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Schweizer
Bundesratswahlen - Blocher abgewählt
Bundesratswahlen, Nationalratswahlen,
Ständeratswahlen 2007
Hinzugefügt am 13. Dezember 2007 um 08 Uhr 10
Die stabile Schweiz erlebt ein
politisches Erdbeben: Eveline Widmer-Schlumpf nimmt ihre Wahl als Bundesrätin
an, Bundesrat Christoph Blocher ist definitiv abgewählt, und die SVP geht in die
Opposition. SVP-Präsident Ueli Maurerer erklärte bereits gestern den SVP
Bundesrat Samuel Schmid als fraktionslos. Eveline Widmer-Schlumpf wird nun
ebenfalls ausgeschlossen. Der SVP droht die Spaltung.
Hinzugefügt am 12. Dezember 2007 um 13 Uhr 36
Die 1956 geborene Tochter von
Alt-Bundesrat Leon Schlumpf, Eveline Widmer-Schlumpf, reiste nach Bern und bat
über den Parlamentspräsidenten die Vereinigte Bundesversammlung um Bedenkzeit bis
am 13. Dezember 2007 um 08 Uhr 00 für ihre Entscheidung zur möglichen Annahme
ihrer Wahl als neue SVP-Bundesrätin.
Artikel vom 12. Dezember 2007
Nach viel Theater um weisse und schwarze
Schafe blieben bei den Nationalrats- und Ständeratswahlen 2007 die grossen
Überraschungen aus. Das Volk sorgte für kleine Verschiebungen zugunsten von SVP
und Grünen, doch ein kleines Erdbeben wie vor vier Jahren, als der starke Mann
der SVP, Christoph Blocher, nach erfolgreichen Parlamentswahlen auf Kosten der
CVP von der Vereinigten Bundesversammlung (Nationalrat und Ständerat) in den
Bundesrat (Regierung) gewählt wurde, blieb aus.
Bei den heutigen Bundesratswahlen verlief zuerst alles normal. Die Bundesräte
Leuenberger (SP), Couchepin (FDP), Schmid (SVP) und Calmy-Rey (SP) wurden wiedergewählt. Doch im ersten
Wahlgang zur Bestätigung von Bundesrat Christoph Blocher verpasste eine Mehrheit
der Vereinigten Bundesversammlung dem Minister für Justiz
und Polizei einen Denkzettel.
Von den 246 Parlamentariern gingen alle 246 Wahlzettel wieder ein. Gültig waren
allerdings nur 238 Bulletins, weshalb das absolute Mehr zur Wahl bei 120 Stimmen
lag. Zur grossen Überraschung wählten 116 Parlamentarier der Linken zusammen mit
Teilen der CVP die SVP-Regierungsrätin aus dem Kanton Graubünden, Eveline Widmer-Schlumpf. Christoph
Blocher hingegen kam nur auf 111 Stimmen. Diverse weitere Kandidaten
erhielten 11 Stimmen.
Die SVP-Graubünden steht nach dem Rauswurf wegen "fehlender Linientreue" von
ihren beiden Bündner Nationalräten aus wichtigen Kommissionen auf Kriegsfuss mit
der Bundes-SVP.
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Die Linke und die Grünen bestreiten nicht das Recht der SVP auf zwei
Bundesratssitze. Doch viele haben Mühe mit der Person von Christoph Blocher. Die
SVP ist mit 29% der Stimmen im Nationalrat 2007 klar als stärkste Kraft im
Parlament bestätigt worden, nicht zuletzt auf Grund der Person von Christoph
Blocher. Doch die Vereinigte Bundesversammlung und nicht das Volk wählt die
Bundesräte.
Als Bundesrat war Christoph Blocher öfters Regierung und Opposition in einem,
wie auch die SVP. Doch auch die SP hat eine ähnliche Geschichte. Blocher fiel
als Bundesrat gegenüber seinen Kollegen nicht ab. Seine Regierungsarbeit war
zufriedenstellend, auch wenn er - wie auch andere Bundesräte - hin und wieder
Mühe mit der Konkordanz bekundete.
Die Sensation kam im zweiten Wahlgang. Alle 246 Stimmzettel gingen ein. Vier Wahlzettel waren leer, aber
keiner ungültig. Bei 242 gültigen Stimmen lag das absolute Mehr bei 122 Stimmen.
