 1909 in Dublin geborene und 1992 in Madrid verstorbene Maler war ein Autodidakt und Aussenseiter, der eine ganz neue Bildsprache in die Kunst einführte.

Bereits 1965 zeigte die Hamburger Kunsthalle mit rund sechzig Jahren eine umfassende Retrospektive von Francis Bacon. Nach der Ausstellung erwarb der damalige Direktor Alfred Hentzen die Studie zu einem Bildnis von 1953, die zuvor im Besitz des Kunstkritikers David Sylvester war, der mit Bacon von 1962 bis 1986 zahlreiche erhellende Gespräche führte. Hentzen begründete seine Wahl mit den Worten, dass er "das in seiner Bewegung behinderte, eingeklemmte, gefangene Individuum" für eine bewegliches Zeitbild hielt.

2005 realisierte die Hamburger Kunsthalle in Zusammenarbeit mit der Scottish National Gallery of Modern Art in Edinburgh eine den Portraits von Francis Bacon gewidmete Ausstellung. Die Hamburger widmeten sich in den letzten Jahren in unregelmässigen Abständen der Gattung Bildnis und Selbstbildnis, so 1993 mit Werken von Max Beckmann, 1995 mit Vincent Van Gogh, 2002 mit Oskar Kokoschka und 2004 mit Lovis Corinth.

Die Initiative zur Ausstellung Francis Bacon. Die Portraits ging von Dr. Elke Ritt und Andrea Rose vom British Council aus. Andrea Rose und Christoph Heinrich setzten danach die Idee in einer klaren und entschiedenen Konzeption um, die bis am 29. Januar 2006 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war.

Das erste Selbstportrait von Francis Bacon entstand 1956. Das Zentrum seiner Arbiet bildeten die Portraits von Freunden wie dem französischen Schriftsteller und Philosophen Michel Leiris, Liebhabern wie Peter Lacy und George Dyer, Malerkollegen wie Lucien Freud und Frank Auerbach, Trinkkumpanen wie Muriel Belcher, Isabel Rawsthorene und Henrietta Moraes sowie vor allem natürlich die von Velazquez ab 1949 inspirierten, in ihrer Eindringlichkeit unübertroffenen, erschütternden Portraits von Papst Innozenz X.

Bacon gilt vielen Kritikern - wie auch den Ausstellungsmachern - als schonungsloser Darsteller des "modernen Menschen" in seiner existentiellen Zerrissenheit, seiner sozialen Vereinsamung und seiner kreatürlichen Rohheit. Da erstaunt es doch sehr, dass die Hamburger Kunsthalle 2005 die erste Museumsausstellung sein soll, die sich ausschliesslich dem Thema der Portraits seiner Freunde und Künstlerkollegen widmet. Dabei beschäftigen sich Ausstellung und Katalog unter anderem mit den Kompositionsstrategien und Verfremdungsverfahren Bacons sowie mit den Beziehungen zwischen Maler und Modell.

Die in der Hamburger Kunsthalle gezeigten Bildnisse entstanden in der Zeit zwischen 1949 und 1991. Zu Beginn der 1960er Jahre schälte sich bei Francis Bacon das kleinformatige Triptychon als häufigste Form des Portraits für die nächsten 20 Jahre heraus. In den frühen Werken scheint sich der Künstler noch langsam und behutsam den Menschen zu nähern. 1951 erreichen die Portraits Körper und Volumen und sind voller Materialität, um in späteren Werken hinter milchig-nebligen Schleiern zu verschwinden.

Viele Portraits Bacons folgen allerdings nicht dem gängigen Kriterium der Gattung, vor dem Modell entstanden zu sein. Vielmehr inspirierte sich der Künstler von photografischen Vorlagen, nicht zuletzt aus Zeitungen, sowie von Erinnerungsbildern. Selbst das Papstgemälde von Velazquez hat Bacon nie im Original gesehen. Dennoch gelang es dem Autodidakten oft, einen bestimmten Moment einzufangen. Gleichzeitig verarbeitete er in seinen Portraits allerlei Bildquellen, sodass seine Gemälde zumeist sich aus verschiedenen Elementen speisende Komposita darstellen.

Mit seinen verzerrten Leibern und Gesichtern, den eigenwilligen Farben und Farbschlieren setzte sich Bacon vom gängigen Kanon der Portraitmalerei ab. Seine Werke wirkten sperrig, nie gefällig. Ein Blick auf die Hintergrundsfarben seiner Portraits zeigt allerdings, dass Bacon dennoch ein Ästhet war.

In seinen besten Portraits sind die Dargestellten nicht nur verformt, sondern wirken gequält, zerrissen, vereinsamt, scheinen sich in auswegslosen Situationen oder Stimmungen zu befinden und sind manchmal wie Papst Innozenz X in Käfigen abgebildet. In vielen Bildnissen scheint der Tod allgegenwärtig zu sein. Dabei reduzierte Bacon Formen und Farben. Das Resultat sind Werke von unglaublicher Sinnlichkeit, Leidenschaft, Kraft, Brutalität, Intensität und Präsenz.

Francis Bacon. Die Portraits. Hamburger Kunsthalle,
mit Beiträgen von Heinrich Dietz, Christoph Heinrich, Invar-Torre Hollaus, Andrea Rose und Claire Rose. Hatje Cantz, 2005, 156 Seiten mit 122 Farbabbildungen. Katalog bestellen bei Amazon.de.

7 Reece Mews: Francis Bacon's Studio. Foreword by John Edwards, photographs by Perry Ogden. Thames & Hudson, 2001. Get it from Amazon.co.uk, Amazon.de, Amazon.fr.


Francis Bacon. Die Portraits
. Hamburger Kunsthalle,
mit Beiträgen von Heinrich Dietz, Christoph Heinrich, Invar-Torre Hollaus, Andrea Rose und Claire Rose. Hatje Cantz, 2005, 156 Seiten mit 122 Farbabbildungen. Buch bestellen bei Amazon.de.






 

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