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Restaurant Windows
Das Restaurant in Genf mit Küchenchef
Philippe Audonnet
Artikel vom 15. Februar 2007
Das
Hôtel
d'Angleterre in Genf bietet im Restaurant Windows
gehobene Küche. Seit Juni 1998 leitet hier Küchenchef Philippe Audonnet eine
Küchenbrigade von 13 Personen. Die Karte wechselt saisonal. Dazu gesellt sich
monatlich ein Produkt, um das herum ein Menu kreiert wird.
Philippe Audonnet widmet sich der mediterranen Küche, wobei dem Instinkt, der
Inspiration und der Präsentation - er hätte gerne Kunst studiert - viel Platz
eingeräumt wird.
Zur Küche kam er über seine Grossmutter, die eine cuisine des saveurs
pflegte, eine bürgerliche Küche, die mit seiner aktuellen Kochkunst allerdings
nur die Schmackhaftigkeit gemein hat. Philippe Audonnet erinnert sich noch gut,
wie er als kleiner Junge immer ein wenig Salz in der Hosentasche hatte, um im
Garten Grossmutters Tomaten geniessen zu können.
Auf
seiner Speisekarte finden sich immer auch vegetarische Gerichte, die mit einem
grünen
„V“ hervorgehoben sind. Daneben enthält die Karte immer eine Reihe von
hauseigenen Klassikern sowie einige Speisen, die in allen Hotels der Gruppe
Red Carnation serviert werden.
Ein Innovation des Chefs bilden die verschiedenen
fruchtigen Olivenöle aus der Provence, die im Hotel mit Trüffeln,
Mandeln, Gewürzen und Eisenkraut veredelt werden und zu jedem Salat aufgefahren
werden.
Philippe Audonnet sieht sich nach eigener Aussage weniger als Koch denn als
marchand de bonheur, der durch seine Gerichte bei seinen Gästen gute Laune
verbreitet.
L.G.
Ein vegetarisches Essen im Restaurant Windows
Ende 2006 getestet von Louis Gerber
Auf den Aperitif - für mich ein Brut Impérial von Moet & Chandon - offeriert das
Restaurant Windows immer rund ein halbes Dutzend Brotsorten, zusammen mit
Salz, Butter, Olivenöl und Essig. Die drei Grüsse vom Küchenchef warteten mit
Kontrasten und unerwarteten Kombinationen auf. Eine Brochette mit Steinpilzen
à la forestière blieb in besonderer Erinnerung und weckte den Appetit.
Die mit Gemüse aus der Provence gefüllten Zucchiniblüten, mit Auberginenkaviar
und Kräutersaft kalt serviert, sind eine Frucht der Zeit, die Philippe Audonnet
als Chef de Partie im Eden Roc (Cap d'Antibes) verbracht hat. Das Resultat war
brillant und subtil.
Meine warme Vorspeise bestand aus den letzten Spargeln der Saison aus der
Vaucluse, die mit Morcheln, Essig von der Roten Bete und süssem Passionsfrucht-Chutney
präsentiert wurden, womit Philippe Audonnet seine Experimentierfreudigkeit,
seine Aufgeschlossenheit für Neues demonstrierte.
Meine Hauptspeise bildete ein Steinpilz-Fricassé mit Tomaten, Pinienkernen und
Rucolasalat. Das Fricassé wurde von einer Emulsion aus grünen Erbsen und grüner
Zitrone begleitet. Auf Empfehlung des Sommeliers wählte ich dazu einen Sauvignon
Blanc 2005 aus dem Genfer Chouilly vom Weingut Les Perrières der Familie Rochaix.
Diesen mineralischen und fruchtigen Weisswein gilt es jung zu trinken.
Nach einem kleinen Zwischenstop am Käsewagen mit rund 20 Käsesorten (leider
gerade ohne Gruyère) wählte ich als Desserteinstieg drei Eiscremes, unter denen
eines mit intensivem Mangogeschmack hervorstach. Danach wandte ich mich einer
Variation rund um den Pfirsich zu, die mit einem wegen der verwendeten
selbstgemachten Pfirsichkonfitüre eher schweren Soufflé begann und mit einem
leichten Sorbet endete. Zum Dessert empfahl mir der Sommelier, der die Schweizer
Weine in der Vordergrund stellt, eine Petite Arvine 1999 aus dem Wallis, einen
vierzehnprozentigen honigsüssen Weisswein von Claudy Clavien. Das Windows ist
ein empfehlenswertes Restaurant mit herrlicher Aussicht!
