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Restaurant
Lorenz Adlon
Kritik des Gourmet-Restaurants in
Berlin und Biografie von Küchenchef Thomas Neeser
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Hotel Adlon.
Artikel vom 16. März 2006
Das Berliner Gourmet-Restaurant Lorenz Adlon,
benannt nach dem legendären
Hotelgründer, trumpft nicht nur mit
kulinarischen Genüssen, einem Michelin-Stern und 17 Punkten und drei Hauben bei
Gault Millau auf, sondern zudem mit dem unüberbietbaren Blick auf das
Brandenburger Tor mit der Quadriga.
Thomas Neeser wirkt hier seit dem Jahr 2000 als Küchenchef. Er legt den Akzent
auf die Verwendung erstklassiger Produkte. Er wechselt die Karte alle zwei
Monate, das Saison-Menu monatlich. Das Lorenz Adlon ist der klassischen
französischen Küche verpflichtet, die etwas leichter, zeitgenössisch
interpretiert wird. Bei den Menus legt Neeser Wert auf den roten Faden, auf die
Harmonie zwischen den einzelnen Gängen. Sommelier Arno Steguweit hilft ihm dabei
vortrefflich.
Für gute Stimmung im Restaurant sorgt seit April 2004 Restaurantleiter Gerhard
Retter mit seiner unnachahmlichen Mischung aus österreichischem Charme und
Schmäh. Retter, der zuvor für Witzigmann und Girardet gearbeitet hat, ist zudem
ausgebildeter Wein- und Käse-Sommelier. Im Jahr 2000 wurde er in Österreich als
bester Käsesommelier ausgezeichnet. Unter den vielen weiteren Auszeichnungen sei
auf den "Oberkellner des Jahres" im Gault Millau 2006 verwiesen. Nicht zuletzt
dank Gerhard Retter kehrt der Gast gerne ins Lorenz Adlon zurück.
Die Lage und der Ruf machen das Hotel wie das Restaurant zur begehrten Adresse
der Prominenz. So dinierte am Abend unseres Testessens nebenan der spanische
Ministerpräsident Zapatero, den der Schreibende am liebsten gleich kurz
interviewt hätte, doch die Diskretion im Adlon verpflichtet zur Zurückhaltung.
L.G.
Ein Dinner im Lorenz Adlon
Getestet von Torge Hamkens im Februar 2006
Mit der Wiedereröffnung des Lorenz Adlon im August 2005 präsentiert das
Sternerestaurant am Brandenburger Tor eine komplett neue Menükarte. Brillant
sind insbesondere die von Küchenchef Thomas Neeser komponierten Weinmenüs, mit
denen er die im Lorenz Adlon zelebrierte feine französische Küche zu grandiosen
Höhenflügen bringt. Offeriert wird das siebengängige „Menu Dégustation“, das
im folgenden beschrieben wird. Als kleinere Variante gibt es das aus fünf Gängen
bestehende „Le Menu de la Saison“, das den Gast unter anderem mit Loup de Mer
unter der Petersilienkruste mit weißem Zwiebelconfit, geschmorter Paprika und
Limonenbuttersoße verwöhnt.
Bei der Auswahl der zu den Menüs passenden Weine berät sehr kompetent Sommelier
Arno Steguweit, während Restaurantleiter Gerhard Retter, vom Gault Millau zum
Maître des Jahres 2005 gekürt, in souveräner Regie durch den Abend führt. Sein
harmonisch-feines Gespür für die individuellen Wünsche des Gastes, sein
mondän-elegantes Auftreten, das sich fernab jeder Arroganz bewegt, und sein
natürlicher Charme, einer genußvollen Plauderei nie abgeneigt, verleihen dem
Lorenz Adlon kaum zu übertreffenden Glanz.
Für den Autor dieser Zeilen begann „Le Menu Dégustation“ mit zwei
Willkommengrüßen aus der Küche, von denen eine Kreation aus Ochsenschwanz, roter
Beete und einer cremig-würzigen Mousse aus Maronen in besonderer Erinnerung
blieb.
Der erste Gang bot iranischen Imperial Kaviar, den Blattgold zierte und der auf
zweierlei Schichten von Taschenkrebsgelee mit Möhren und kaltem Gurkenschaum
thronte. Der Kaviar-Geschmack kam hervorragend zur Geltung. Begleitet wurde die
Kombination von einem gegrillten und mit Meerrettichcreme bestrichenen kleinen
Streifen Schwarzbrot sowie einem kräftigen Dom Pérignon von 1998.
Das folgende harmonisch komponierte Beignet von Kaisergranat auf Auberginencreme
mit Pflaumen-Ingwerchutney unterstrich, dass Küchenchef Thomas Neeser die
Zubereitung ganz auf das jeweilige Produkt fokussiert. Die Langustine kam
wunderbar zur Geltung und wurde von feinen Tönen aus Apfel und Koriander im
Ingwerchutney umspielt. Als Wein empfahl sich ein leichter Sancerre „Cuvée
Flores“ von Vincent Pinard an der Loire.
