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Die Zirbelstube
Das Gourmet-Restaurant im Hotel am
Schlossgarten in Stuttgart mit Küchenchef Bernhard Diers
Artikel vom 1. April 2007
Das Restaurant Die Zirbelstube im
Hotel am Schlossgarten in
Stuttgart widmet sich der gehobenen französischen Küche, der Grande Cuisine.
Küchenchef Bernhard Diers hat sich mit seinem Team einen wohl verdienten Michelin-Stern
sowie 18
Punkte bei Gault Millau erkocht.
Der Name des Restaurants leitet sich von der Vertäfelung mit dem Holz der
astreichen Zirbelkiefer - in der Schweiz als Arve bekannt - her. Die Gäste dinieren hier in
behaglicher Wärme.
Die Zirbelstube lebt vor allem von Stammgästen, darunter Lothar Späth, und
Kunden, die extra fürs Restaurant ins Zentrum von Stuttgart kommen, das für 40 bis 45
Personen ausgelegt ist.
Die Weinkarte wartet mit 500 Positionen auf, wobei der Schwerpunkt auf
Baden-Württemberg liegt. Die Karte widmet sich der klassischen französischen
Küche, die Bernhard Diers nicht zuletzt beim Drei-Sterne-Koch Eckart Witzigmann kennengelernt
hat. Daneben finden sich immer auch regionale Speisen wie Spätzle und
Schupfnudeln auf der Karte, die immer wieder gefragt werden. Bei
Bernhard Diers stehen keine Gewürz-Feuerwerke, sondern die Produkte im
Vordergrund. Er verwendet keine Aromaträger und keine Geschmacksverstärker,
sondern setzt auf die Qualität des Rohprodukts, das er zur Geltung bringen will. Ökologie und
Naturschutz sind für den Küchenchef zentral,
„da wir alle von der Erde leben.“
Da viele Stammgäste drei- bis viermal wöchentlich in der Zirbelstube speisen,
ändert sich die Karte ändert je
nach Marktlage, in der Regel alle drei Tage. Am Mittag
steht zudem ein Monatsmenu auf der Karte.
Bernhard Diers organisiert Kochkurse, auch vegetarische. Dennoch ist es Gästen zu empfehlen, im Vorfeld
spezielle Vorlieben und Wünsche anzumelden, damit sich die Küche darauf einstellen
kann. Es figuriert kein vegetarisches Menu auf der Karte, auf der auch nicht
immer ein vegetarischer Hauptgang zu finden ist.
Zurück zu den Kochkursen: Sie werden für acht bis zwölf Teilnehmer organisiert.
Bernhard Diers weiht die Gäste in seine Künste ein, wobei die Themen
jahreszeitlich abgestimmt sind. Der Tag endet mit einem mehrgängigen Abendessen
mit korrespondierenden Weinen. L.G.
Ein vegetarisches Mittagessen in der Zirbelstube
Getestet von Louis Gerber Ende Februar 2007
Das Mittagessen begann mit einem Brut Rosé von Ruinart. Auf den angenehmen Champagner
folgten drei anregende vegetarische Aperitifhäppchen: Eine nahrhafte Rösti
gefüllt mit Spinat und gesalzenen Kürbiskernen, eine feucht-zartes Gemüsetartar
mit Bananen und Limettenblättern sowie eine butterweiche Frischkäsevariation in der
Gewürzhippe. Als Amuse bouche liess der Küchenchef ein Sushi mit
eingelegtem, mariniertem Kürbis auftragen, das geschmacklich einwandfrei war.
Zur Begleitung wählte ich auf Anraten des Sommeliers vom Weingut Dautel einen
Riesling Bönnigheimer Sonnenberg trocken aus dem Jahr 2003, der andeutete, dass
in Württemberg trotz gegenteiliger Meinung durchaus ansprechende Rieslinge
wachsen, so auf dem mineralreichen Keuperboden des Bönnigheimer Sonnenbergs.
