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Chavín
Chavin: Perus geheimnisvoller
Anden-Tempel. Die Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich und der
dazugehörige Katalog.
Artikel vom 1. März 2013
Die Ausstellung Chavín: Perus geheimnisvoller
Andentempel im Museum Rietberg in Zürich ist noch bis am 10. März 2013
geöffnet. Ein Besuch lohnt sich nicht zuletzt wegen den Filmen, die dort
gezeigt werden. Der Besucher kann sich ein hervorragendes Bild von der
Gesamtanlage machen. Zudem ist in der Ausstellung eine Muscheltrompete (Pututu;
Strombusschnecke-Trompete) zu
hören. Viele der in Zürich
präsentierten Ausstellungsstücke aus Chavin und verwandten archäologischen
Stätten waren zuvor noch nie museal präsentiert worden. Steinmetz- und
Keramikarbeiten, Tongefässe, Textilien und Schmuck gehören zu den
präsentierten Artefakten.
Der Titel von Buch und Ausstellung klingt volkstümlich, doch beide sind auf dem
neuesten wissenschaftlichen Stand. Sie bieten zudem mehr als nur Chavin, nämlich einen Überblick
über die frühen Kulturentwicklungen im südlichen Andenraum in der Zeit des
Formativums, wobei die Autoren gleich noch den Beginn des Formativums im
zentralen Andenraum neu definieren: bereits um 3500 vor Christus.
Peter R. Fuchs untersuchte den Fundort Sechín Bajo im Casma-Tal und konnte
auf Grund der Grabungsresultate nachweisen, dass der Zeremonialbau an der
nördlich-zentralen Küste bis um 3500 v. Chr. zurückdatiert werden kann.
Der Kurator und Herausgeber des Katalogs, Peter Fux,
hat nicht nur 5 der 21
Katalogartikel sowie die Einführung verfasst, sondern
im Januar 2011 in Lima ein internationales Treffen
führender Archäologen organisiert, die sich mit der peruanischen Frühzeit
beschäftigen.
Die Chavín-Kultur ist benannt
nach der archäologischen Stätte Chavín de Huáncar, die sich auf 3800 Meter
über Meer an einem östlichen Abhang der Cordillera Blanca im engen Gebirgstal Callejón de Conchucos in der peruanischen Region Áncash befindet.
Peter Fux erläutert im Katalog, dass eine archäologische Kultur das
Konstrukt heutiger Forscher ist. Sie basiert auf kulturellen
Hinterlassenschaften, die auf der Basis ausgewählter Merkmale gruppiert
werden, nach Zeiträumen und Verbreitung, wobei die Hauptfundstelle in der
Regel den Gruppennamen bestimmt. Archäologische Kulturen widerspiegeln nicht
vergangene soziale Strukturen.
In
Chavín de Huáncar befinden sich
Ruinen eines monumentalen Baukomplexes, der in Buch und Ausstellung
eingehend analysiert wird. Chavín de Huáncar war nicht die einzige, aber
wohl die grösste Tempelanlage jener Epoche. Weitere Zentren waren zum
Beispiel Kuntur Wasi, Pacopampa und Kotosh.
In Chavín de Huáncar schufen Menschen unter höchstem Arbeits- und
Kostenaufwand eine mächtige Tempelanlage aus hartem Stein. Sie leiteten
reissende Gebirgsflüsse um und schufen gar künstliche Wasserläufe sowie den
Zusammenfluss zweier Ströme. Peter Fux schliesst daraus auf eine neue Elite,
vermutliche eine priesterliche Kaste, die aus damaliger Sicht den Göttern
nahe stehen musste, um solch Unglaubliches durchsetzen zu können.
Peter Fux nimmt an, dass diese neue Kultur ihr neues Weltbild nicht mit
Waffengewalt und der Hilfe der Schrift, sondern mit Kunst, der
orchestrierten Beeinflussung und Manipulation aller Sinne, durch den
gezielten Einsatz von Licht, psychoaktiven Substanzen, Geräuschen und Musik
durchgesetzt hat.
Schon in der Periode des Initial-Formativums um 3500 bis 1700 vor Christus
wird in der Region eine präkeramische Präsenz nachgewiesen. Im
Früh-Formativum von 1700 bis 1200 vor Christus gibt es wenige Funde. Frühe
Keramik- und Konstruktionsphasen finden sich im Mittel-Formativum um 1200
bis 800 vor Christus. Die schwarz-weisse Bauphase von Chavín de Huáncar
fällt in die Zeit des Spät-Formativums von 800 bis 400 vor Christus, genauer
in die Zeit von 900 bis 550 vor Christus. Im End-Formativum von 400 bis 200
vor Christus hat Chavín de Huáncar keine Funktion als Zeremonialzentrum
mehr. Peter Fux schliesst daraus, dass im Endformativum die Glaubwürdigkeit
des Chavin-Weltbildes erschüttert worden sein muss und sich andere
Gesellschaftsformen der Frühen Zwischenperiode durchzusetzen begannen, nicht
ohne Rückgriffe auf die Errungenschaften des Formativums, wie der Katalog
belegt.
