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Restaurant Caelis
Barcelona
Küchenchef Romain Fornell
Artikel vom 17. März 2007
Barcelona verwandelt sich immer mehr in
eine Gourmet-Destination. Bis März 2006 feierte
sich die Stadt als gastronomische Hauptstadt Kataloniens und blickt auf 600 Jahre Kochkunst
zurück.
Die ersten in einer romanischen Sprache verfassten Kochrezepte, die Sent Soví,
wurden im 14. und 15.
Jahrhundert auf katalanisch verfasst. Vor rund 600 Jahren schrieb deshalb der
Berater des französischen
Königs, Francesc Eiximenis, die Katalanen ässen mit mehr Grazie und besser als
alle anderen Nationen.
Seit dem Ende der Franco-Diktator versucht eine Reihe von katalanischen Köchen
an diese glorreiche
Tradition anzuknüpfen und wieder in der kulinarischen Weltelite mitzuspielen. Zu
den jüngeren dieser
Zunft gehört der Ende 1976 im französischen Toulouse geborene Romain Fornell.
Der Sohn katalanischer Einwanderer wollte ihn Toulouse zuerst Sommelier werden,
ehe er bei
einem Praktikum im Restaurant
Pastel seine wahre Passion, die Küche, entdeckte. Seine Ausbildung
beendete er als Jahrgangsbester und bester Jungkoch der Region Midi-Pyrénées.
Nach einigen Stationen des Lernens eröffnete er bereits 1998 sein eigenes
Restaurant.
Bald darauf zog es ihn jedoch nach Paris, wo er zuerst bei Alain Ducasse und Jean-François Piège
sowie im legendären Taillevent seine Kenntnisse vertiefen konnte. Im Gespräch
erläuterte
Fornell, dass er in diesen Drei-Sterne-Restaurants vor allem den Respekt vor dem
Produkt
lernte und zudem das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten erhielt, was ihm die
Kraft gab,
2000 sein Gourmetrestaurant Chaldete in Paris zu eröffnen.
Innerhalb von nur zwei Monaten schaffte er es, sein Lokal regelmässig komplett
zu füllen.
Bereits im Jahr darauf verlieh im Michelin den ersten Stern. Dadurch wurde er
zum
jüngsten französischen Sternekoch in der Geschichte des Gourmetführers.
Doch Fornells Wunsch, nach Barcelona zurückzukehren, blieb in Katalonien nicht
unbemerkt. Bei einer Reise in die Stadt kontaktierten ihn die Verantwortlichen
des Restaurants
Diana im Hotel Ritz, das seit August 2005
Hotel Palace
heisst.
2002 begann der junge Koch seine neue Karriere im Ritz, mit einer völlig neuen
Mannschaft, in
einer neuen Küche und mit einem neuen Konzept, das ihm alle Freiheiten liess. Im
Frühling
2004 schliesslich zog das Restaurant innerhalb des Hotels um und eröffnete neu
unter
dem Namen Caelis. Das neue Ambiente verbindet Klassizismus mit Minimalismus.
Fornell ist hier nicht nur Küchenchef, sondern zudem Mitbesitzer.
Das Caelis arbeitet mit den besten lokalen Produkten der Saison. Zusätzlich
wechselt ein Gericht
wöchentlich. Fornell wünscht sich, dass sich seine Gäste weniger an die
Präsentation,
als vielmehr an das Gegessene erinnern. Er ist von der aktuellen französischen
und katalanischen Küche inspiriert. So präsentiert er klassische lokale Gerichte
auf seine
Weise neu. Der Geschmack steht bei ihm im Vordergrund, wobei er noble
Materialien
auf die jeweils beste Art zubereitet.
Mein vegetarisches Probiermenu begann mit einer knusprigen, karamellisierten
Tomate
sowie einem traditionellen Parmesanstäbchen. Zum Aperitif wählte ich auf anraten
des
Sommeliers einen Cava, Creu de Lavit 2003. Der Produzent Segura Viudas aus der
Region
Penedes verwendet für diesen 13-Prozenter Xarel.lo-Trauben. Diese
katalanische Sorte
ist eine von dreien, die traditionellerweise für diesen Schaumwein verwendet
wird.