Mein erster Gang bestand aus einem Dom von Pelattitomate und Artischockenmousse
auf Zucchinicarpaccio mit gebackenem Gemüse in Tempurateig. Das leichte,
intensive Mousse wurde von einem Kräuterpesto unterstützt. Das Resultat war
brillant, die Präsentation klassisch-elegant.
Anschliessend folgte ein gefälliges Borschtsch-Süppchen mit Apfel und Sellerie - anstelle
von Ente und Rind - mit Polentanocken. Verglichen mit dem ersten Gang fehlte es
hier am Überraschungseffekt.
Ein Petersilienwurzelrisotto mit Spinat-Parmesancreme, gefülltem Steinchampignon
und Spinatschaum folgte. Der Teller war zudem mit Portweinsirup garniert.
Sowohl der Risotto als auch das Gemüse waren leicht bissfest und bestätigten das
Gourmet-Niveau der Zirbelstube.
Gegrilltes mediterranes Gemüse mit Nizzaoliven, getrockneten Kirschtomaten und
Kräuteröl illustrierte die leichte, gesunde Küche von Diers, wobei hier doch
einige Gewürze wie Blattpetersilie, Kerbel, Basilikum und Knoblauch ins Spiel
kamen.
Papardelle mit Périgord Trüffeln, die geschmacklich abfielen,
und frischem Schwarzwurzelgemüse rundeten die insgesamt überzeugenden Hauptgänge ab.
Als Dessert wählte ich einen Klassiker des Hauses, einen ofenfrischen
Schokoladenauflauf mit confierter Zimtbirne und weissem Mandeleis. Diese Kalorienbombe aus
72% Schokolade mit Butter, Mehl und Ei, sieben Minuten lang bei 230 Grad
gebacken, war innen noch bewusst roh. Das deftige Dessert stellte einen Stilbruch
dar. Es passte nicht zu restlichen subtilen Gängen des Mittagessens.
Das Zitronengrassorbet auf Annans bewies, dass Bernhard Diers auch anders kann.
Das cremige Sorbet wurde von süssen, geschmacksintensiven Ananaswürfelchen
begleitet.
Als Alternative stand als Prae-Dessert oder Dessert noch der Käsewagen von
Maître Affineur G. Waldmann aus Erlangen zur Disposition. Je nach Saison sind
darauf 30 bis 40 Käse vor allem aus Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland
(aus Mittel- und Oberfranken, nichts aus der Region Stuttgart) zu finden. Sie
werden begleitet von einer Reihe von Chutneys (Kürbis, Feige und rote Beete-Zwetschge).
Obwohl eigentlich kein Platz mehr war, probierte ich dennoch einen Finoso aus
Österreich, einen Bleu d'Auvergne aus Frankreich, einen milden Gruyère aus der
Schweiz sowie den letzten von Hand hergestellten Camembert von Durand aus der
Normandie. Das Fazit: Waldmann versteht sein Geschäft.
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Ein Mittagessen in der Zirbelstube
Getestet von Dominik Ehret Ende Februar 2007
Vor dem eigentlichen Grand Menu wurden drei Aperitifhäppchen gereicht. Die getrüffelte
und leichte Gänselebermousse in der
Gewürzhippe schmolz zart und cremig im Mund. Der gebeizte Lachs im Kräutermantel
mit Frischkäsecreme
schmeckte aromatisch und kräftig. Das Sushi vom Schwertfisch war frisch, angenehm und zurückhaltender
im Geschmack als die anderen Appetitanreger. Ein Glas Champagner Krug Reims Grand Cuvée Brut rundete den
gelungen Einstieg ab.
Ein Körbchen mit verschiedenen Brotsorten wurde von gesalzener und ungesalzener Echiré-Butter
begleitet. Hervor stachen Brötchen mit Sonnenblumen, Walnüssen, Rosinen und Anis-Rosmarin.
Eine Spur zu trocken waren die Laugenbrötchen.
