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Ernst Scheidegger: Alberto
Giacometti. Spuren einer Freundschaft
Artikel vom 1. März 2013
Eine lange Freundschaft
Zum 50. Geburtstag des Verlages legt Scheidegger &
Spiess den Giacometti-Klassiker
Spuren
einer Freundschaft des Verlagsgründers Ernst Scheidegger neu auf.
Dabei handelt es sich nicht einfach um eine simple Neuauflage, sondern als
Novität enthält der Band zusätzlich zu den bekannten Schwarzweissfotos rund
50 Aufnahmen in Farbe, die der Fotograf jüngst in
seinem Archiv fand und die zumeist noch unveröffentlicht sind.
Ernst Scheidegger lernte 1943 während seines Militärdienstes in Maloja den
1901 geborenen Jahrhundert-Künstler Alberto Giacometti kennen. Giacometti
hatte 1935 seine surrealistischen Phase abgeschlossen und begonnen, seinen
eigenen, unvergleichlichen Skulpturenstil zu entwickeln. Im Zweiten
Weltkrieg kehrte er in seine Schweizer Heimat zurück.
In den folgenden gut zwei Jahrzehnten bis zum Tod von Alberto Giacometti im
Jahr 1966 blieben die zwei eng befreundet. So entstanden unzählige Photos
von Giacometti, darunter Portraits, Aufnahmen seiner Skulpturen und Gemälde,
Fotos des Künstlers bei der Arbeit, dem Lebens- und Arbeitsumfeld in Paris
sowie dem Künstler im heimatlichen Bergell.
Ernst Scheidegger kann seine Fotografien nicht genau Datieren und ordnete
daher seine Aufnahmen in fünf Gruppen zusammen: Aufnahmen aus dem Bergell -
aus Stampa und Maloja; Fotos aus Paris aus den Jahren 1948 bis 1953;
chronologisch gegliederte Aufnahmen von Plastiken; Paris um 1955 bis 1965;
das Atelier in Stampa nach dem Tod des Künstlers 1966.
Fast alle Begegnungen und die daraus entstandenen Aufnahmen waren eher
intimer Art. Ernst Scheidegger fotografierte Alberto Giacometti fast
nie im Beisein von Freunden und anderen Menschen.
Die erste Begegnung
Die Begegnung 1943 kam zustande, als Ernst Scheidegger als junger Soldat im
fast ausgestorbenen Maloja einquartiert war. Er erfuhr von der Anwesenheit
von Alberto Giacometti im Sommerhaus seiner Familie. Auf der Suche nach dem
Künstler stolperte er über Dutzende von bemalten und behauenen Steinen, die
vor dem Haus herumlagen. Später erfuhr Ernst Scheidegger, dass diese von
Max Ernst stammten, der 1935 bei Giacometti zu Besuch war. Zuerst traf Ernst
Scheidegger auf die Mutter Albertos, Annetta, mit ihrem streng gezeichneten Gesicht,
dem prägnanten Kinn und einem grossen, grauen Haarschopf. Sie verwies ihn
auf den ehemaligen Stall, der von ihrem Mann, dem berühmten Maler Giovanni
Giacometti vor Jahren in ein Atelier für seinen Sohn umgebaut worden war.
Durch die offene Tür betrat Scheidegger einen grossen, hellen Raum, in dem
der Künstler an der Arbeit war. Giacometti war über den Besuch nicht
überrascht, grüsste, beachtete den jungen Mann in Uniform kaum und arbeitete
weiter. Erst als ihm klar wurde, dass Scheidegger wegen ihm gekommen war,
legte er sein Messer beiseite und begann sich mit dem jungen Soldaten zu
unterhalten. Auf dieses erste Gespräch folgten tägliche Besuche, die Ernst
Scheidegger eine neue, unbekannte Welt eröffneten und eine Freundschaft auf
Lebenszeit begründeten.
Ernst Scheidegger beschreibt das Atelier genau, in dem er Alberto Giacometti
zum ersten Mal traf. An teilweise bemalten Holzwänden lehnten umgedrehte
Leinwände, davor Kisten und Truhen, auf denen Stein- und Gipsköpfe lagerten.
Mitten im Raum stand die hohe Figur einer Frau mit eng anliegendem Armen auf
einem fast quadratischen Sockel. Am Fuss war mit Bleistift folgende
Gleichung notiert: 1 + 1 = 3. Giacometti arbeitete mit einem kleinen,
rostigen und gipsverschmierten Taschenmesser an einem winzigen
Gipsfigürchen. Der junge Soldat war beeindruckt.
Der Fotograf
Ernst Scheidegger wurde 1923 in Zürich geboren. Er besuchte die Fotoklasse
an der Kunstgewerbeschule Zürich und arbeite als freier Fotograf für die
Fotoagentur Magnum. 1956/57
unterrichtete er mit Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und
baute in indischen Ahmedabad eine Schulde für Design auf. Von 1960 bis 1980
war er Redaktor der Bildbeilage Das Wochenende der Neuen Zürcher Zeitung.
Daneben führte er eine Galerie, arbeitete machte Dokumentarfilme, arbeitete
als Buchgestalter und gründete 1962 den
Verlag Ernst Scheidegger, den er seit 1997 zusammen mit Heiner Spiess unter
dem neuen Namen Verlag Scheidegger & Spiess fortführt. 2012 erhielt er
die Goldene Ehrenmedaille des Kantons Zürich für kulturelle Verdienste. Mit
der Erstausgabe von 1990 des vorliegenden Buches wurde er international
bekannt.
Nebenbei erwähnt: Die meisten Schweizer tragen Giacometti und Scheidegger in
der Brieftasche! Die 100-Franken-Note der Schweizerischen Nationalbank ziert
eine Fotografie von Alberto Giacometti, die von Ernst Scheidegger
aufgenommen wurde.
Ernst Scheidegger: Alberto Giacometti. Spuren
einer Freundschaft. Traces of a Friendship. Deutsch-Englische Neuauflage des
Klassikers mit zusätzlich zu den vielen Schwarzweissfotos neu rund 50 Farbfotos. Scheidegger &
Spiess, Februar 2013, 247 Seiten. Bestellen bei
Amazon.de.
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Einfach nur grossartig!

Alberto Giacometti sitzt am Arbeitstisch in Stampa, an dem er seit seinen
frühen Jugendjahren immer wieder arbeitete. Katalog Seite 231. Photos ©
Ernst Scheidegger / Scheidegger & Spiess.
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Ernst Scheidegger: Alberto Giacometti. Spuren
einer Freundschaft. Traces of a Friendship. Deutsch-Englische Neuauflage des
Klassikers
mit zusätzlich zu den vielen
Schwarzweissfotos neu rund 50 Photos in Farbe. Scheidegger &
Spiess, Februar 2013, 247 Seiten. Bestellen bei
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- Weitere Artikel zu Alberto Giacometti:
Giacometti in Wolfsburg
2011,
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Alberto Giacometti arbeitet an einer Figur, die er als Partner zur Plastik „L'homme
qui pointe“ von 1947 entwickelte. Katalog Seite 91. Photos © Ernst Scheidegger /
Scheidegger & Spiess.
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