|
Restaurant Haerlin
im Raffles Hotel Vier
Jahreszeiten in Hamburg. Küchenchef: Christoph Rüffer
Artikel vom 22. Januar 2004
Das Restaurant Haerlin
Das Gourmet-Restaurant im Raffles Hotel
Vier Jahreszeiten ist nach dem Hotelgründer, Friedrich Haerlin, benannt. Das
mit antiken Chippendale- und Jugendstilmöbeln ausgestatte Restaurant fasst 68
Gäste. An den Wänden hängen rund 500 Jahre alte Gobelins aus Flandern.
Erwähnenswert sind auch die vier Putten von 1918 aus der Königlich
Bayerischen Porzellanmanufaktur, die im Zweiten Weltkrieg vom Hotelpersonal
vergraben wurden und so den Krieg unbeschadet überdauerten.
Die Weinkarte des Haerlin besteht aus 1,500 verschiedenen Positionen. Da war
es fast schon ein Sakrileg, dass der Schreibende zum Aperitif einen
alkoholfreien Ipanema nahm. Der Wine Spectator verlieh 1999 dem
Restaurant den Award of Excellence für "eine der hervorragendsten
Weinkarten der Welt", die von Chefsommelier Nils Hoyer zusammengestellt
wurde.
Seit dem 20. Juni 2002 ist Christoph Rüffer Küchenchef im Haerlin, das im
Michelin 2004 mit einem Stern und im Gault Millau 2004 mit 16 Punkten bewertet
wird. In einem
längeren Gespräch erläuterte uns der Chefkoch seine "Küchenphilosophie".
Im Haerlin offeriert er klassische internationale Küche mit mediterranem
Einschlag. Er präsentiert kein "Chichi, sondern die Gerichte, nicht das
Auge, stehen im Vordergrund. Geschmack zählt mehr als Optik, wobei die
Präsentation keineswegs leidet.
Zu den Glanzlichtern seiner Küche rechnet Christoph Rüffer Gänsestopfleber
in allen Variationen und geräucherter Wildlachs aus Schottland mit
Meerrettichmus.
Ein vegetarisches Abendessen im Haerlin, Mai 2003
Gleich vorneweg, das Team um Küchenchef Christoph Rüffer und Oberkellner
José Santos erwies sich an jenem gut besuchten Freitag im Mai als effizient,
kompetent und freundlich.
Als Gruss aus der Küche offerierte Christoph Rüffer mit dem oben erwähnten
Ipanema drei kleine Häppchen: eine Lauchquiche, ein Croustillon mit
Auberginen und Champignons im Blätterteig, die keinen besonderen Eindruck
hinterliessen. Die mit Oliven aus Apulien, Radieschen, Quark und Butter
gereichten Tomaten- und Olivenbrötchen gefielen schon besser.
Richtig gut wurde es mit den folgenden Amuse bouches: ein
dezent-gewürztes Spargelmousse mit Sommerfrisée und Löwenzahnsalat, Mille
Feuille von gebackenen Sesamblättern mit Gewürztomaten sowie eine gegrillte
Aubergine mit rotem Pesto sorgten für den wahren, zartschmelzenden Auftakt.
Ausgezeichnet war das kleine Suppen Da Capo, bestehend aus einer scharfen
Bärlauchcrèmesuppe, einem zurückhaltenden Velouté von Nienburger Spargel
sowie einer erfrischend-säuerlichen Essenz von Olivettitomaten. Laut
Christoph Rüffer waren die drei Suppen bewusst in verschieden ausgeprägten
Aromen, leicht und farbenprächtig wie der Frühling gehalten.
Als ausgewogener Zwischengang wurde ein Risotto von
Perigord-Frühlingsmorcheln mit jungem Lauch und zarten Fingermöhren aus dem
alten Land, das vor den Toren Hamburgs liegt und als das Anbaugebiet für
regionale Gemüse schlechthin gilt, gereicht.
