|
Tom Waits
Biografie
Von 1977 bis heute
Musiknoten
- Sheet music by Tom Waits.
Artikel vom 4. Januar 2005
Im Juli 1977 nahm Tom Waits das Album Foreign Affairs auf. Darauf ist
unter anderen "I Never Talk To Strangers" zu finden, ein Duett mit
Bette Midler, die bereits im Vorjahr eine Coverversion von "Shiver Me
Timbers" aufgenommen hatte. Danach tourte der Musiker durch die USA, um
das Album zu promoten. Als Vorprogramm heuerte er eine Strippertruppe an. Nun
konnte er sich endlich ein Trio leisten, das er auf dessen Protest hin nicht
mehr in billigen Absteigen übernachten liess. Ende November brachte Time
Magazine ein Portrait von Tom Waits. Es ging aufwärts.
Tom Waits erweiterte nun sein künstlerisches Tätigkeitsfeld. Er nahm 1978
das Angebot an, als Komponist und Schauspieler am Film Paradise Alley
mitzuwirken. Regisseur war Sylvester Stallone. Als Anführer eines
Satanistenkults in einer Episode der Fernsehserie Starsky & Hutch
mitzuwirken, lehnte er hingegen ab.
Im Herbst 1978 erschien sein Album Blue Valentine. Die Blondine, die
sich auf dem Cover mit dem Rücken übers Auto lehnt, ist Rickie Lee Jones.
Fast gleichzeitig kam der Soundtrack zum Film Paradise Alley in die
Läden, auf dem Waits mit zwei Liedern, darunter der Titelsong, vertreten war.
Den Rest des Jahres tourte er erneut durch die USA. Im Spätherbst ging die
Beziehung zu Rickie Lee Jones in die Brüche, woraufhin Waits es vorzog, für
eine Weile nach New York zu ziehen.
Zu Beginn der 1980er Jahre veränderte sich der Musiker künstlerisch und wechselte,
in den Worten von Cath Caroll, zum von Captain Beefheart
beeinflussten "hinterwäldlerischen Gossenblues". Er verlor das
Interesse an traditionellen Arrangements mit Klavier, Bass, Saxophon,
Schlagzeug und Gitarre und integrierte zunehmend Soundstrukturen jenseits von
Pop, Rock und R & B in seine Songs. Dazu gehörten alte Karnevalsmusiken, europäische
Folklore, kreischende und theatralische Klänge. Er legte das Image vom
Jazz-Boho-Hipster ab, trennte sich von seinem ersten Manager Herb Cohen und
lernte Kathleen Brennan kennen, die seine Frau wurde. Nun lag ihm daran, seine
Privatsphäre zu schützen. Das exzessive und öffentliche Leben im Tropicana
Hotel der 1970er Jahre war definitiv vorbei. Das Paar hat heute drei
Kinder.
Francis Ford Coppola bot ihm an, den Soundtrack zu einem kompletten Spielfilm,
One From The Heart, zu komponieren. Während einer sechswöchigen Pause
nahm er das Album Heartattack And Vine auf, das erstmals vom oben
erwähnten Beefheart-Sound beeinflusst war. Es handelte sich um die vorletzte
Zusammenarbeit mit Bones Howe. Das Album erschien kurz nach Waits' Heirat mit
Kathleen Brennan. Die Flitterwochen verbrachten die Frischvermählten im
irischen Tralee.
Auf Heartattack And Vine spielten
bekannte Musiker, so Larry Taylor, Bassist der Gruppe Canned Heat, Ronnie
Baron, der Keyboarder und Weggefährte von Dr. John, der Gitarrist Angelino
Roland Bautista sowie der Schlagzeuger "Big John" Thomassie,
ebenfalls ein Begleitmusiker von Dr. John. Greg Cohen debütierte am Bass und
sollte viele weitere Jahre mit Tom Waits spielen.
Anstatt wie üblich auf Tournee zu gehen, kehrte Tom Waits danach in die
Zoetrope Studios zurück, um am Filmsoundtrack zu From The Heart zu arbeiten. Das
Projekt für Francis Ford Coppola sollte sich über achtzehn Monate hinziehen.
Der Film war ein Flop, der Soundtrack hingegen brachte Tom Waits 1982 eine
Oscarnomination für sein konventionellstes Album ein. In jener Zeit nahm
Bruce Springsteen seine Version von "Jersey Girl" auf. Im August in
Los Angeles bat der "Boss" Tom Waits auf die Bühne und trug mit ihm
den Song im Duett vor.