Der Band Chavín: Perus geheimnisvoller
Anden - Tempel kümmert sich wie oben erwähnt nicht nur um Chavin, sondern
auch um andere Kulturen und Fundstellen. So zeigt Tom D. Dillehay von der
Vanderbilt University in Nashville anhand der Analyse der Küstenregion die
politisch-ökonomischen Prozesse auf, die zu grossen und komplex
organisierten Gesellschaften schon bei der ersten Einwanderung nach
Südamerika entstanden.
Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut in Bonn und Johny Isla
vom Instituto Andino de Estudios Arqueológicos in Lima beleuchten die
Paracas-Kultur in Nasca-Palpa an der Südküste Perus, die in den weitesten
Umkreis von Chavin gehört. Sie beleuchten unter anderem die kulturelle
Interaktion der Küste mit dem Hochland, in dem sich auch die Chavin-Kultur
befindet.
Yoshio Onkui, ein emeritierter Professor von der Universität
Tokio, befasst sich mit den Forschungen in Kotosh, dem Becken von Cajamarca
und Kuntur Wasi im Hochland.
Christian Mesía Montenegro vom Museo de Arte Precolombino Casa del Alabado
in Quito, der Gründungsdirektor des Museo Nacional Chavín, beleuchtet die
unterschiedlichen Deutungsmuster von Chavin und deren zeitlichen Wandel. In
seinem forschungsgeschichtlichen Beitrag weist er unter anderem auf fremde
Keramik vor allem aus der Nordküstenregion hin, die in Chavin gefunden wurde
und verrät, dass viele Menschen aus der Küstenregion ins Hochland gekommen
sein müssen. Diese Erkenntnis beruht nicht zuletzt auf den Arbeiten von Luis G. Lumbreras.
Der emeritierte Luis G. Lumbreras von der Universidad Nacional Mayor de San
Marcos in Lima lieferte mit seinen Forschungen entscheidende Erkenntnisse für
das Verständnis der Chavin-Kultur. Insbesondere seine Ausgrabungen und Forschungen
am Runden Platz und der Ofrendas-Galerie sind bedeutsam. Luis G. Lumbreras
fungiert als Kodirektor des Chavin-Projektes. Er hat natürlich ebenfalls ein
entsprechendes
Kapitel des Kataloges verfasst.
Der emeritierte Henning Bischof von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim
untersucht seit langem Chavins Kunst und Ikonografie. Seine
klassisch-kunststilistische Methode mit dem Einbezug bildlicher
Darstellungen bildet einen wertvollen Komplementäransatz zu den übrigen
archäologischen Forschungen.
John W. Rick von der kalifornischen Stanford University gilt als bester
Kenner der Tempelanlage von Chavín de Huáncar. Er leitet das dortige
archäologische Forschungsprojekt. Er geht über eine rein materielle
Betrachtungsweise hinaus und trägt zum Verständnis von Gesellschaft und
deren Funktion bei.
Wie oben erwähnt umfasst der hier besprochene Band über zwei
Dutzend Beiträge führender Wissenschaftler, die Perus Frühgeschichte
erforschen. Der umfangreiche Bildteil des Katalogs illustriert und ergänzt
die Erkenntnisse der Archäologen, die noch immer im Fluss sind.
Chavín: Perus geheimnisvoller
Anden - Tempel. Herausgegeben von Peter Fux. Verlag Scheidegger & Spiess,
Museum Rietberg, Zürich, 2012, 414 Seiten. Buch bestellen bei
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Seite 335 Photo 116: Menschenkopf mit Schlangenhaaren und auslaufender Nase.
Die Menschen nahmen psychoaktive Substanzen, um den Göttern näher zu sein.
Tuffstein, skulptiert, 31,2cm breit, 39cm hoch, 55cm tief, ca. 900-550 v.
Chr. Photo Copyright
© Ministerio de Cultura del Perú, Museo Nacional Chavin, Chavín de
Huántar, region Áncash. / Scheidegger & Spiess.
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Chavín: Perus geheimnisvoller
Anden - Tempel. Herausgegeben von Peter Fux. Verlag Scheidegger & Spiess.
Museum Rietberg, Zürich. 2012, 414 Seiten. Buch bestellen bei
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Die schwarz-weisse Treppe mit Granitstufen links (ursprünglich strahlend weiss)
und die Kalksteinstufen rechts (ursprünglich schwarz). Sie führt entlang der
südlichen Achse vom Grossen Platz zum Kleinen Platz hinauf. Abbildung 103 auf S.
165. Photo Copyright © John W. Rick / Scheidegger & Spiess.

Seite 391 Photo 169: Figurengefäss eines mythischen Wesens. Ton, modelliert,
geritzt, bemalt, gebrannt. Früh-Moche ca. 100-300 n. Chr., 22cm hoch, 16,8cm
breit. Photo Copyright © Banco Central de Reserva del Perú, Lima /
Scheidegger & Spiess.
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