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Grosse Cellisten
Artikel vom 14. Januar 2013
Das Buch Grosse Cellisten (Amazon.de )
des Münchner Musikjournalisten Harald Eggebrecht schloss 2007 eine Lücke, denn zu den bedeutendsten Virtuosen am Cello lag kein
(zumindest kein aktuelles) Buch
vor. Grosse Cellisten
bietet eine Fülle von Portraits, die Lust aufs Musikhören machen, auch wenn
das eine oder andere Bild etwas missglückt ist.
Harald Eggebrecht stellt Giganten
und weniger bekannte Cellisten vor sowie Klassiker der Musikliteratur wie
auch heute weitgehend vergessene oder selten gespielte Stücke. Anekdoten und
unterhaltsame Begebenheiten lassen die bereichernde und anregende Lektüre
zum Genuss werden. Wer danach nicht zu einer Cello-CD greift, wen es danach
nicht in einen Konzertsaal drängt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Das Geleitwort zu Grosse Cellisten
stammt von
Janos Starker (*1924; CDs von
Janos Starker ),
dem amerikanischen Cellisten ungarischer Herkunft, der als Virtuose und
Lehrer von Bedeutung ist. Ihm widmet Harald Eggebrecht die Seiten 112-132
unter dem Titel
„In der sengenden Hitze der Kälte“. Eggebrecht beschreibt Starker als
disziplinierten, konzentrierten und nach innen gekehrten Cellisten. Aus der
Zurückgenommenheit Starkers, der den Komponisten ins Zentrum stelle, wachse
in den besten Momenten elektrisierende, atemberaubende Spannung.
Sein Buch Buch Grosse Cellisten (Amazon.de )
beginnt Harald Eggebrecht, nach einer Einleitung „Zur Situation des
Violoncellos am Beginn des 21. Jahrhunderts“, in dem er bereits den
Katalanen als Revolutionär der Spieltechnik und des Repertoires lobt, mit einem Portrait von Pablo
Casals (*1876 -1973†; CDs von und mit Pablo Casals; Bücher zu Pablo Casals bei
Amazon.de ).
Unter dem Titel „Der Vater - oder Wahrhaftigkeit des Ausdrucks“ beschreibt
er Pau Casals hiess als den Cellisten
schlechthin. Er bezeichnet ihn als Begründer und absoluten Höhepunkt des modernen
Cellospiels und beschreibt seinen Altersstil als rau und von kompromissloser
Expressivität geprägt. Die Einspielungen von Johann Sebastian
Bachs Cellosuiten
gehören zu den Glanzlichtern von Casals Repertoire (bestellen bei
Amazon.de ).
Unter den jungen Cellistinnen hatte Harald Eggebrecht schon 2007 zurecht die
Argentinierin Sol Gabetta (*1981; CDs von
Sol Gabetta )
ausgemacht. Er präsentierte sie in einem Kapitel unter dem Titel
„Sterne möglicher Cellozukunft“. Als weitere aufgehende Stars am
Cellohimmel bezeichnete er Han-Na Chang, Daniel Müller-Schott, Gautier
Capuçon und andere.
Sol Gabetta
beschrieb er als Wunderkind, dem der Durchbruch spätestens mit der Aufnahme
des zweiten Cellokonzerte von
Dimitri
Schostakowitsch. Ihr Spiel beschreibt Eggebrecht als „sonnendurchflutet
und gleichsam etwas spanisch, sandig, rau, energisch, ohne Forcierung,
manchmal nervös flirrend, manchmal träumerisch versonnen.“ Fernsehzusehern
ist
Sol Gabetta
inzwischen als sympathische Präsentatorin der BR-Klassik-Sendung
KlickKlack bekannt.
Den Österreicher
Heinrich Schiff (*1951; CDs von Heinrich Schiff )
bezeichnet Harald Eggebrecht als einen Cellisten, der mit schwierigen
Dirigenten wie
Celibidache und Harnoncourt
gearbeitet hat und noch arbeitet und sich ausgiebig der zeitgenössischen
Celloliteratur widmet. Er verwies in einem Interview 2006 darauf, dass die
Musikhörer vor 250 Jahren überhaupt nur das Neue interessiert habe. Bei Heinrich Schiffs
Ton stellt Eggebrecht eine Grunderregtheit auf, der es ein wenig an
klanglicher Gelassenheit fehlt, was der Autor nicht als Makel verstanden
haben will, sondern ihm nur der Differenzierung diene.