Swordfishtrombones von 1983 ist ein Wendepunktalbum. Brennan ermunterte
Waits, seine Alben selbst zu produzieren. Nach der Trennung von Herb Cohen kam
laut Waits "die entscheidende Idee" zum neuen Album von seiner Frau.
Zusammen mit dem Toningenieur Biff Dawes, der 1978 am Bob-Dylan-Album Street
Legal mitgearbeitet hatte, produzierte das Paar ein Demotape mit vier
Songs. Dem neuen Plattenchef Joe Smith gefiel der Stilwechsel hin zu
pfeifenden Dampfkesseln, leiernden Kirmesorgeln und keuchenden Akkordeons
jedoch nicht. Glücklicherweise zeigte Chris Blackwell von Island Records
Interesse daran. Der Plattenwechsel wurde 1983 vollzogen. Etwa gleichzeitig
fand die Trennung von Herb Cohen statt. Neben einem neuen Management hatte
Waits nun auch eine neue Firma, die seine Songrechte wahrnahm. Swordfishtrombones
war bei Kritikern wie Publikum ein Erfolg.
Waits und seine Frau zogen für kurze Zeit nach New York, wo sie mit dem
Schauspieler und New-Wave-Jazzer der Lounge Lizards John Lurie sowie dem
Filmregisseur Jim Jarmusch Bekanntschaft schlossen.
Waits wurde im Jahr nach Swordfishtrombones von Hal Willner
kontaktiert, der ein Album zum Gedenken an Kurt Weill zusammenzustellen
begann, das unter dem Namen Lost In The Stars für Aufsehen sorgen
sollte. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderen John Zorn, Buster
Poindexter und Stan Ridgway. Waits steuerte seine Version von "What Keeps
Mankind Alive?" aus Weills Dreigroschenoper bei.
Es war übrigens Hal Willner, der Tom Waits mit Marianne
Faithfull bekannt machte, die für das Weill-Tributalbum ihre Version von
"Ballad Of The Soldier's Wife" aufgenommen hatte. Waits komponierte
später für sie den Song "Strange Weather", der 1987 auf dem
gleichnamigen Album erschien. Brennan firmierte als Koautorin des Songs, den
Waits selbst erst 1988 aufnahm und auf dem Live-Album Big Time
veröffentlichte.
Swordfishtrombones war der Auftakt zu einer Album-Trilogie, die 1985
mit dem in New York aufgenommenen Rain Dogs seine Fortsetzung fand.
Keith Richards, der Gitarrist der Rolling Stones, arbeitete sowohl auf Rain
Dogs als auch auf dem späteren, brillanten Bone Machine mit, das
zu meinen Waits-Lieblingsalben gehört. Auf Rain Dogs wimmelte es nur
so von Seemännern und Leierkastenspielern. Es beinhaltete auch das Lied
"Downtown Train", mit dem Rod Stewart 1989 auf #3 der Billboard
Charts vorstiess. Der Gitarrist Marc
Ribot, ein zeitweiliges Mitglied der Lounge Lizards, spielte hier erstmals
mit Tom Waits zusammen. Er ist auch auf dem aktuellen Album, Real Gone,
zu hören. Rain Dogs war weltweit ein Erfolg. Tom Waits ging dafür im
Herbst 1985 erneut auf Tournee.
Im Kino war Tom Waits in The Stone Boy und The Cotton Club
(beide 1982), in Rumblefish und The Outsiders (beide 1983) sowie
in Down By Law (1985) von Jim Jarmusch zu sehen. In Down By Law
spielte er seine erste Hauptrolle an der Seite von John Lurie und Roberto
Benigni. 1987 verkörperte er in Ironweed die Figur des Rudy in einem
Film mit Meryl Streep und Jack Nicholson. Dabei lernte er nach eigener Aussage
viel über die Gestaltung einer Geschichte und eines Filmcharakters, was ihm
bei der Arbeit an Frank's Wild Years zugute kommen sollte. Zwischen
1986 und 1990 war Tom Waits zudem in den Filmen Candy Mountain, Cold
Feet, Bearskin, The Two Jakes sowie in Mystery Train,
einem weiteren Steifen von Jim Jarmusch, in dem er einem Radio-DJ seine Stimme
verlieh, zu sehen bzw. zu hören. Unvergessen ist Tom Waits' Leistung als
Renfield in Bram Stoker's Dracula.
