www.cosmopolis.ch
Nr. 74, August 2005
Deutsche Ausgabe  Archiv  Politik  Geschichte  Kunst  Film  Musik  Lebensart  Reisen 
English edition
  Archives  Politics  History  Art  Film  Music  Lifestyle  Travel
Edition française  Archives  Politique  Histoire  Arts  Films  Musique  Art de vivre  Voyages

© Copyright 1999-2005  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.

Relais Le Jardin   
Das Restaurant im Hotel Regency in Florenz

Artikel vom 2. August 2005 von Raban Daniel Fuhrmann
 
Zum Wohlfühlen gehört auch und gerade das Essen: dies wissen die Italiener - mit ihrer Ars Vivendi - schon seit alters her. Es überrascht darum nicht in solch einem auf Genuß ausgerichteten Zuhause wie dem Hotel Regency in Florenz auch eins der exquisitesten Restaurants der an kulinarischen Perlen nicht gerade armen Toskana zu finden. Das "Relais Le Jardin" gilt als eines der besten Lokale von Florenz. Unter dem Chef de Cuisine Rino Pennucci wird im Relais Le Jardin eine geradezu bezaubernde lokale Küche mit weitem geschmacklichem Horizont gepflegt.

Die toskanische Kochkunst zeichnet sich generell durch ihre ungekünstelte, eher deftige Art aus, die sich von der Eigenart der regionalen Zutaten und der Gaumenfreude am Authentischen mehr inspirieren läßt, wie von aufgesetzter Kochkünstelei. Die der Nouvelle Cuisine (wie der modernen Malerei) immanente Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren, umgeht Chef Pennucci mit seiner gekonnt geerdeten Kochart auf sehr geschmackvolle weise. Was im Relais Le Jardin die Küche verläßt, ist keine Kunst um ihrer selbst willen, keine Inszenierung postmodernistischen Gastronomiebetriebs, sondern reelle und aufrichtige Lust am Kochen und Genießen: echte Feinschmeckerei in familiärer Atmosphäre.

Das familiäre von Hotel und Restaurant zeigt sich nicht nur vor, sondern auch in der Küche
; Rino Pennucci hat quasi im Haus gelernt. Aus der Camapagne stammend, hat er im 2-Sterne Restaurant des zur Eigentümerfamilie gehörenden Restaurants im Hotel Lord Byron in Rom seinen letzten Schliff erhalten. Er folgte seinem Bruder 1997 in die Küche des
Regency, wo er ihn 1999 als Chefkoch ablöste. Mit gerade 30 Jahren ist er in die Riege der besten Köche Italiens aufgestiegen; 2003 ausgezeichnet mit der Goldmedaille vergeben durch den italienischen Ministerrat für beste italienische Kochkunst.

S
eine Küche ist geprägt einerseits von einem geschmeidigen Umgang mit den saisonalen und regionalen Zutaten und Spezialitäten, ohne aber bieder oder verstaubt zu wirken. Seine Kreationen sind erfrischend und abgerundet mit einer breiten Palette an Geschmacksvariationen, die weit über das traditionell toskanische hinausreichen. Seine Pasta-Kreationen, besonders die Fettucini, sind herausragend. Seine Süßspeisen knüpfen an 150 Jahre Habsburger Herrschaft über die Toskana an und lassen Anleihen an Wiener Feinkonditorei erkennen.

D
as Menü, welches ich mit meiner Frau genoß, umfaßte:
- ein
Carpaccio vom Tintenfisch auf Gemüsebett mit Balsamico Vinaigrette
- ein ein traditionell toskanisches "Tonno del Chianti" mit hausgemachtem Chutney
- glasierte Paccheri mit Muscheln und Tintenfisch
- den erwähnten Pettucini mit Schellfisch
- Knurrhahnstew auf Meeresfrüchtebett mit Kräutercroutons
- auf toskanischen Kräutern gerösteten Lammrücken mit einer Auberginencasserole
- und als Dessert eine bunte Auswahl an selbstgemachten Sorbets und eine Apfeltarte mit Vin Santo Sauce.

So wie Frau und Mann, so gehören in der Toskana Essen und Wein zusammen. Kein Wunder, daß toskanische Weine ein ihrer Küche ebenbürtiges Ansehen genießen. Der Weinkeller des Hauses prangt vergleichbar der Küche nicht mit einer breiten Fülle, sondern mit seiner durchdachten Tiefe. 30 Jahre Erfahrung als Sommelier des Hauses haben Signor Romano eine überschaubare, aber überzeugende Mischung an Weinen zusammentragen lassen. Die Weine - die wir zum Essen aussuchten - waren alle sehr ausgewogen im Verhältnis Struktur und Bouquet.

Der 2001er Chianti Classico "Carobbio" aus Panzano funkelte nicht nur beerig-rot, sondern Verband auf harmonische Weise seine dezente Tanninnote mit einem beerig holzigen Anklang der für die Sangiovesetraube typisch ist. Der 2003er "Terre di Tufi" von "Teruzzi & Puthod" war für einen italienischen Weißwein von erstaunlich frischer Frucht mit angenehmer Säurestruktur. Wie der Name des Weines sagt, wächst dieser auf vulkanischem Tuffstein, was ihm einen intensiven und aromareichen Geschmack verleiht. Im Abgang erfreute er mit einem feinen Hauch von Schokolade und frischem Sommergras.

Die Hingabe und Treue des Managements wird vom Personal honoriert. Der Service ist immer aufmerksam aber nicht übertrieben, wie in manchen überschulten Betrieben, wo der Gast vor lauter Ehrerbietungen und Darreichungen, sich bedrängt fühlt. Hier konnten wir in Ruhe das Essen und den Wein, aber besonders uns selbst genießen, denn "zufällig" viel der Hotel-/Restaurantbesuch mit unserem 20sten Ehejubiläum zusammen. Und dies ist das höchste Lob, was man einem wahren Gast-Haus machen kann, daß schöne Momente durch die Umsorgung noch schöner wurden.

Das
Hotel Regency mit dem Restaurant Relais Le Jardin in Florenz können wir als solch ein Zuhause echter Umsorgung mit allen Sinnen empfehlen.

Anschrift:
Relais Le Jardin
Hotel Regency
Piazza Massimo D´Azeglio, 3
50121 Firenze







www.cosmopolis.ch
Nr. 74, August 2005
Deutsche Ausgabe  Archiv  Politik  Geschichte  Kunst  Film  Musik  Lebensart  Reisen 
English edition
  Archives  Politics  History  Art  Film  Music  Lifestyle  Travel
Edition française  Archives  Politique  Histoire  Arts  Films  Musique  Art de vivre  Voyages

© Copyright 1999-2005  www.cosmopolis.ch  Louis Gerber  All rights reserved.