Sie ist leicht und trocken wie ein Chardonnay, ideal um geschmacksintensive
Produkte
wie Trüffel zu begleiten.
Mein erster Gang bestand folgerichtig aus katalonischen schwarzen Trüffeln en
parmentier
sowie Eigelb und Zwiebeln. Er brachte allerdings nicht die erwartete
Geschmacksexplosion,
sondern war eher diskret gewürzt.
Der nachfolgende zart-dünne Artischockenkuchen mit Böhnchen und Erbsen,
unter anderem an einem Balsamico aus der Emiglia Romagna abgeschmeckt, waren
von einigen schwarzen Trüffeln begleitet. Ein subtiler Leckerbissen.
Als Hauptgang offerierte Fornell einen Morchelrisotto mit Grünspargel und
Kürbis,
zu dem der Sommelier einen Verdejo 2004 des Weinkellers Palacio de Bornos aus
der
Nordspanischen Region Rueda empfahl. Dieser aromatische Wein vermählte sich gut
mit den Morcheln und wirkte als Geschmacksverstärker. Zudem bildete der
Risotto zusammen mit dem Gemüse und dem Verdejo ein bezauberndes Gesamtbouquet.
Als pré-dessert classique à la française probierte ich einige Käse,
darunter
einen Lllavin, Blau de Centelles. Dieser Kuhmilchkäse ist etwas weniger
gesalzen
und intensiv als der Rocquefort und nicht wirklich "blau", hat aber seine
Qualitäten, auch wenn er nicht an den einzigartigen Rocquefort heranreicht.
Meine zweite Wahl viel auf einen Musser en aceite aus der Stadt Cerdanya.
Dieser
Ziegenkäse in Öl schmeckte zu meinem Erleichtern nicht zu sehr nach dem Tier.
Als Schweizer konnte ich abschliessend einem gut gesalzenen und intensiven Gruyère
nicht widerstehen, der nicht enttäuschte. Alle Käse wurden von Quittenmarmelade
begleitet.
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Eine Interpretation rund um die Erdbeere war mein erstes Dessert: Auf einen
leichten
Milkshake folgte ein gelungenes Consommé und abschliessend eine luftige
Zuckerwatte. Das begeisternde zweite Dessert bestand aus einer Kombination
aus Karamell und Schokolade: Eine leichte Mandelcrèmesuppe wurde von einer
Kugel Vanille-Glacé mit zerkrümelten Karamell-Schokolade-Biskuits präsentiert,
die
eine perfekte Zusammenstellung bildeten.
Ganz zum Schluss wurde ein Pflanzenwägelchen herangeschoben. Ich fragte mich
bereits, ob man die Sache mit dem Vegetariersein nicht richtig erfasst hatten,
als ich
realisierte, dass es sich dabei um Minze-, Eisenkraut- und Rosmarinblätter
handelte,
die frisch von der Pflanze direkt vor dem Gast für einen Kräutertee gepflückt wurden.
Romain Fornell offeriert eine ausgezeichnete Küche, wobei ich als
Vegetarier nicht einmal die Möglichkeit hatte, seine wahren Stärken zu prüfen,
die
bei Fleisch und Fisch liegen. Vegetarische Gerichte figurieren nicht auf der
Karte, da
sie fast nie gefragt werden. Auf Wunsch kreiert der Chef natürlich welche,
in meinem Fall mit Brio. Der Schreibende ist mit seinem Eindruck nicht allein,
denn der Michelin-Führer hat dem Caelis im November 2005 den ersten Stern
verliehen.
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Photo
© Restaurant Caelis Barcelona.

Photo
© Restaurant Caelis Barcelona.

Romain Fornell. Photo
© Restaurant Caelis Barcelona.
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