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Hamas und Fatah im
Krieg
Bürgerkrieg in
Palästina - der Gazastreifen unter der Kontrolle der Hamas
Artikel vom 21. Juni 2007
Nachdem der Machtkampf zwischen Hamas
und Fatah, zwischen Premierminister Haniyya (Haniyeh) und Präsident Abbas, in einen
Bürgerkrieg ausartete und Hamas in einer Art Putsch die Kontrolle im
Gazastreifen übernommen hat, ist wieder mehr oder weniger Ruhe eingekehrt.
Präsident Abbas reagierte mit der Absetzung von Premierminister Haniyeh und der
Auflösung der Regierung der Nationalen Einheit, die ohnehin mehr einem Kabinett
der Nationalen Zwietracht glich.
Abbas und Fatah konnten sich nie richtig mit dem Machtverlust nach den
Parlamentswahlen im Januar 2006 abfinden. Haniyya und die Hamas ihrerseits wollten nie die
Bedingungen des Nahostquartetts (USA, EU, Russland und UNO) akzeptieren,
insbesondere die offizielle Anerkennung des Staates Israel. Die Hamas-Charta
sieht stattdessen noch immer die Zerstörung Israels vor. Niemand hatte erwartet,
dass Haniyeh an die Macht kommt und dann gleich Israel anerkennt. Doch er hatte
nun ein Jahr Zeit gehabt, um seine Anhänger sanft an eine Positionsänderung
heranzuführen. Haniyya schlug jedoch lediglich einen 10jährigen Waffenstillstand
mit Israel vor. Solche Erklärungen sind brüchig und bilden keine ernstzunehmende
Alternative zu einer offiziellen Anerkennung Israels. Sogar die saudiarabische
Führung hat dies erkannt und öffentlich kundgetan.
Die Hamas-Führung hörte wohl nicht richtig hin und entschied sich im Gegenteil
dafür, in einem blutigen Kleinkrieg militärisch die Führung in Gaza zu
übernehmen. Haniyya erklärte danach treuherzig, er anerkenne seine Absetzung
nicht an und wolle weiterhin in der Regierung der Nationalen Einheit mit der
Fatah zusammenarbeiten, die Ordnung im Gazastreifen wiederherstellen und rief
zum Ende der Gewalt auf, die ja gerade er initiiert hatte.
Der 1935 geborene Mahmud Abbas hat sich einmal mehr als Zauderer erwiesen. Er
drohte der Hamas lange mit Neuwahlen - welche die Fatah vielleicht erneut
verloren hätte - um dann mit Hamas eine Regierung zu bilden. Die Hamas erhoffte
sich von der Einheitsregierung ein Ende ihrer internationalen Isolierung, ohne
Israel anerkennen zu müssen. Für Fatah war es der Weg zurück an die Futtertröge
der Macht. Abbas hätte allerdings wissen müssen, dass eine Einheitsregierung nur
einen Sinn macht, wenn Haniyeh bereit ist, die Konditionen des Nahostquartetts
anzuerkennen. Der palästinensische Präsident brauchte bis zum 14. Juni 2007, bis
zu den Gewaltaktionen der Hamas gegen die Fatah, um zu erkennen, dass mit
Haniyeh und der Hamas dieser Weg im Moment noch unmöglich ist.
Erstaunlich an der Entwicklung war lediglich, dass Hamas nicht versuchte, Israel
anzugreifen, um so die Schuld an der internationalen Isolierung Palästinas und
der daraus resultierenden wirtschaftlichen und sozialen Misere dem Erzfeind
zuzuschieben. Stattdessen entschloss sich die Hamas für einen Bruderkampf gegen
die Fatah und Präsident Abbas.
Israel, die USA und die EU behandeln nun den Gazastreifen und das Westjordanland
unterschiedlich. Der moderate Abbas wird nun viel zu spät belohnt. Er ist seit
Januar 2005 Präsident und konnte nach einem Jahr im Amt nicht viel vorweisen,
weshalb die Parlamentswahlen vom Januar 2006 verloren wurden.
Das Ziel der unterschiedlichen Behandlung von Westjordanland und Gazastreifen
ist es, den Palästinensern aufzuzeigen, dass die Kooperation zu Wohlstand und
Anerkennung führt, während dem die Nicht-Kooperation durch die Hamas in Gaza in
den wirtschaftlichen Ruin und die totale internationale Isolierung (abgesehen
vom Iran) führt.