Ein weiterer Zwischengang bot glasierte Sot l’y laisse auf Madeira. Diese zarten
Pouletfilets stammen, wie mir Gerhard Retter auf Nachfrage mit einer
anschaulichen Geste erläuterte, aus zwei kleinen Vertiefungen im Pouletrücken.
Grünes Pfeffersabayon, Romanesco-Gemüse und confierte Birnenspalten ergänzten
die überaus geschmacksintensive Kreation. Große Intensität bewies auch der dazu
gereichte 2003er Dahlsheimer Hubacker Riesling vom Weingut Klaus Keller aus
Rheinhessen. Dieses Große Gewächs betörte den Gaumen mit wuchtigen Aromen und
einem für Weißweine außergewöhnlich hohen Alkoholgehalt von 13,5 %. Da die Säure
des Rieslings zudem komplett eingebunden war, potenzierte er die
Geschmacksintensität der Pouletrückenfilets statt sie zu ergänzen. Ein
unerwartetes Erlebnis!
Nach dem geschmacklichen Trommelwirbel umschmeichelte der perfekt gegarte und
daher sehr angenehm bissfeste Atlantik Steinbutt mit Champagnerbutterschaum,
Kürbiscannelloni, Petersilienemulsion und Alba Trüffeln den Gaumen gleichsam im
Gleitflug. Ein leichter Puligny-Montrachet „Sous le Puits“ aus der Domaine
Verget im Burgund machte dem edlen Steinbutt gebührende Ehre.
Bevor das „Menu Dégustation“ seinen kulinarischen Höhepunkt erreichen sollte,
sorgte ein erfrischendes Zitronensorbet mit braunem Zucker für ein
retardierendes Moment und die notwendige Neutralisierung der Geschmackssinne.
In der Tat erklomm das gebratene Filet vom Wagyu-Beef mit geschmolzener
Gänsestopfleber einen kulinarisch imposanten Gipfel. Das äußerst zarte und
sehr geschmackvolle Fleisch japanischer Provenienz, bekannt wegen seiner
intensiven intermuskulösen Maserung, war mit einer Kartoffel-Steinpilzgalette
kombiniert. Die feinen Holznoten eines 1994er Château Haut-Brion 1er Grand Cru
Classé umspielten den Geschmack des Filets in perfekter Harmonie.
Die ausgezeichnet präsentierte Käseauswahl vom Wagen des Maître Antony sorgte
mit einem 30 Jahre alten Taylor’s Tawny Portwein für einen runden Ausklang.
Als Dessert wurden abschließend eine Délice von Zwetschge und Topfen, eine mit
Orange und Zitrone parfumierte Topfenmousse sowie Topfeneis auf Zwetschgengelee
mit kandierten Veilchenblättern gereicht. Küchenchef Thomas Neeser bewies auch
in der Kategorie Dessert, dass er sein Handwerk in großer Perfektion beherrscht.
Ein vegetarisches Dinner im Lorenz Adlon
Getestet von Louis Gerber im Februar 2006
Das Lorenz Adlon ist der klassischen französischen Küche gewidmet, wobei den
Vegetariern kein besonderes Augenmerk geschenkt wird. Sollten Sie weder Fleisch,
Fisch noch Meeresfrüchte essen, sollten Sie dies wie der Schreibende unbedingt im voraus kundtun.
Der Abend begann mit einem Dom Pérignon (1998), dem Haus-Champagner des Hotels. Der Gruss aus der Küche zeigte bereits, dass bei Thomas Neeser das Auge
immer mitisst: Die Komposition von Gurke und roter Bete an geliertem
Gurkenschaum, mit roter Betecreme, Gurkengelee und Shisokresse machte Lust auf
mehr.
Der Schreibende testete einige Rieslinge, wobei der 2004 Monzinger
Frühlingsplätzchen Kabinett trocken vom Weingut Emrich Schönleber (Nahe) als
unaufdringlich, feinfruchtig und filigran in bester Erinnerung blieb.
Der erste Gang mit weissen Alba-Trüffeln, mit Trüffeln aromatisiertem Rahmspinat
und roh marinierten sowie gebratenen Steinpilzscheiben mit Steinpilzkompott
mundete leicht und dezent. Küchenchef Neeser setzte hier auf eine Küche der
Harmonie, nicht der Kontraste oder Geschmacksexplosionen.
Das Velouté von Salatjulienneherzen und gedünstetem Strunk mit frisch gehobelten
Perigordtrüffeln war cremig und elegant. Dazu wurde ein kräftiger
Riesling aus Rheinhessen 2003 Dalsheimer Hubacker vom Weingut Klaus Keller
serviert.
Eine Zucchiniblüte auf kalter Sauerampfercreme, mit Perlgraupen, Tomate, Mascarpone und Basilikum gefüllt, wurde an im Ofen geschmorter Tomatenmarmelade
und einer Marsala-Vanillereduktion angerichtet. Die Präsentation war Ton in Ton,
der Geschmack subtil, die Zutaten erstklassig.
