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Die grossen Dirigenten unserer Zeit von Julia Spinola
Artikel vom 19. April 2005
 
Es war lange ein Desiderat, das von Julia Spinola vorgelegte Buch Die grossen Dirigenten unserer Zeit. Der Autorin geht es darum, die dreissig im deutschen Sprachraum bedeutendsten, heute aktiven Dirigenten näher zu beleuchten, sie musikalisch zu typisieren, ihre Schwerpunkte zu orten, ihre Stärken und Schwächen herauszuarbeiten, Konzerte und Tonträger zu bewerten.. Darüber hinaus bietet der Lexikonteil am Buchende knappe Angaben zu hundert weiteren Dirigenten und ihren CDs.

Die Hauptkritik gleich zu Beginn: Warum fehlt David Zinman? Er hat es nur in die Kurzportraits geschafft, was völlig unverständlich ist. Der Amerikaner ist im Musikleben des deutschen Sprachraums nicht nur präsent, er hat seit 1995 mit dem Tonhalle Orchester Zürich den Sprung in die Weltliga geschafft, unter das Dutzend der weltweit führenden Orchester. Wohl kein anderes Sinfonieorchester im deutschsprachigen Raum hat im letzten Jahrzehnt eine solch positive Entwicklung durchgemacht. Ich hatte in den 1980er Jahren sowie zu Beginn der 1990er Jahre mehrfach das Orchester gehört und jedes Mals als mittelmässig eingestuft. Als ein ab 1986 sechzehn Jahre in Genf lebender Zürcher deutete ich die ab Mitte der 1990er Jahre auch in die französische Schweiz durchsickernden enthusiastischen Berichte, nicht zuletzt über die Neue Zürcher Zeitung, als Lokalpatriotismus, bis ich so um das Jahr 2000 erstmals die Gelegenheit hatte, das Tonhalle Orchester wieder live zu hören. Seither hat es mich nie mehr enttäuscht. Wie erwähnt: Weltniveau. Hat es Julia Spinola etwa nie bis nach Zürich geschafft? Das können wir nicht glauben.
 
Wie dem auch sei, die 1962 geborene Musikkritikerin, die seit dem Jahr 2000 als Redakteurin für die Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt, füllt mit ihren dreissig Portraits eine schmerzliche Lücke. Hoffentlich macht sich bald jemand daran, eine vergleichbare Arbeit zu den grossen Pianisten dieser Welt zu schreiben - er könnte einen Bestseller schaffen und in viele Sprachen übersetzt werden.

Unter den von Julia Spinola präsentierten Dirigenten finden sich etablierte Namen wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Pierre Boulez, Valery Gergiev, Nikolaus Harnoncourt und Christian Thielemann. Daneben bricht sie jedoch auch eine Lanze für junge Talente wie Marc Albrecht, Daniel Harding und Jonathan Nott und widmet das letzte Kapitel den Dirigentinnen Sian Edwards und Simone Young, die noch immer ein Exotendasein in diesem von den Herren der Schöpfung dominierten Metier fristen.

Wie immer kann man über die Typisierungen von Julia Spinola streiten, doch sie regt zum Nachdenken, Musikhören und -sehen in Konzertsälen, auf Platten, CDs und DVDs an. Vor allem aber scheut sie sich nicht, kritische Urteile und Kritiken abzugeben - über die man erneut streiten kann, die aber dafür bürgen, dass die Autorin nicht in peinlichen Lobhudeleien versinkt.

Mit Interesse las ich die Ausführungen zu Franz Welser-Möst, dem Chefdirigenten des Opernhauses Zürich und des Cleveland Orchestra. Ihn hörte ich mehrmals in Zürich Opern sowie einmal eine Operette dirigieren. Er war nie schlecht, aber auch nicht so herausragend, dass seine Auftritte unbedingt einen Ruf zum Cleveland Orchestra, dem zusammen mit Boston und Chicago führenden Sinfonieorchester der USA, erwarten liessen. Einige hörten das anders, neben dem Zürcher Intendanten Alexander Pereira - alles andere als ein Dilettant in seinem Metier - auch Julia Spinola. Die Journalistin beschreibt den Stil von Welser-Möst als ein "... Ineinander von grösster Kultiviertheit und konventioneller Direktheit". Im August 2005 bietet sich am Lucerne Festival die Möglichkeit, den Dirigenten an der Spitze des Cleveland Orchestra mehrfach zu hören und so die Einschätzung von Julia Spinola erneut zu überprüfen.

Die grossen Dirigenten unserer Zeit ist alles in allem ein jedem Freund der klassischen Musik ans Herz zu legendes Werk, dem wir bald eine Neuauflage in erweiterter Form - vielleicht mit mehr Platz für David Zinman - wünschen.

Julia Spinola: Die grossen Dirigenten unserer Zeit. Henschel Verlag, 2005, 287 S. Buch bestellen bei Amazon.de oder citydisc Schweiz.

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