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Die Debatte Royal -
Bayrou vom 28. April 2007
Hinzugefügt am 3. Mai 2007
Bayrou bleibt doch nicht wirklich
neutral. Laut Le Monde vom 3. Mai 2007 hat er nach der Debatte
Royal - Sarkozy klargemacht, dass er nicht für Sarkozy stimmen wird, ohne
jedoch deshalb Royal zu unterstützen. Seine Parlamentarier hingegen sprechen
sich weitgehend für Sarkozy aus.
Artikel vom 1. Mai 2007
Die Präsidentschaftswahl in Frankreich treibt seltsame Blüten.
Am Samstag, dem 28. April 2007, kam es in einem Pariser Hotel zu einer Debatte zwischen
der noch immer im Rennen um die französische Präsidentschaft liegenden
sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal und dem - zusammen mit dem
rechtsradikalen Le Pen - grossen Verlierer der
ersten Wahlrunde, dem Drittplatzierten François
Bayrou der liberal-zentristischen UDF.
Da die Sozialistin Royal auf die Stimmen des
„neuen“ Zentrums von Bayrou mit 18% Wahlanteil angewiesen ist, um Sarkozy
mit Schützenhilfe der extremen Linken zu schlagen, und der UDF-Kandidat Bayrou
sich als möglicher Königsmacher und dritte Kraft im Gespräch halten wollte,
einigten sich die zwei vormaligen Kontrahenten nach der
ersten Runde rasch auf eine im Radio und Fernsehen übertragene Debatte.
Im Gespräch vom 28. April 2007 strichen Royal und Bayrou die Gemeinsamkeiten
ihrer Positionen hervor, wobei der Zentrist immer wieder die Existenz von drei
politischen Kräften in Frankreich betonte.
Bayrou und Royal hatten sich kurz vor der Debatte in einem separaten Zimmer zu
einem Vier-Augen-Gespräch getroffen. Sie machten gleich zu Beginn der Debatte klar, dass am Ende des
rund 90minütigen Meinungsaustausches keine gemeinsame Allianz gegen Sarkozy
stehen würde.
Indirekt lief es natürlich genau darauf hinaus, denn sowohl Bayrou als auch
Royal brauchen einander. Beide haben im Wahlkampf Sarkozy als Gefahr für die Demokratie in Frankreich verteufelt.
Insbesondere Bayrou hatte stark gegeifert. Umso fragwürdiger, dass er sich für
den zweiten Wahlgang nicht offen für Royal ausspricht. Stattdessen lässt er
seinen Wählern und seinen Abgeordneten die freie Wahl, sich für Royal oder
Sarkozy zu entscheiden, was seiner Glaubwürdigkeit nicht zuträglich ist. Wenn
Sarkozys Präsidentschaft Frankreich tatsächlich in seinen demokratischen
Grundfesten erschüttern würde, dann müsste Bayrou nun auf eine breit abgestützte Allianz gegen
den Kandidaten der UMP arbeiten.
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Auf die
berühmt-berüchtigte, sich selbst entlarvende Formel „tout sauf Sarkozy“ muss nur
zurückgreifen, wer keine Inhalte bieten kann. Doch selbst hier erweist sich
Bayrou als schwammiger Opportunist, der seine Linie nicht konsequent durchzieht,
sondern laviert, um nicht als Wahlhelfer der Linken dazustehen.
Sarkozy strafte Bayrou und sein Angebot einer Debatte mit Ablehnung. Auf die
Debatte zwischen Royal und Bayrou gemünzt meinte er treffend, noch nie habe ein
Final um die Fussballweltmeistermeisterschaft zwischen dem Zweit- und dem
Drittplazierten stattgefunden.
Nun, da es um die Stimmen des Zentrums geht, lädt Ségolène Royal wieder ihren
vormaligen
innerparteilichen Kontrahenten Dominique Strauss-Kahn ein. Noch am 16. März 2007 bei einer
politischen Veranstaltung in Charleville-Mézières hatte sie ihn hochmütig ignoriert und sich geweigert, sich mit
ihm auf der Bühne zu zeigen. Nun zeigte sie sich
demonstrativ mit Strauss-Kahn auf der Terrasse eines Pariser Restaurants,
berichtete Le Figaro. Am 31.
April 2007 meinte sie gar, der kurz DSK Genannte wäre ein sehr guter
Premierminister. Auch Michel
Rocard, der sich kurz vor der ersten Runde mit seiner ausgestreckten Hand an die
Zentristen unbeliebt gemacht hatte, ist in der Gunst der sozialistischen
Kandidatin wieder gestiegen.
Zurück zur Debatte vom 28. April 2007, in der François Bayrou die Idee seiner
Kontrahentin eines europaweiten Minimallohnes zurecht als „nicht seriös“
einstufte. Ségolène Royal wehrte sich mit peinlich populistischen,
realitätsfernen Worten: Es handle sich um ein
europäisches Ideal, das es zu erreichen gelte, wobei alle 27 Mitgliedsländer
zuerst einen eigenen Minimallohn definieren sollten, woraufhin eine Konvergenz
der Löhne angestrebt werden solle.
Die Wirtschaft war allgemein der Punkt, in dem sich Ségolène Royal und François
Bayrou am wenigsten verstanden, was der Chef der UDF klar machte, ja machen
musste, um nicht seine liberalen Wähler zu verärgern. Bayrou unterstrich
zurecht, dass die Wirtschaft nicht durch finanzielle Geschenke an bestimmte
Wählergruppen angekurbelt werden kann, wie es das Programm von Royal vorsieht.
Gleichzeitig verpasste er Sarkozy einen Seitenhieb mit der Bemerkung,
Steuersenkungen halte er für irrealistisch.
In vielen anderen Reformpunkten fanden Royal und Bayrou ein - oft vages -
Einverständnis. Was hat die Debatte vom 28. April 2007 Neues gebracht? Nichts,
das wir eigentlich nicht bereits wussten. Es war ein reiner publicity stunt.
In einem späteren Fernsehinterview schloss Royal auf eine entsprechende
Journalistenfrage nicht aus, Bayrou zum Premierminister zu ernennen. Dass zu
Royals Wählerschaft in der zweiten Runde auch die extreme Linke gehören wird,
die liberalen Rezepten völlig abgeneigt ist, kam nicht zur Sprache.
Die Parlamentswahl vom 10. und 17. Juni 2007 steht ebenfalls vor der Tür. Viele
Abgeordnete der liberalen UDF werden sich daran erinnern, dass sie bisher auf
Wahlabsprachen mit Sarkozys Regierungspartei zählen konnten. Der Chef der UMP
liess denn auch verlauten, für die Abgeordneten der UDF, die sich vor der
zweiten Wahlrunde für ihn aussprächen, gelte dies weiterhin...
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