Die Sensation war perfekt, da 125 Parlamentarier für Eveline Widmer-Schlumpf
stimmten. Bundesrat Christoph Blocher erhielt nur 115 Stimmen. Zwei weiter
Stimmen entfielen auf weitere Kandidaten.
Die SVP bat in einem Ordnungsantrag um die Unterbrechung der Bundesratswahlen
bis um 13 Uhr. Bis dann sei Frau Eveline Widmer-Schlumpf da und könne erklären,
ob sie die Wahl annehme. Doch die Parlamentarier entschieden sich dagegen und
stimmten für die Fortsetzung der Bestätigung der restlichen Minister.
Der Parteipräsident der SVP, Ueli Maurer, erklärte am Schweizer Fernsehen,
sollte Christoph Blocher nicht gewählt werden, gehe die SVP in die Opposition.
Noch nichts ist entschieden, denn es ist wahrscheinlich, dass Frau Eveline
Widmer-Schlumpf die Wahl nicht annimmt. Sie soll sich so am Vortag gegenüber
Ueli Maurer geäussert haben. In diesem Fall müsste die Wahl des Ministers
wiederholt werden.
Dieser Fall trat am 10. März 1993 ein. Damals wurde die offizielle Kandidatin
der SPS, Christiane Brunner nicht in den Bundesrat gewählt, sondern Francis
Matthey. Der Sozialdemokrat nahm allerdings die Wahl nicht an, woraufhin
Ruth Dreifuss als zweite [korrigiert um 19.58] weibliche Bundesrätin der Schweiz gewählt wurde. 2007
wird die SVP allerdings auf der Wahl von Christoph Blocher bestehen und
ansonsten in die Opposition gehen. Das könnte das Ende der Konkordanz bedeuten,
eine Revolution...
Die Bundesratswahl ging am 12. Dezember 2007 nach der Nichtwahl von Christoph
Blocher weiter. Der nächste, zur Bestätigung anstehende Minister war Bundesrat
Merz (FDP). Von
246 Wahlzetteln ging 244. 8 Zettel waren leer, 3 ungültig. Bei 233 gültigen
Stimmen lag das absolute Mehr bei 117 Stimmen. Merz wurde mit dem
ausserordentlich guten Resultat von 213
Stimmen gewählt. Bei der nachfolgenden Wahl von Doris Leuthard (CVP) gingen 244
von 246 Wahlzettel ein. 49 Zettel waren leer, 4 ungültig. Bei 191 gültigen
Stimmen lag die zur Wahl nötige Mehrheit bei 96 Stimmen. Mit 160 Stimmen wurde
Doris Leuthard klar gewählt.
Die Schweiz kennt den sogenannten perfekten Bikameralismus, bei dem beide
Kammern des Parlaments, National- und Ständerat, die gleichen Rechte haben. Bei
den Bundesratswahlen stimmt die Vereinigte Bundesversammlung allerdings zusammen
ab. Da den 200 Nationalräten nur 46 Ständeräte gegenüber stehen, hat der
Nationalrat bei der Regierungswahl ein stärkeres Gewicht als der Ständerat.
Bei den Parlamentswahlen vom 21. Oktober 2007 und Entscheidungswahlen für den
Ständerat bis zum 25. November 2007 erhielt die SVP im Nationalrat mit seinen
200 Sitzen 29% (+2,3%) und damit 62 Sitze (+7). Die SP gewann 19,5% (-3,8) und 43
Sitze (-9). Die FDP kam auf 15,5% (-1,5) und 31 Sitze (-5). Die CVP gewann 14,6% (+0,2)
und 31 Sitze (+3). Die grösste Partei, die hinter den vier Bundesratsparteien
(Regierungsparteien) landete, war die GPS (Grünen) mit 9,6%
(+2,2) und 20 Sitzen (+7), der grösste Gewinner der Wahlen 2007, aber noch
weit von einem Bundesratssitz entfernt.
Im Ständerat geht es pro Kanton um einen oder zwei Sitze. Hier ist die SVP klar
schwächer vertreten. Die CVP hat ihre 15 Sitze von 2003 ebenso wie die SP ihre 9
Sitze verteidigt. Die FDP verlor 2 Sitze und kommt neu auf 12 Ständeräte. Die
SVP verlor 1 Sitz und kommt neu im Oberhaus of 7 Sitze. Die Grünen gewann
überraschend zwei Ständeratsmandate, einen in Genf und einen in Zürich. In der
Wirtschaftshauptstadt Zürich schaffte es Verena Diener den SVP-Präsidenten Ueli
Maurer zu schlagen.
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