Das Musical Frank's Wild Years markierte den Abschluss seiner Trilogie
und den nächsten Meilenstein in seiner Karriere. Zusammen mit Bone Machine und Real Gone gehört
der Soundtrack zu den besten Alben seiner bisherigen Karriere. Frank's
Wild Years beschreibt der Musiker selbst als eine Kreuzung zwischen einem
Roman von Jacqueline Susann und der Bibel. Ursprünglich sollte Robert Wilson
das Musical inszenieren, lehnte jedoch ab, um später dann doch mit Waits beim
Projekt Black Rider zusammen zu arbeiten.
Die Geschichte von Franks Wild Years dreht sich übrigens um Frank,
einen gescheiterten Akkordeonspieler, der bereits im Titelsong von Swordfishtrombones
vorgestellt wurde. Das Musical war die bis heute engste Zusammenarbeit von
Waits und Brennan. Unter den Musikern, die den Soundtrack dazu aufnahmen,
waren Greg Cohen, Marc
Ribot, Larry Taylor und Francis Thumm. David Hidalgo von Los Lobos
steuerte einen Gastauftritt bei. Im Herbst 1987 ging Waits mit Franks Wild
Years auf Tour.
1989 trat Tom Waits erneut im Theater auf, diesmal mit Bud Cort und Carol Kane
in Demon Wine von Thomas Babe. Dies war Waits' erste grosse Rolle in
einem Stück eines fremden Autors. Die Inszenierung stammte von der Los
Angeles Theater Company.
Er stellte das Video Big Time zusammen, das hauptsächlich aus
Konzertmitschnitten aus San Francisco, Dublin, Stockholm, Berlin und Los
Angeles bestand. Einzig "Falling Down" war im Studio entstanden. Zu
den Begleitmusikern gehörten unter anderen Greg Cohen (Bass) Marc
Ribot (Gitarre), Willie Schwarz (Orgel, Sitar und Akkordeon). Die Songs
stammten mit der Ausnahme von "Ruby's Arms" und "Red Shoes"
aus den Elektra-Asylum-Jahren nur aus Stücken der mit Swordfishtrombones
begonnen neuen Zeit.
1988 strahlten rund 250 Radiostationen einen Werbespot für Snackprodukte aus,
bei denen eine Tom Waits täuschend ähnliche Stimme "Step Right Up"
sang. Waits verklagte das Unternehmen und erhielt 2,5 Millionen Dollar als
Entschädigung ausbezahlt.
1992 veröffentlichte Tom Waits Bone Machine, ein Album, das
rhythmischer als alle anderen zuvor war. Country-Blues,
Baumwollpflückergesänge, primitiver Rock und Ölkanister, die als Trommeln
dienten, gehörten zum Material, das der Musiker zu einem eindringlichen,
mitreissenden, von Todesmotiven durchzogenen Kunstwerk verarbeitete. Zurecht
wurde die CD 1992 mit einem Grammy für die "Best Alternative Rock
Performance" ausgezeichnet.
Im gleichen Jahr erschien der Filmsoundtrack Night On Earth, eine
weitere Gemeinschaftsarbeit mit seiner Frau. Die Platte war inspiriert vom
Folksong-Sammler und Sound-Archivar Alan Lomax, der von den Gesängen von
Feldarbeitern bis zu den Geräuschen von Registrierkassen fast alles
aufgenommen hat.
1993 erschien das Album Black Rider, das Waits' Arbeit mit Robert
Wilson von 1989 und 1990 dokumentiert. Die Theaterproduktion war in Hamburg
Thalia Theater konzipiert und uraufgeführt worden. William S. Burroughs steuerte nicht nur
Texte bei, sondern kam zwischendurch auch als Sänger zum Einsatz.
Nach Black Rider haben Waits und Wilson erneut bei Georg Büchners Woyzeck
zusammen gearbeitet. Die Inszenierung hat im November 2000 in Kopenhagen ihre
Premiere, im Rahmen der Veranstaltung "Cultural Bridge 2000", mit
der die Brücke zwischen Dänemark und Schweden eingeweiht wurde. Woyzeck
wurde 2000 von Dänemarks Kritikern zum besten Musical des Jahres gewählt.