Als Amuse bouche folgte ein fischig-körperliches Orange Cous-Cous mit
Pulpo und einer Kräutervinaigrette, die mit Zitrus-Thymian-Bärlauch keine
Avantgarde-Gefühle aufkommen liess, aber dennoch begeisterte. Zur Begleitung
wählte ich einen süss-herben Sauternes 2002 Carmes de Rieussec, der sehr schwer
war.
Gänsestopfleber und Powidel an einer Kumquatvinaigrette zusammen mit einer
hausgemachten Brioche bildeten den nächsten Gang. Das Resultat war intensiv,
verführerisch, anregend, barock und fruchtig.
Ein kräftiger, wenig subtiler 2000er Chardonnay mit viel Säure begleitete eine
Essenz vom Kalbsschwanz mit Sellerie-Canelloni und kleinem Gemüse. Der Gang war
delikat, raffiniert, deftig und brillant.
Ein Hummerfricassée mit Seezunge und Schwarzwurzeln an Pommes parisiennes,
dazu geschmacksarme schwarze Périgord-Trüffel in Weissweinschwaum waren
insgesamt dezent, zart, mild und subtil, ergänzt von Gemüse erster Qualität mit
hervorragendem Eigengeschmack.
Ein Gang mit bretonischem Loup de Mer in Ananassauce mit Salbei und gefüllten
Calamretti überzeugte durch die Zartheit der Meeresprodukte, wobei die
Salbeinote etwas kraftlos blieb. Begleitet wurde der Gang von einem
trockenen Riesling Zeltlinger Sonnenuhr Spätlese 2001 von Marcus Molitor, der
von einer Schieferterrasse stammt, süsslich ihm Geruch war und mediterran-würzig
und angenehm nach Keller schmeckte.
Den Abschluss der Hauptgänge des Grand Menu bildete eine Tranche vom
niederbayerischen Hirschrücken mit Selleriepüree, Rosenkohlblättern und
Orangenspätzle mit Shitake. Es war der absolute, geniale und deliziöse Höhepunkt
eines gelungen Abendessens. Zartes Fleisch mit einer angenehm
bitter-aromatischen Kruste wurde komplettiert durch eine fruchtige Sauce sowie,
als Clin d'oeil an die regionale, aber zeitgenössisch interpretierte
Küche, geschmacksintensive Orangenspätzle. Ein Ellwanger Lemberger 2003 trocken
von Winterberg, kräftig, würzig, mit äusserst langsamem Anfang und langem,
würzigem und schwerem Abgang mit leichter Schärfe begleitete souverän diesen
Klimax.
Als erstes Dessert erfrischte ein Zitronengrassorbet auf Ananas-Gelée, das
minzig, blumig, einfach, aber exzellent schmeckte. Vom Käsewagen wählte ich
einen Tomme de Chèvre mit Muskat, einen cremig-milden Finoso aus Österreich, der
mit Heu und Wiesenblumen umwickelt war, eher Gag in
Erinnerung blieb, den letzten handwerklich hergestellten Camembert von Durand,
der einzigartig-sensationell mundete, einen würzig-netten Tomme de Savoie mit
Traubentrester sowie einen vollreifen, umwerfend kraftvollen Taleggio.
Ein Schokoladenauflauf mit Zimtbirne und weissem Mandeleis viel aus dem Rahmen,
da unpassend schwer, deftig und leicht brandig.
Die hervorragende,
differenzierte Gourmet-Küche von Bernhard Diers mit französisch-asiatischen,
leichten und gesunden Gängen trifft auf einige regionale, deftige
Speisen, die kein geschlossenes Gesamtbild ergeben. Dennoch ist der Gang in die
Zirbelstube sehr ans Herz zu legen.
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Die Zirbelstube. Foto © Hotel am Schlossgarten, Stuttgart.

Die Terrasse der Zirbelstube. Foto © Hotel am Schlossgarten, Stuttgart.

Küchenchef Bernhard Diers. Foto © Hotel am Schlossgarten, Stuttgart.