Nach einer Kugel Zitronensorbet ohne bitteren Nachgeschmack und mit braunem Zucker obenauf folgte eine Variation von Muskatkürbis und Maronen,
bestehend aus einem Soufflé vom Kürbis, Canelloni vom Kürbis, gedünstetem Kürbis, Millefeuille von roh mariniertem
Kürbis mit seinem Frisée sowie Maronenschaum und glasierten Maronen. Das
Resultat war kräftig im Geschmack, ohne jedoch dem Schreibenden Ahs und Ohs zu
entlocken.
So unglaublich es klingt, doch da war noch Platz für Käse vom Wagen
Mâitre Antony. Der Schreibende entschied sich unter anderem für einen
Rocquefort sowie einen Anneau Vic Bilh Ziegenkäse. Die begleitenden Zutaten wie
Kirschenmarmelade und Feigen-Senf schmeckten so ausgezeichnet wie die Käse des
Elsässers mit dem herausragenden Ruf.
Den Abschluss des gelungenen Abends bildete eine Geometrie von Valrhona
Extrabitter-Schokolade und Himbeeren. Dazu gehörten eine Mousse, ein
Milchschokoladenparfait, ein gebackener lauwarmer Schokoladenkuchen, warme Schokoladen-Carnache, marinierte Himbeeren, Himbeerfruchtmark und
Himbeerparfait.
Das vegetarische Dinner bot Gourmetniveau. Dennoch ist bei aller Freude über die
Präsentation und die hervorragenden Zutaten hervorzuheben, dass das Lorenz Adlon (noch) nicht der
ideale Ort für fleisch- und fischlose Hauptgänge ist. Thomas Neeser kann es verschmerzen, denn vegetarische
Küche wird so gut wie nie verlangt.
Biografie von Küchenchef Thomas Neeser
Thomas Neeser wurde 1973 in Ochsenfurt in Unterfranken geboren. Nach seiner
Ausbildung zum Koch im Würzburger Hotel Maritim, in dem ihm Küchenchef Herr Koch
die Liebe zum Metier beibrachte und die Möglichkeiten in der Gastronomie
aufzeigte, zog es Neeser ins Restaurant Die Ente vom Lehel. Es besass einen
Michelin-Stern und bedeutete den Schritt des jungen Kochs in die Gourmetwelt. Danach arbeitete Neeser als Demi-Chef im Restaurant Pfeffer und Salz in Viernheim, das damals
ebenfalls einen Michelin-Stern besass. Küchenchef Liebold, der in den 1960er und
1970er in Frankreich gearbeitet hatte, brachte Neeser die Grundkenntnisse der
französischen Küche bei. Anschliessend arbeitete Neeser als Demi-Chef im
Zwei-Sterne-Restaurant Michel Chabran in Pont-de-l'Isère. In Chabrans
klassisch-französischer Küche kamen kräftige Rotweine, viele Trüffel sowie
Geflügel in der Küche zum Einsatz. Anschliessend wirkte Neeser in Cannes in der
mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Palme d'Or, wo er 1996-1997 von
Christian Willer in die hohe Kunst der Fischgerichte eingeweiht wurde. Von
Dezember 1997 bis ins Jahr 2000 kochte Neeser in der elsässischen Feinschmecker-Institution
der Haeberlins in der Auberge de l'Ill. Vater Paul und Sohn Marc Haeberlin haben sich dort drei
Michelin-Sterne erkocht. Sie pflegen die klassisch-französische Küche. Von ihnen
lernte Neeser viel über Gänseleber, Wild- und Schmorgerichte. Im Jahr 2000 kam
Neeser schliesslich zuerst für zwei Jahre als stellvertretender Küchenchef ins Restaurant Lorenz Adlon im
Hotel Adlon.
Unter der Führung von Executive Chef Karlheinz Hauser sowie danach unter Rainer
Sigg half er, das Gourmetrestaurant mit aufzubauen. Im Jahr 2002 wurden die
Bemühungen mit einem Michel-Stern belohnt, den das Lorenz Adlon nach dem Weggang
von Hauser nach einem einjährigem Unterbruch unter Sigg und Neeser wieder
gewann. Nach dem Weggang von Sigg im April 2005 konnte das Restaurant - nun
unter der alleinigen Leitung von Küchenchef Thomas Neeser - verteidigen. L.G.
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Blick ins Restaurant Lorenz Adlon. Photo © Hotel Adlon Kempinski Berlin.

Blick vom Restaurant aufs Brandenburger Tor. Photo © Hotel Adlon Kempinski Berlin.

Restaurantleiter Gerhard Retter. Photo © Hotel Adlon Kempinski Berlin.

Küchenchef Thomas Neeser. Photo © Hotel Adlon Kempinski Berlin.
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