Ein Essen im Restaurant Windows
Ende 2006 getestet von Stefan Zeller
In den Worten des Chefs:
'Soupe d'asperge à la douceur de roquefort servie crémeuse, oeuf de poule mollet
en croûte dä'épices, asperges „mikado“ croquantes'. Was man sich darunter und
im weiteren vorstellen darf ist überhaupt
nur dem verwöhnten Gaumen zu erklären. In der Mitte des tiefen Supentellers, ein
paniertes Drei-Minuten-Ei auf feinen Spargel-Stäbchen. Darumherum wird aus einem
Kupferpfänchen die Suppe geschöpft. Die Beschreibung 'à la douceur de
roqufort', bekantlich ein äusserst starker Schimmellkäse, käme eigentlich
einer Pointe gleich, würde er sich nicht auf magische Art und Weise mit der
Grünen-Spargel-Crème verbinden. Es entsteht eine Art 'Balance of Power'
zwischen zwei Grossmächten des Geschmacks. Wie der Chef erklärt, ein
echter Zufallstreffer, da während einer Degustation mit seinen Sous-Chefs ein
Roquefort auf der Anrichte neben dem Herd stand.
Langustinen unter feinen Granny-Smith-Apfelscheiben, neben verschiedenen grünen Salaten und gedämpften
Sherry-Tomaten am Stil, werden zum zweiten Gang aufgetragen. Spätestens jetzt
will man seine Erfahrung,
was den Geschmack der Zutaten angeht,
vergessen haben. Noch lauwarm
entwickeln
die Sherry-Tomaten ein süsses Aroma, das
mit verschiedenen gewürzten süssen Ölen zu einer wahrhaft
extraordinären Komposition verschmilzt,
die an ein Dessert erinnert.
Die grünen Salatblättchen
werden an einem hausgemachten Öl
serviert und schmecken leicht süsslich sowie nach
Zimt und Kardamon,
der Rest bleibt das Geheimnis
des Küchenchefs. Die gebratenen
Langustinen sind die einzige Zutat, die unter den dünnen
Granny-Smith-Scheiben und an einer süssen,
transparenten Sauce ihren
prägnanten Eigengeschmack
behalten. Kostet man das Gericht in dieser
Reihenfolge, so findet man sich anfangs in einem parallel Universum wieder,
in
dem
zwar alles wie gewohnt aussieht,
aber nichts so schmeckt. Erst wenn man auf eine
Languste beisst, wird einem wieder bewusst, dass man in Genf in Sichtweite des Jet
d'Eau sitzt.
Magique!
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Begleitet wird der Gang von einem
Château Bichon '05, einem
regionalen Sauvignon Blanc.
Dieser würzige Weisswein
kontrastiert angenehm mit
der
Süsse
des Gerichts.
Das folgende 'T-Bone d'agneau en cocotte'
entpuppt sich als ein doppeltes Rippchen
Lammcarée
mit einem
Stück Lammfillet.
Dazwischen
entdecke ich einen
Hauch Käse, Speck und Tapenade,
die
nicht
einzeln zu erkennen, aber
dennoch präsent
sind. Dazu
wird
eine weisse Sauce aus Knoblauch,
Zitrone und Minze
serviert, die von einer Milde und Harmonie
sind,
wie man
sie bei diesen
Zutaten selten antrifft. Separat
wird zudem eine
dickflüssige braune
Sauce gereicht.
Die
Beilage
besteht aus einer
Kombination raffiniert zubereiteter
Gemüse: junge Artischockenherzen, geschählte rote Peperoni mit leichtem
Zitronengeschmack, süsse Knoblauchzehen, in Olivenöl geröstete
Auberginenscheiben, dünne Lauchstreifen
sowie kleine schwarze Oliven.
So entsteht ein
Hauptgang,
der mit über einem Dutzend geschmacklicher
Eindrücken
fasziniert, die
den Schreibenden an die erste Brise während des Sonnenuntergangs an der
bretonischen
Küste erinnern.