Schiff
verfüge über ein grenzenloses Variationspotenzial von heftigster Attacke bis
zu tonlosem Ersterben, von Fieber bis zu konstruktiver Klarheit, von
barocker Leichtigkeit bis zum mitreissenden Wärmestrom. Darunter kann sich
der Leser etwas vorstellen.
Eine meiner Lieblingscellisten beschreibt Eggebrecht in einem mit
„Intensität und Exaltation“
überschriebenem Kapitel: Jacqueline du Pré
(*1945-1987†).
Zara Nelsova und Lynn Harrell sind die beiden anderen Musiker, die der Autor
im erwähnten Abschnitt porträtiert. Jacqueline du Pré
ist nicht nur eine Legende, weil sie bereits mit 42 Jahren an multipler
Sklerose verstarb, sondern weil sie aus ihren zwei Stradivari-Celli
ausserordentliche Töne herausholte. Nach ihrem Tod kaufte übrigens Lynn
Harrell eines der zwei Instrumente. Das andere überliess sie nach ihrem
erzwungenen Abgang von der Bühne dem talentierten, zehn Jähre jüngeren Yo-Yo Ma
(mehr zu ihm unten). Eggebrecht beschreibt Jacqueline du Pré
als eine Blondine, die Musik in Rage und Exaltation versetzen konnte, die
sich ausspielen, sich hingeben, sich in Musik verströmen und erschöpfen
konnte. Es war ein Hier-und-jetzt-Erleben, unmittelbar und direkt, mit
Übertreibungen und Verzerrungen, ja Gewalttätigkeiten. Die Britin spielte
voller Inbrunst und Spontaneität. 1967 heiratete sie den im Jahr zuvor
kennengelernten
Daniel Barenboim.
Die Sonatenabende der beiden Vollblutmusiker machten zu Recht Furore. Der
Name von Jacqueline du Pré
wurde geradezu mit dem späten Cellokonzert von Edward Elgar identifiziert.
Sie erfüllte laut Eggebrecht die Celloelegie mit enormer Traurigkeit,
Lebenswärme und tonlicher Kraft. Feurig, schwermütig und untröstlich ist ihr
Spiel, das im Finale in geradezu ekstatischer Grösse endete. Die frühe
Krankheit erlaubte es ihr nur rund ein Jahrzehnt auf der Bühne zu stehen.
Eine Tragödie.
Der oben erwähnte Yo-Yo Ma
(*1955) fehlt natürlich in Harald Eggebrechts Buch nicht. Sein Spiel
beschreibt er unter dem Titel
„Einheit in der Vielfalt.“ Der chinesisch-amerikanische, in Paris geborene
Cellist spielte bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt
Lake City. Er kann Stadien auch ohne Sportanlass füllen. Der Autor lobt die
technische Akkuratesse des Musikers, die rhythmische Prägnanz seiner
Bogenführung, die Delikatesse seines Vibratoeinsatzes. Eggebracht
unterstreicht zurecht, dass Yo-Yo Ma
mit völlig unterschiedlich ausgerichteten Musikern wie Gidon Kremer, Ton
Koopman und
Bobby McFerrin gearbeitet hat. Yo-Yo Ma
ist offen für musikalische Begegnungen aller Art. Laut Eggebrecht strahlt
der Cellist Wärme und Zuversicht aus, bleibt auch im heftigsten Forte
schlank, klingt in der Höhe hell timbriert, in der Tiefe sonor ohne Grunzen
und Knarren, und all das bei makelloser Technik.
Mischa Maisky (*1948; CDs von
Mischa Maisky )
aus Riga hat der Schreibende schon
mehrfach live erlebt,
so auch am
Verbier
Festival & Academy 2000 im Streit mit einem
Kollegen!
Seine Cellosonaten
von Johann Sebastian Bach sind herausragend.
Maisky gehört zu den ganz wenigen Cellisten, der sowohl bei Mstislaw
Rostropowitsch als auch bei Gregor Piatigorsky Unterricht genommen hat.
Beiden Meistern widmet Eggebrecht natürlich eigene Kapitel. Mehr dazu sowie
eine Antwort auf die Frage darauf, worum der Autor Emanuel Feuermann im
Schlusskapitel als „Einen Grösseren gibt es nicht“
bezeichnet, findet sich im Buch.
Insgesamt vereint der wärmstens zu empfehlende Band von Harald Eggebrecht
über 64 Cellisten-Portraits. Im Zentrum steht jeweils die Frage was spielt
wer wie?
Grosse Cellisten, Piper, 2007, 407 Seiten. Bestellen bei
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Grosse Cellisten von
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