Bereits 1995 hatte Waits zusammen mit seiner Frau und Paul Schmidt das Musical
Alice verfasst und in New York aufgeführt. Bei Alice handelt es sich
um die Muse des Schriftstellers Lewis Carroll. Wenige Monate danach hatte
Waits im Paramount Theater in Oakland einen seiner selten gewordenen
Live-Auftritte. Es war ein Benefizkonzert. Weitere solche Auftritte sollten
folgen.
1998 verliess Tom Waits Island Records und wechselte zum Independent-Label
Anti/Epitaph, das bis dahin auf New Punk
spezialisiert war. 1999 veröffentlichte Waits dort die CD Mule Variations, das
sich hervorragend verkaufte. Weltweit gingen über eine Million Alben über
den Tisch. In Grossbritannien schaffte es Mule Variations bis auf #9,
in Deutschland auf #4 und in den USA auf #30. Es wurde mit einem Grammy als "Best Contemporary
Folk Album" ausgezeichnet und zudem für einen Grammy in der
Kategorie "Best Male Rock Performance" für die Single "Hold
On" nominiert.
Inspiriert war der Albumtitel unter anderem vom Blues-Vater Robert Johnson,
dessen Vater ihn ständig ermahnte, seinen Pflug endlich ans Maultier zu
spannen (to get behind the mule). Das hiess, endlich aufzuhören, in
der Gegend rumzusitzen und Gitarre zu spielen, sondern etwas aus seinem Leben
zu machen. 1999 und 2000 reiste Tom Waits mit seiner Get Behind The Mule-Tour
durch Europa.
Unter den vielen, die in den letzten Jahren Coverversionen von Tom Waits-Songs
aufnahmen, sei auf Ute
Lemper verwiesen, die auf ihrer CD Punishing Kiss aus dem Jahr
2000 mehrere Songs von Tom Waits und anderen interpretierte, sowie auf
Diana Krall, deren 2004-Album The
Girl in the Other Room eine Coverversion von "Temptation"
enthält.
Im Kino war Tom Waits 2004 zusammen mit Iggy Pop in Coffee & Cigarettes
von Jim Jarmusch zu sehen. Als Hauptereignis des Jahres veröffentlichte er
sein zweites Album für Anti/Epitaph, Real
Gone, eines seiner besten überhaupt. Im November 2004 trat er
dreimal im Berliner Theater des Westens auf, um Real Gone zu
promoten. Mit dabei waren Marc
Ribot (Gitarre), Larry Taylor (Bass) und Brain Mantia (Schlagzeug).
Zu Teil 1 der
Biografie: 1949 bis 1976.
|
 |
456,000 sheet music titles - Shop Now! |
|

Hinzugefügt am 30.12.2006: Tom Waits: Orphans. Brawlers, Bawlers &
Bastards. 3 CD-Set, 2006. Bestellen bei
Amazon.de oder
Amazon.com.

Cath Carroll: The Music Makers. Tom Waits. Hannibal Verlag, 2000/2001
dt. Ausg., 162 S. Buch bestellen bei Amazon.de. Das handliche Buch zu Leben, Werk und Anekdoten von und zu Tom
Waits - mit etwas zuviel Wiederholungen - ist die Quelle für den
nebenstehenden Artikel.

Tom Waits: Real Gone, 2004. CD bestellen bei Amazon.de,
Amazon.com. Eines seiner besten Alben, ein musikalisches Highlight des Jahres
2004, das mit Kompositionen wie mein Lieblingslied "Don't Go Into That
Barn" sowie "Make It Rain", "Baby Gonna Leave Me" und
"Clang Boom" begeistert.

Tom Waits: Mule Variations, 1999. CD bestellen bei Amazon.de,
Amazon.com. Sein kommerziell erfolgreichstes Album, das mit einem Grammy als
"Best Contemporary Folk Album" ausgezeichnet wurde.

Tom Waits: Bone Machine, 1992. CD bestellen bei Amazon.de,
Amazon.com. Aus dem Begräbnissound des postapokalyptischen Performers ragen
Songs wie "Dirt in the Ground", "All Stripped Down" und
"I Don't Wanna Grow Up" heraus. Gehört in jede CD-Sammlung!

Tom Waits: Franks Wild Years, 1987. CD bestellen bei
Amazon.com.
Herausragende Songs sind "Hang on St. Christopher", "Way Down
in the Hole", "Cold Cold Ground" und "Innocent When You
Deam". Sie machen das Album zu einem Ereignis.
Musiknoten
- Sheet music by Tom Waits.
 |
456,000 sheet music titles - Shop Now! |
|
|