Dies ist insofern gefährlich, als die Hamas in Gaza kaum freie Wahlen
zulassen wird und niemand bereit scheint, die Hamas in Gaza nötigenfalls mit
Waffengewalt von der Macht zu vertreiben. So aber besteht die Gefahr, dass der
Gazastreifen erst recht zu einer Basis für Terroristen und Extremisten wird.
Die Unfähigkeit der Hamas macht zudem aus der korrupten und unfähigen Fatah noch
lange keine leuchtende Attraktion für die palästinensischen Wähler. Immerhin
kooperieren nun Israel und der Westen mit Abbas, sodass die vom
palästinensischen Präsidenten ernannte Übergangsregierung unter der Leitung von
Ministerpräsident Salam Fayyad im Westjordanland vielleicht endlich
substantielle Erfolge für die Palästinenser erzielen kann.
Der unabhängige Salam Fayyad ist ein ehemaliger Ökonom der Weltbank und
Vertreter des Internationalen Währungsfonds in Palästina, der im zweiten
Kabinett Haniyeh als Finanzminister aktiv war. Er gehört zu den wenigen fähigen
und glaubwürdigen Politiker in Palästina. Ihm könnte im Zusammenspiel mit Abbas
vielleicht endlich eine Trendwende gelingen. Was aber wird aus dem Gazasteifen?
Die Situation dort ist schon vor dem bürgerkriegsähnlichen Putsch der Hamas
eskaliert. Bereits am 12. Mai 2007 wies Avi Issacharoff in
Haaretz darauf hin, dass der Gazasteifen seit Wochen brennt, nur nahm es
die internationale Presse nicht zur Kenntnis. Er verwies auf die über 100,000
Bewaffneten in Gaza hin, die zur Hamas, zur Fatah, zu allerlei politischen,
militärischen und paramilitärischen Gruppen und Grüppchen sowie nicht zuletzt zu
lokalen Klans gehörten, welche die Region unsicher machten. Der Journalist
verwies auf al-Qaida-ähnliche Gruppen, welche die Hamas-Extremisten wie
Pfadfinder aussehen liessen und mit dem Westen verbundene Institutionen
zerstörten.
Die 1,4 Millionen Palästinenser im Gazastreifen konnten dem Machtkampf zwischen
Hamas und Fatah nicht ausweisen, da ihnen nur die Grenze zu Rafah nach Ägpyten
offen stand. Das Westjordanland wird mit Hilfe des Westens und Israel sich
erholen. Doch was geschieht im Gazastreifen? Die Hamas wird im eigenen Interesse
das fast tägliche Abschiessen von Raketen auf Israel unterbinden müssen, denn
seit der Zerstörung eines grossen Elektrizitätswerks in Gaza durch Israel stammt
der Strom in
“Hamastan” so gut wie vollständig
aus Israel. Ohne Hilfslieferungen aus dem Ausland läuft ohnehin nichts in einem
Gebiet, in dem die überwiegende Mehrheit unter dem Existenzminimum vegetiert.
Druckmittel sind genügend vorhanden, um Hamas vielleicht doch noch zur Einsicht
zu bringen.
Olmert und Abbas treffen sich am Montag dem 25. Juni 2007 in Ägypten, wobei
neben Mubarak auch der jordanische König Abdullah II. anreist. Hoffnung auf
konstruktive Resultate bestehen.
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Weiterführende Artikel zu Palästina, Israel und dem Nahen Osten allgemein:
deutsch:
- Israel
nach den Wahlen 2003 und der Friedensplan
- Ariel
Scharon und die neue israelische Regierung
März 2001
-
Barak,
Scharon und Arafat Oktober 2000
-
Der Nahe Osten 2006
englisch:
-
Israel's war in Lebanon in 2006
-
Israel and Palestine after the elections 2006
- The
Middle East roadmap (document)
- Israel
after the 2003-elections
- Sharon
in a dead end street - November 2002
- Ariel
Sharon is Israel's new Prime Minister, Ehud
Barak, Yasser
Arafat, Shimon
Peres
-
Civil War in Palestine
-
The Second Cabinet Haniyeh
-
Israel and Palestine after the elections 2006
französisch:
-
La guerre d'Israël au Liban 2006
-
Guerre civile entre le Hamas et le Fatah
2007
-
La Palestine d'Abbas et Haniyeh dans l'impasse 2007
-
Les élections palestiniennes février 2006
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