Der Hauptgang bestand aus gegrilltem Gemüse aus der Provence: Die vorher
leicht in mit Thymian aromatisiertem Olivenöl eingelegten grünen und gelben
Zucchini, die Aubergine und gegrillte Paprika wurden mit in Butter
geschwenkten Thymiangnocchis mit Rucolapesto gereicht. Junge, geschwenkte
Fêves und kleine Pfifferlinge rundeten den kräftig gewürzten Gang ab.
Oberkellner José Santos erklärte, dass das folgende Pre-Dessert, ein
geklärtes, kaltes Waldmeistersüppchen mit Kiwisorbet, erfrischen und Freude auf das
eigentliche Dessert machen sollte. Das prickelnde Zusammenspiel begeisterte
und machte tatsächlich Lust auf mehr.
Der warme, frisch aus dem offen servierte Rhabarberstrudel mit
Stachelbeerkompott wurde mit Eis von Tahiti-Vanilleschotten serviert. Das
süss-säuerliche Dessert war etwas für Rhabarberfans.
Zum Abschluss des Diners präsentierte Christoph Rüffer ein hingehauchtes
Quarksoufflé mit marinierten Beeren und einem Erdbeersorbet. Sowohl die
Kombination als auch die einzelnen Komponenten des Desserts für sich genommen
begeisterten den Gaumen. Das Erdbeersorbet war weder zu schwer noch zu süss
noch zu fad, sondern schlicht perfekt. Das Soufflé federleicht und zugleich
erfrischend. Bravo!
Biografie von Christoph Rüffer
Der am 6. März 1973 in Essen geborene Christoph Rüffer ist seit Juli 2003
verheiratet und hat eine am 17. Januar 2002 geborene Tochter. Rüffer wurde
von 1989 bis 1992 im Sheraton Hotel in Essen zum Koch ausgebildet. Von 1992
bis 1994 arbeitete er als Commis de Cuisine im mit einem Michelin Stern
ausgezeichneten Restaurant Le Gourmet in München. Von 1994 bis 1995 war er
ebenfalls als Commis de Cuisine im Hotel Résidence in Essen bei
"Henri" Bach angestellt. Der mit zwei Michelin Sternen und 18 Gault
Millau Punkten ausgezeichnete Koch führte den jungen Mann in die klassische
Haute Cuisine ein. 1995 kehrte Rüffer ins Münchner Le Gourmet als Chef de
Partie zurück. Als Demi-Chef de Partie kochte er 1996 und 1997 im Restaurant
Schwarzwaldstube unter Harald Wohlfahrt im Hotel Traube Tonbach in
Baiersbronn, das mit drei Michelin Sternen und 19 Gault Millau Punkten zu den
besten Adressen Deutschlands gehört. 1997 und 1998 war Rüffer Chef de Partie
bei Claus-Peter Lumpp im mit zwei Michelin Sternen und 18 Gault Millau Punkten hoch dekorierten
Hotel Bareiss, ebenfalls in Baiersbronn. 1998 arbeitete er als Chef de Partie
erneut im Hotel Résidence in Essen. Von Januar bis Mai 1999 absolvierte er
die Küchenmeisterausbildung bei der IHK Dortmund. 1999 stieg er im Hotel
Résidence in Essen zum Souschef auf. Im November 1999 wurde er Küchenchef im
"Fährhaus" in Munkmarsch auf der Insel Sylt, das unter ihm einen
Michelin Stern und 17 Gault Millau Punkte erhielt. Christoph Rüffer
kocht seit dem 20. Juni 2002 im Haerlin, das im Michelin 2004 mit einem Stern
und im Gault Millau 2004 mit 16 Punkten bewertet wird. - Siehe auch:
Doc Cheng's.
|

Restaurant Haerlin. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Küchenchef Christoph Rüffer. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Weitere Artikel zum Raffles Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg
- Friedrich
Haerlin
- Die
Anfänge des späteren Raffles Hotel Vier Jahreszeiten
- Das
Vier Jahreszeiten in der Zeit der Weimarer Republik
- Das
Vier Jahreszeiten von 1933 bis 1945
- Das
Vier Jahreszeiten von 1945 bis 1963
- Das
Hotel Vier Jahreszeiten von 1956 bis 1976
- Das
Raffles Hotel Vier Jahreszeiten von 1983 bis 2004
|