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Mario Vargas Llosa gewinnt den Nobelpreis für Literatur
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Artikel vom 7. Oktober 2010. Riga um 21:16 Ortszeit
  
Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa gewinnt den Nobelpreis für Literatur. Die Nobelpreis-Akademie verkündete heute, am 7. Oktober 2010, der liberale Autor verdiene den Preis für seine „Kartographien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums.“

Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa (Peru) geboren. Der Sohn des Rundunkjournalisten Ernesto Vargas Maldonado wuchs mit seiner Mutter, Dora Llosa Ureta, auf. Sie stammte aus einer Mittelklassefamilie, die aus Spanien eingewandert war. Mit seiner Mutter lebte Mario in Cochabamba (Bolivien) und Piura (Peru), wo sein Grossvater mütterlicherseits Präfekt geworden war. Erst 1946 lernte er seinen Vater kennen. Die Eltern, die sich vor seiner Geburt getrennt hatten, versöhnten sich, zog zusammen und lebten in Lima. Der Vater schickte Mario drei Jahre auf die Militärschule Colegio Militar Leoncio Prado in der Hafenstadt Callao. Danach studierte er in Lima Rechtswissenschaften und Literatur, wobei er nur das Literaturstudium beendete. In Lima und in Piura arbeitete er auf der Redaktion einer Lokalzeitung. Er engagierte sich in der kommunistischen Widerstandgruppe Cahuide, die sich gegen die Diktatur von Manuel Odria einsetzte. Dank eines Stipendiums konnte er nach Madrid ziehen, wo er 1958 promovierte. Von 1958 bis 1974 lebte er fast durchwegs in Europa (so in Paris, London und Barcelona).

Mario Vargas Llosa übte sich in vielen Genres. Er schrieb für Zeitungen, verfasste Theaterstücke, Essays, Kriminalromane, Thriller, Komödien, historische Romane sowie politische und literaturwissenschaftliche Schriften. Mit Ein Fisch im Wasser (El pez en el agua) verfasste er 1993 seine Autobiographie.

1952 kam sein erstes Theaterstück, Die Flucht des Inkas (La huida del inca) auf die Bühne. Sein erster gewichtiger Roman erschien 1962: Die Stadt und die Hunde (La ciudad y los  perros). Für diese Abrechnung mit den Militärs und der Militärschule erhielt er 1962 den Premio Biblioteca Breve des Verlags Seix Barral und den Premio de la Critica der spanischen Literaturkritiker. In Gespräch in der Kathedrale von 1969 schilderte Mario Vargas Llosa die Zeit unter der korrupten Militärregierung des populistischen Generals Odria (1948-56), wobei er bei der Schilderung vieler Einzelschicksale mit Kritik an seinen Landsleuten nicht sparte. Ebenfalls politische Themen behandelte er in Der Krieg am Ende der Welt (1982) und in Maytas Geschichte (1984), die vom Fanatismus  eines revolutionären Trotzkisten und Aussenseiters, vom Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Vorstellung, zwischen Geschichte und Roman handelt. Alle seine Werke und die dafür gewonnen Preise lassen sich nicht aufzählen. Hier sei nur noch auf den Cervantes-Preis von 1994 und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels von 1996 verwiesen.

Für einen politisch engagierten Schriftsteller in Lateinamerika ungewöhnlich setzt sich Mario Vargas Llosa für liberale Ideen ein. In jungen Jahren stand er noch politisch Links, als Mitglied der kommunistischen Untergrundorganisation. Er soll Mitglied der Christdemokraten gewesen sein, mit denen er gebrochen habe, weil er zu einem Anhänger der kubanischen Revolution geworden sei. 1987 führte der geläuterte Schriftsteller den Protest gegen die Verstaatlichung der Banken Perus durch den unfähigen linken Politiker Alan Garcia an, der das Land in den Abgrund trieb und so das Terrain für Alberto Fujimori bereitete. 1990 bewarb sich Mario Vargas Llosa als Vertreter der Demokratischen Front (bestehend aus AP, PPC und ML) mit liberalen Ideen erfolglos bei der peruanischen Präsidentenwahl, die der Aussenseiter Alberto Fujimori gewann. Mit seinem sachlichen Wahlkampf hatte der als Favorit gestartete Schriftsteller in der Stichwahl gegen den Populisten Fujimori keine Chance. Der Schreibende sah den Autor ein oder zwei Jahre danach in Genf bei einer Lesung. Ein Zuhörer attackierte Vargas Llosa damals wegen seiner lockeren Art, wie er die von ihm vergeigte Wahl in seiner Rückschau behandelte. Vargas Llosa war übrigens nur drei Tage nach seiner Wahlniederlage zurück nach Europa geflogen. Das Gros der Anwesenden nahm den Schriftsteller in Genf allerdings sofort hörbar in Schutz.

Der Schriftsteller lieferte 1973 die Vorlage (1975 erstmal verfilmt) für den erfolgreichsten peruanischen Film aller Zeiten, Pantaleón y las visitadoras von 1999. Der unterhaltsame Film verdankte seinen Erfolg beim grossen Publikum allerdings wohl weniger dem literarischen Gehalt der Vorlage von Mario Vargas Llosa als vielmehr den leicht bekleideten Schauspielerinnen und einigen Sexszenen, wobei aus der „Brasilianerin“ im Original die „Kolumbianerin“ wurde, da Angie Cepeda aus Kolumbien stammt und die Rolle grossartig verkörpert.

Zurück zur Biografie von Mario Vargas Llosa. Mit 18 Jahren heiratete er 1955 die - je nach Quelle zehn bis fünfzehn Jahre - ältere Julia Urquidi, die Schwester einer Schwägerin seiner Mutter. Tante Julia und der Kunstschreiber ist die literarische Verarbeitung seiner ersten Ehe, die kinderlos blieb und 1964 geschieden wurde. Bereits im folgenden Jahr heiratete er in Lima seine Cousine Patricia Llosa, die er an der Sorbonne in Paris kennengelernt hatte und mit der er drei Kinder hat. Er lebt die meiste Zeit in London, daneben in Paris, Madrid und Lima.






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