Dieser Gang wurde von einem
vollen,
schweren
Pinot Noir
2003
des Hauses
Boucheret Finlayson aus
dem südafrikanischen
Galpi Peak
begleitet.
Vor dem
Hauptdessert
überzeugt ein Sorbet
aus grünem Apfel und Ruccola,
die auf spannende Art kontrastieren. Die folgende
Assiette découverte „Red Carnation“
ist auf der Speisekarte mit einer roten
Nelke
gekenzeichnet und
findet sich daher in allen Restaurants der
Hotelgruppe wieder. Sie besteht aus einem
Mocca-Rahm-Glacé, in einer
braunen Eierschale,
auf
einer intensiv-süssen
Schockoladencreme serviert und mit
einem Schaum aus Honigmilch
garniert, einem Pistazien-Mousse,
einem Scone-Biskuit
auf einer einer
kräftigen
Vanille-Creme, garniert mit
Erdbeeren, sowie einem
Käsekuchen,
umhüllt von einer zarten
Schokoladenhülle.
Ein gelungener Abschluss eines angenehmen Gourmet-Abends.
Biografie von Küchenchef Philippe Audonnet
Der 1961 im französischen Departement Charente geborene
Philippe Audonnet absolvierte von 1977 bis 1979 eine Lehre im Hotel La Vieille
Auberge in La Rochefoucauld. Er erwarb das C.A.P. als Koch 1979 und als
Patissier 1980, wobei ihm der Maître Pâtissier Jacques Brun die Lust zum Kochen
und die Liebe zur Gastronomie mit auf den Weg gab. Anschliessend folgte eine
Reihe von Gourmet-Restaurants, in denen er sich weiterbildete. Bereits 1980 war
er als Commis Pâtissier und Garde-Manger im Hotel Le Vieux Logis, einem Relais &
Châteaux in Tremolat tätig. Von Didier Gilinau, der dort einen Michelin Stern
erkocht hatte, lernte er die Perfektion und die Finesse kennen. Von März 1984
bis April 1985 arbeitete Philippe Audonnet im Pariser Hotel Ritz. Von Küchenchef
Guy Legay, der sich zwei Michelin Sterne erkocht hatte, lernte er die grosse
Hotelküche und die Freude am Luxus kennen. Im Hôtel Eden Roc (Cap d'Antibes) war
er mit Unterbrüchen von 1987 bis 1989 tätig. Als Chef de Partie unter Bernard
Signoret begeisterte er sich für die mediterrane Küche. Dazwischen war er für
Madame Schmidheiny in der Nähe von Genf und in St. Moritz als Privatkoch tätig.
Sie bevorzugte die bürgerliche Küche à l'ancienne mit Kalbsbraten und
traditionellen Soufflés. Unter den für seinen Werdegang bedeutenden weiteren
Stationen sind sein Praktikum beim Zwei-Sterne-Koch Guy Savoy im März 1989, von
dem er das Führen des Personals in einer Gourmetküche lernte, sowie sein
Praktikum bei Freddy Girardet mit seinen drei Michelin Sternen im Januar 1995 zu
nennen. Von 1998 bis 2001 kochte Philippe Audonnet bereits im Restaurant Windows
in Genf, das unter den damaligen Besitzern allerdings noch keine
Gourmet-Ambitionen hatte. Seit Red Carnation das Angleterre übernommen und in
ein Luxushotel verwandelt hat, strebt der Küchenchef, der nun freie Hand hat,
nach gastronomischen Ehren, was ihm im Gault Millau 2007 immerhin 16 Punkte
eingebracht hat. L.G.
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Der Blick vom Restaurant Windows auf den Jet d'Eau. Foto © Hôtel d'Angleterre.
Ein Bankett. Photo © Hôtel d'Angleterre, Genève.

Das Entrée zum Restaurant Windows. Foto © Hôtel d'Angleterre, Genève.

Das Observatoire im Restaurant Windows.
Photo © Hôtel d'Angleterre, Genève.

Küchenchef Philippe Aubonnet. Photo © Hôtel d'Angleterre, Genève.
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