Biografie von Küchenchef Bernhard Diers
Bernhard Diers wurde am 20. Juni 1959 in Asendorf in Niedersachsen geboren. Er ist verheiratet
und hat ein Kind. Seine Ausbildung machte er im Restaurant Dillertal - damals noch ein Gasthof ohne höhere Ansprüche -, das dem damaligen Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes Heiner Bomhoff gehörte und als „schönstes Restaurant in Niedersachsen“ galt. Danach bildete er sich ausschliesslich in Sternerestaurants weiter.
1979 arbeitete Bernhard Diers im Ein-Michelin-Stern Restaurant Wittenshop des Autodidakten Andreas Lüssenhab in Bothfeld. 1980
führte ihn bei einer Fortbildung bei Hans Stucki im Restaurant Bruderholz in Basel Küchenchef Günter Gerlach richtig in die Gourmet-Küche ein. 1982 war
Bernhard Diers im Royal Lancaster Hotel in London als Saucier tätig.
Von 1983 bis 1985 kochte er unter dem Drei-Sterne-Koch Dieter Müller in den Schweizer Stuben in Wertheim als Chef Tournant. Bei Dieter Müller beeindruckte Diers am meisten, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter zu motivieren. Das Essen für die Mitarbeiter selbst nahm dabei eine wichtige Stellung ein.
1985 war Bernhard Diers zudem rund sieben Monate bei Eckhard Witzigmann in der Aubergine in München als Chef Saucier tätig. In diesem Drei-Sterne-Restaurant lernte er, sachlich mit jedem Produkt umzugehen. Gleichzeitig war die Arbeit mit 45 Mitarbeitern, die sich um 40 Gäste kümmerten, hart, da jeden Tag die Sterne verdient werden sollten.
Von 1986 bis 1990 war Bernhard Diers Sous-Chef und später stellvertretender Küchenchef im Hotel Colombi in Freiburg. Hier lernte er unter Küchenchef Alfred Klink und mit Inhaber Roland Burtsche, mit dem Diers heute noch Kontakt hat, unternehmerisches Denken, geradlinige Personalführung und Vielseitigkeit
kennen. Burtsche sagte immer: „Wir sehen keine Berge, wir greifen an.“ Der Patron förderte den Glauben
seiner Mitarbeiter an sich selbst und selbständiges Denken und Handeln.
Von 1990 bis 2000 führte Bernhard Diers erstmals selbst ein Lokal, nämlich
das historische Gasthaus Schwanen in Haigerloch, wo er sich zwei
Michelin-Sterne erkochte. Das Gasthaus führte er zusammen mit seiner Frau in
Eigenregie. Leider wurde es immer schwieriger, kompetentes Personal für
einen Arbeitsplatz in der Provinz in der Schwäbischen Alb zu finden. Dennoch
verstand es Diers, den Umsatz im gepachteten Haus zu verfünffachen. Nach dem
Tod des Besitzers erfolgte keine Investition in einen nötigen Umbau.
Im Jahr 2000 ging Bernhard Diers für eineinhalb Jahre ins Restaurant Marstall in München, wo er sich erneut zwei Michelin-Sterne erkochte. Täglich kamen rund 90 Gäste ins Restaurant, doch die Besitzern, Frau Jacobsen, die Schwester des Jacobs-Suchard-Besitzers, wollte das Gourmet-Restaurant in eines für die Massen umfunktionieren und beschloss schlussendlich, das erfolgreiche Restaurant zu schliessen. Damals war Eckhard Witzigmann öfters zu Gast. Er nahm später Diers Sous-Chef
und fast seine ganze Truppe mit in den gefeierten „Hangar 7“, den er in Salzburg eröffnete.
Seit 2002 ist Bernhard Diers im Restaurant Zirbelstube im
Hotel am Schlossgarten
in Stuttgart als Küchenchef tätig, wo er mit einem Michelin Stern, 18 Gault Millau Punkten und 3,5 F im Feinschmecker geführt wird und langsam ein neues Team aufbaut. Es war Herr Althoff selbst, der Diers
in die Zirbelstube holte. Bereits im Haigerloch waren sie miteinander
bekannt geworden. L.G.
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