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Werner Pichlmaier
Der Küchenchef im Sacher in
Wien: Biografie und Kritik
Artikel vom 13. Februar 2012; zuletzt aufdatiert am 17.2.2012
Eine Dinner-Kritik aus der Roten Bar im Hotel Sacher Wien
Die Rote Bar ist
mein liebster Ort in Wien. Sie offeriert nur 18 Plätze. Die Karte bietet
klassische Wiener Küche, eigentlich nichts für den Vegetarier: Tafelspitz,
Wiener Schnitzel, Backhendl, Rindsroulade und Beuschl, abgerundet durch
Kaiserschmarrn und Original Sacher-Torte. Doch nicht verzagen, denn in der
Roten Bar können auch die Gerichte aus dem hauseigenen Gourmetrestaurant
Anna Sacher bestellt werden. Zudem ist die Küche offen für Spezialwünsche.
Da wird auch der Vegetarier glücklich.
Als der Schreibende 2011 in der Roten Bar speiste, sass an einem Nebentisch
Heinz Reitbauer, der mit seinem Restaurant Steirereck im Stadtpark das
vielleicht beste Restaurant in Wien führt. Wenn das keine Empfehlung ist!
Laut Restaurantleiter Wolfgang Ebner, der seit 1972 im
Sacher angestellt ist, gehört Heinz Reitbauer zu den
Stammgästen der Roten Bar. Der heutige Küchenchef im
Sacher, Werner Pichlmaier, arbeitete übrigens 2005 und
2006 selbst im Steirereck.
Noch eine Anmerkung zu Stammgästen: Wolfgang Ebner erzählte, dass der
sozialdemokratische Kanzler Bruno Kreisky die Rote Bar liebte, allein schon
der Farbe wegen.
Der Schreibende begann den Abend in der Roten Bar mit einem Kir Royal. Sous-Chef
René Pichler (*1976) wusste um den Vegetarier und sandte eine Erbsensauerrahmtarte
mit Zwiebelkonfit, einen Gruss auf Aprikosenbasis sowie ein gebackenes Wachtelei. Dazu empfahl
Herr Ebner einen leichten, trockenen und fruchtigen Grünen Veltliner 2010
vom Weingut Tom Dockner. Danach ging es weiter mit leichter Küche: Ein
Kohlrabi-Süppchen wurde mit einer ebenso geschmacksintensiven
Kohlrabi-Mousse gereicht. Ein feinfruchtiger Riesling Federspiel 2009 von
Franz Pichler aus der Wachau rundete den Gang ab. Ein Wachtelei mit
Spinat-Tortellini und schwarzen Perigortrüffeln überzeugte.
Bei einem aromastarken, brillanten Chardonnay vom burgenländischen Franz
Sommer von Mörbisch am See erzählte mir Restaurantleiter Wolfgang Ebner
noch einige Anekdoten. So von der Begum und Sofia Loren. Sie waren gute
Freundinnen und Fans der göttlichen Tebaldi
sowie von Giuseppe di Stefano ,
und daher Stammgäste in der neben der Oper gelegenen Roten Bar. Als Vegetarierinnen hätten sie sich ausschliesslich Gemüsegerichte
bestellt.
Zu den deftigen Desserts wie Zwetschgen-Pflaumenkuchen und Malzbier-Eis
testete der Schreibende ein Beerenauslese aus dem Jahr 2006. Klassische und
exotische Sorbets rundeten das gelungene Abendessen ab: Zitrone-Minze, Limone, Kürbis-Orange
sowie Safran-Apfel als besonders gelungene Kombination. So lässt es sich
leben!
Eine Dinner-Kritik aus dem Gourmet-Restaurant Anna Sacher
Am folgenden Tag war der Schreibende im Gourmetrestaurant Anna Sacher
zu Gast. Als Aperitif fiel die Wahl auf einen Gosset Blanc de Blanc. Neben
sechs Brotsorten wurden Rotwein-Charlottenbutter, Rosmarinbutter, eine
Kräuter-Chili und andere raffinierte Details gereicht. Werner Pichlmaier
sandte als Gruss aus der Küche ein pikant-gewürztes
Kürbis-Grapefruit-Chili-Gelée auf Aga-Aga-Basis sowie einen Trauben-Senf-Eis
mit Maroni-Mus, inspiriert von Südtiroler Törggelen (Traubenmost und
Kastanien).
Das eigentliche Essen begann mit einem Gang in die Molekularküche:
Sphärische Rote Rüben-Gnocchi (wobei Gnocchi nur die Form bezeichnete) im
Kalziumchloridbad mit Pastinake. Dazu empfahl der Restaurantleiter einen
Riesling 2008 vom niederösterreichischen Weingut Fink. Sehr leicht ging es
weiter, und zwar mit einem Sorbet vom Olivenöl und einer
Zitrus-Fenchel-Konfit. Danach folgten ein Grüner Veltliner Smaragd 2008 von
Franz Pichler mit einem Ziegenkäse-Soufflée mit Périgord-Wintertrüffeln
sowie einem Apfelgelée in Würfelform.
Ein Schokoladenmousse mit Erdbeer mit einer Haselnusshippe obenauf bildete
das Pré-Dessert. Eine Pekannuss-Tarte mit einem Rooibos-Vanilleeis-Soufflée
und einem Granatapfeleis folgte. Als weitere kleine Desserts wurden unter anderem eine Belize-Crème, ein innen flüssiges Tiramisù, eine Bananenmakrone (in der
Schweiz bei Sprüngli als Luxemburgerli bezeichnet) und ein Nussnougatgebäck
gereicht. Kurzum, die Küche von Werner Pichlmaier ist empfehlenswert.
Biografie von Werner Pichlmaier
Werner Pichlmaier wurde 1974 in Graz geboren. Sein Metier war im quasi in
die Wiege gelegt worden. Er wollte schon als Kind einfach nur Koch werden.
Von 1989 bis 1993 durchlief er eine Lehre als Koch und Restaurantfachmann im
familieneigenen Restaurant Pichlmaier in Graz. Von 1994 bis 2005 war er dort
in der Küche tätig, ab 1997 als Küchenchef und Geschäftsführer. 2005 und
2006 arbeitete er als Chef de Partie am Gardemanger im Restaurant
„Steirereck“ in Wien. 2006 wechselte er als Sous-Chef ins
Hotel Sacher. Am 1. Februar 2008 übernahm er dort den
Platz als Chef für alle Küchen des Hauses vom ausgezeichneten Hans Peter
Fink, den es in sein Familienunternehmen Gasthaus Haberl in die Steiermark
zog.
Von Hans Peter Fink ins
Sacher geholt, lernte Werner Pichlmaier im Hotel Galadiners
für bis zu 750 Personen zu Silvester und am Opernball-Abend auszurichten.
Während dem die Rote Bar klassische Wiener Küche zelebriert, widmet sich Werner Pichlmaier im Gourmetrestaurant Anna Sacher der leichten, zeitgemässen
österreichischen - insbesondere steirischen - und internationalen Küche,
wobei er exotische Produkte und Kombinationen nicht scheut. Die Karte im
Anna Sacher ändert alle 6 Wochen und ist die Frucht von Teamarbeit, wie
Werner Pichlmaier mir gegenüber erklärte.
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Küchenchef Werner Pichlmaier.
Photos Copyright
©
Hotel Sacher Wien.

Das Restaurant die Rote Bar, das klassische Wiener Küche serviert.
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Das Gourmetrestaurant Anna Sacher wurde im Sommer 2008
vom französischen Innenarchitekten Pierre Yves Rochon aufgefrischt, unter
Wahrung der historischen Bausubstanz.
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